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"Man sollte nie mit Dankbarkeit rechnen"

vom

Festival-Gründer Justus Frantz über die SHMF-Anfänge, fehlende Anerkennung und seine Konzerte

Herr Frantz, reden Sie eigentlich gern über alte SHMF-Zeiten?

Ja, denn es gibt unendlich viele Künstler, die ich mit Briefen und Gesprächen verleitet habe, zu uns zu kommen. Das war kein so ganz übles Niveau.

Und auch keine üblen Zeiten. Das Geld war ausreichend vorhanden, viele Türen gingen auf, weil Sie mit Uwe Barschel und Leonard Bernstein einflussreiche Unterstützer hatten.

Ja, das stimmt, aber auch Björn Engholm und Helmut Schmidt haben uns sehr geholfen. Durch Uwe Barschel kam die ganze logistische Unterstützung, Helmut Schmidt hat Briefe verfasst, um die großen Künstler, aber auch den Bundespräsidenten von einem Besuch bei uns zu überzeugen. Das hätte ohne ihn nie geklappt.

Heute hätte es wohl sogar Helmut Schmidt schwerer.

Ach, es ist alles schwerer geworden. Was fehlt, ist die Spontaneität. Das war damals anders.

Sie sind nicht so oft beim SHMF, wie man es erwarten würde. Woran liegt das?

Wissen Sie, wenn man viel tut für jemanden, dann ist er entweder sehr dankbar oder es ist ihm irgendwie peinlich und er reduziert die Schnittmengen mit Ihnen. Leider passiert Letzteres häufiger. Man sollte nie mit Dankbarkeit rechnen.

Was genau meinen Sie?

Da kommt jetzt ein neuer Intendant und alle Welt glaubt, er würde das Festival ganz groß machen - was ich ihm sehr wünsche. Wenn ich aber an seiner Stelle wäre, hätte ich doch mal mit mir gesprochen, mit Justus Frantz. Ich habe ein immer größer werdendes Netzwerk und ich würde ihm gerne helfen. Denn das Festival muss in der Zukunft auch neue Akzente setzen, das ist wichtig.

Wie beurteilen Sie die Entwicklungen der letzten Jahre, den geplanten Verkauf von Gut Salzau, die abgebrannte Konzertscheune, die einbehaltenen Festival-Rücklagen?

Ich bedaure sehr, dass es Salzau in der Form nicht mehr gibt und halte das für einen großen Fehler der damaligen Landesregierung. Herr Carstensen hätte ja mal zum Hörer greifen und mich fragen können, ob ich eine Möglichkeit habe, um zu helfen.

Und, hätten Sie gehabt?

Ja, aber ich werde mich hüten, jetzt zu sagen, wer das war.

Eine Kritik, die immer wieder aufkommt, ist die Verlagerung des Festivals in Richtung Hamburg. Sehen Sie diesen Trend auch?

Ach, das war schon in meiner Zeit ein großes Thema. Da hatte ich auch mal mit Peer Steinbrück (damals Kieler Wirtschaftsminister/Anm. der Redaktion) eine heftige Auseinandersetzung drüber. Aber die Schnittmenge zwischen Kielern, Flensburgern und Lübeckern ist nun einmal Hamburg. Hamburg ist die heimliche Hauptstadt von Schleswig-Holstein.

Mit Herrn Steinbrück hatten Sie noch eine weitere Auseinandersetzung, als Ihre Zeit beim SHMF zu Ende ging.

Peer Steinbrück hat damals gemeinsam mit Frau Simonis behauptet, dass ich mit Geld nicht umgehen könnte. Was sie nicht gesagt haben, ist, dass ich das Festival mit einem ordentlichen Plus übergeben habe. Aber ich konnte erzählen, was ich wollte - alle glaubten, dass Herr Steinbrück das Manna vom Himmel brächte.

Das ist heute nicht mehr ganz so…

Ja. Ich habe ihm in einem Brief geschrieben, dass er jetzt wahrscheinlich meine damalige Situation besser verstehen könne. Derzeit kann Herr Steinbrück ja sagen, dass die Nordsee blau ist und selbst daraus wird noch ein Fettnapf für ihn.

Hat er den Brief beantwortet?

Noch nicht.

Sie spielen mit Ihrer Philharmonie der Nationen morgen in Norderstedt und Mittwoch in Flensburg. Erläutern Sie kurz, warum man diese Konzerte nicht verpassen sollte.

Weil man ein Orchester erleben kann, das mit einzigartiger Glut spielt. Wie oft erleben wir, dass eine gewisse Halbherzigkeit von Orchestern ausgeht, auch wenn ihr Spiel professionell ist. Die Menschen wollen aber in Konzerten etwas erleben - das können sie hier ganz sicher.

> Konzerte: Morgen, 19 Uhr, in Norderstedt; Mittwoch, 20 Uhr, Flensburg

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von
erstellt am 17.Aug.2013 | 07:26 Uhr

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