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Kurzfilmtage : Lieber Flensburg als Hollywood

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Jim Lacy moderiert die Flensburger Kurzfilmtage. Er erklärt, warum die Filmemacher Flensburg lieben.

shz.de von
erstellt am 09.Mai.2013 | 09:57 Uhr

Flensburg | Sein Bruder ist Beleuchter in Hollywood, er selbst Filmemacher in Flensburg - ganz ohne Glamour will Jim Lacy nicht die Kurzfilmtage moderieren. Bei der Eröffnung wird er einen silbergrauen Anzug tragen. "Von Valentino." Der 44-Jährige strahlt und lehnt sich auf seinem Stuhl im Modul 1, dem winzigen Festivalbüro, zurück. "Ich muss bis dahin unbedingt lernen, eine Fliege zu binden." Die Wettbewerbsfilme hat er alle mindestens einmal geguckt. Der Rest kommt spontan.
Lacy dreht Filme, schon seit seiner Kindheit in Texas. Erst mit seinen Star Wars Figuren, dann mit selbstgemachten, irgendwann war er mal der Superheld. 2008 gewann er in Flensburg einen Preis für seinen Animationsfilm "Die schiefe Bahn". 2013 will er wieder selbst am Wettbewerb teilnehmen. Seit vier Jahren führt er durchs Programm. Moderieren mache "fast durchgehend Spaß".

"Eins der besten Festivals"

Fast. Bei dem Wort grinst Lacy wieder, wie so oft. Er sei ja eigentlich ein schüchterner Typ, wie auch die meisten Filmemacher, mit denen er auf der Bühne rede. Und das eine Mal im vergangenen Jahr erlitt er Schiffbruch. Das Schweigen von Alice Mattheß über ihren Film "Übung", der etwa sechs Minuten lang Turner an Geräten zeigt, versuchte er mit einem Witz zu brechen. Ob der Subtext mit dem Nah-Ost-Konflikt zu tun habe? Mehr Schweigen. Aus der peinlichen Stille im Publikum dröhnte es: "Lass doch mal die arme Frau in Ruhe!" Lacy hofft, dass so was nie wieder passiert. "Ich bin nicht der Typ, der junge talentierte Filmemacherinnen auf der Bühne beleidigt", beteuert er.
Trotz dieses kleineren Traumas hält Jim Lacy die Flensburger Kurzfilmtage für eins der besten Festivals in Europa - wobei die USA ohnehin bei den kurzen Filmen nicht so stark seien. Flensburgs Plus: "Ein Publikum, das Filmemacher lieben. Sehr interessiert, alle kommen ins Gespräch. Nichts gegen Großstädte, aber da gibt es ein kulturelles Überangebot. Die Leute kriegen viel weniger davon mit."

Kurzfilme bereiten Wege

Und Menschen sollten etwas von dieser Ausdrucksform mitbekommen: "Kurzfilm ist innovativer als Kino oder Fernsehen, eine eigenständige Kunstgattung." Und ein Motor für die Filmindustrie, sagt Lacy: "Die Kurzfilmtrends in diesem Jahr beeinflussen die Werbung des nächsten Jahres, die Kinofilme in zwei Jahren und die Fernsehformate in fünf Jahren." Avantgarde eben. Im letzten Jahr habe es viele Ausschnitte aus dem Leben gegeben, offene Enden. Und soziale Härte, Wirtschaftskrise. "Dieses Jahr ist von der Form her alles spielerischer, bildgewaltiger."
Kurzfilm, das wird immer eine kleine Sparte bleiben. "Es geht nicht ohne Idealismus", sagt Jim Lacy. "Wer gut ist, kann gar nicht unentdeckt bleiben. Diese Kreativität ist gefragt." Daran ändere auch die Wirtschaftskrise nichts. Mut zur originellen Idee, zum neuen Blickwinkel und zum Experiment - das ist die Chance des Minutenfilms. Flensburg ist nicht Hollywood, aber: "So ganz Einöde ist es nicht."

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