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"Der Pferdejunge" : Letzte Hoffnung Mongolei

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Rupert Isaacson versucht verzweifelt, die unsichtbare Mauer zu seinem autistischen Sohn einzubrechen. Weil die westliche Medizin nicht hilft, hofft er auf die Hilfe mongolischer Schamanen.

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erstellt am 07.Jan.2010 | 07:54 Uhr

Rupert Isaacson kennt als Reisejournalist die entlegensten Winkel der Erde, lebte auf verschiedenen Kontinenten, engagierte sich für die Buschmänner in Südafrika. Nur eine Welt bleibt ihm verschlossen: Die seines eigenen Sohnes Rowan. Der Junge ist Autist. Spricht kaum, schreit viel.
Die westliche Medizin steht bei der Entwicklungsstörung vor einem Rätsel. Isaacson greift nach dem letzten Strohhalm - er sucht Hilfe in der Esoterik und bei den Naturheilern, die er auf seinen Weltreisen traf. Und weil der Junge sich für Tiere und vor allem für Pferde interessiert, bucht der Vater kurzerhand eine Reise in die Mongolei - wo er zu Pferde die Rentiernomaden suchen möchte. Die mongolischen Schamanen sollen den Autismus heilen helfen.
Kleine Erfolge, große Niederlagen
Im Hörbuch "Der Pferdejunge" beschreibt der Journalist seinen Weg: Von der Suche der Eltern nach Hilfe, von kleinen Erfolgen und großen Niederlagen. Im Hörbuch wird die außergewöhnliche und wahre Geschichte von Schauspieler Till Demtröder gelesen. Besonnen und ruhig kann man die Reise der Familie samt Filmteam über England in die Mongolei nachvollziehen. Eingestimmt werden die Kapitel von fremdartig, indianisch anmutender Musik. So entsteht eine schöne Atmosphäre von Weite und Fremde.
Ein wenig zu minutiös beschreibt Isaacson die Reise. Rowan scheint tatsächlich Fortschritte zu machen: Er spricht längere Sätze, er antwortet - und in einem mitreisenden mongolischen Jungen findet er zum ersten Mal einen Freund. Isaacson möchte das gern auf die Rituale der Schamanen zurückführen. Diese hatten trommelnd, singend und peitschend gegen den Autismus vorzugehen versucht. Rituale, die in ihrer Fremdartigkeit faszinieren.
Klappriger Bus statt stolzem Pferd
Ein wenig zu sehr ist Isaacson jedoch von dieser Idee der schamanischen Wunderheilung eingenommen. Findet der Junge einen Freund, weil ein mongolischer Schamane für ihn getrommelt hat oder weil er zum ersten Mal einen Jungen trifft, bei dem die verbale Sprache ohnehin in den Hintergrund geraten muss? Isaacson stellt sich diese Fragen nicht. Ein wenig zu sehr zeigt sich der Vater enttäuscht, dass der Junge schließlich, statt auf dem Pferd zu sitzen, lieber in einem alten klapprigen Bus fährt, der mit Leopardenplüschsitzen und pinkfarbenen Vorhängen ausgestattet ist.
So beschreibt Isaacson die Rituale zu sehr mit den Augen eines esoterisch angehauchten Westlers, was im Verlauf der 5 CDs irgendwann zu nerven beginnt. Rührend sind aber immer wieder die kleinen Fortschritte des Jungen: Man freut sich, wenn Rowan das erste Mal eine Warum-Frage stellt, wenn der Junge sind zunehmend entwickelt. Umso ratloser bleibt man zurück, wenn er scheinbar ohne Anlass Rückfälle in seine Autismus-Welt hat. Gerade diese Beschreibungen machen die Geschichte authentisch.
"Der Pferdejunge" eröffnet verschiedene Welten. Man lernt die Probleme kennen, die Eltern autistischer Kinder haben, man blickt in die fremde Welt der mongolischen Steppe - mehr als alles andere lernt man aber die Gedankenwelt, die Hoffnungen und die romantischen Heilungs-Vorstellungen des Autoren kennen.
Rupert Isaacson: "Der Pferdejunge. Die Heilung meines Sohnes", Hörbuch gelesen von Till Demtröder, 5 CDs, Argon-Hörbuchverlag 2009, ISBN: 978-3-86610-845-5

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