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Ungewisse Zukunft : Landestheater in Schieflage

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Die Titanic war auch im Bühnenstück des Landestheaters nicht zu retten. Doch was wird aus dem Haus selbst? Dessen Aufsichtsrat und Gesellschafter  beraten heute über den gescheiterten Bühnen-Neubau in Schleswig – und damit über die Zukunft des Landestheaters.

Kiel/Rendsburg | Es war ein leidenschaftlicher Epilog. Gerade war die Titanic auf der Rendsburger Bühne gesunken und  damit – ganz nebenbei – die ungewollte Metapher vom Untergang des Landestheaters überaus deutlich geworden. Nach der Premiere stand der Intendant des Landestheaters, Peter Grisebach, dann im Foyer des Rendsburger Theaters und erzählte in dramatischen Untergangs-Bildern von seiner Gemütslage. Von schnell besetzten Plätzen in den Rettungsbooten, von wirkungslosen Manövern der Kapitäne und dekadenten Gästen im Ballsaal und Café, die sich nicht dafür interessierten, was um sie herum passiert.

Eine harsche Kritik in Richtung Politik, denn gemeint waren alle Fraktionen der Schleswiger Ratsversammlung – sogar die, die für einen Theaterneubau auf dem Gelände des Hesterbergs gestimmt hatten. „Eine vermeidbare Katastrophe“, fasste Grisebach seinen Eindruck zusammen. Schon am Abend der Schleswiger Entscheidung hatte er von der drohenden Insolvenz des Landestheaters im Jahr 2017 gesprochen.

Die Rede des Intendanten sagt einiges über das Konstrukt Landestheater aus – nicht nur inhaltlich. Denn Grisebachs Rendsburger Schelte an der Schleswiger Politik erreichte die Adressaten nur über Umwege.

Nun also ist der Dampfer Landestheater erst einmal auf Grund gelaufen. Seit Mitte Dezember sind alle Beteiligten bemüht, eine Lösung für das sensible Konstrukt, das insgesamt zwölf Gesellschafter unter einem Dach vereint, zu finden. Schnell muss es gehen, denn die fehlende Spielstätte kostet die GmbH nach Grisebachs Angaben 200.000 Euro im Jahr.

Auch heute, wenn in Rendsburg zunächst der Aufsichtsrat und anschließend die Gesellschafterversammlung zusammenkommen, wird es hauptsächlich um die Zukunft des Landestheaters gehen. „Die Gesellschafter wollen wissen, wo wir stehen“, sagt Jörn Klimant. Der Dithmarscher Landrat ist als Aufsichtsratsvorsitzender der Landestheater GmbH  erneut als Krisenmanager gefordert. Die Stimmung ist schlecht, wieder mal. Und schlechte Stimmung ist kein guter Boden für eine schnelle, einvernehmliche Lösung. Der Hauptausschuss der Stadt Flensburg jedenfalls hat Grisebach schon einmal beauftragt, Szenarien zu entwickeln, wie ein Landestheater ohne Schleswig aussehen könnte.

Klimant weiß aus früheren Krisen, wie gefährlich die Situation ist: „Wir müssen die Diskussion um den Theaterneubau mit einem hohen Maß an Sachlichkeit zu Ende führen“, sagt er. Auch wenn Klimant es nicht ausdrücklich sagt, diese Sachlichkeit wird er auch beim Intendanten eingefordert haben.

Inhaltlich liegen der Aufsichtsratsvorsitzende und der Intendant auf einer Linie, sie sehen für das Schleswiger Theater keine Alternative zum geplanten Neubau auf dem Hesterberg. „Der Standort ist gut, dort sind bis auf einen Spielsaal einige Gebäude, die man  nutzen kann“, sagt Klimant. Er wagt eine optimistische Prognose: „Ich gehe davon aus, dass wir im ersten Quartal dieses Jahres eine Entscheidung für den Hesterberg hinbekommen.“

Ein enges Zeitfenster, wenn man bedenkt, dass einige große Finanzierungsfragen wie der Erlass der Umsatzsteuer für den 14 Millionen Euro teuren Neubau, aber auch die rechtlich einwandfreie Integration externer Mittel wie etwa der 500.000 Euro von der Kulturstiftung des Kreises Schleswig-Flensburg in den Haushalt der Stadt Schleswig, noch nicht geklärt sind.

Die Schleswiger CDU hat ihre Entscheidung gegen einen Neubau unter anderem mit diesen ungeklärten Punkten begründet: Man habe „nicht gegen das Theater, sondern gegen ein riskantes, unsolides und nicht tragfähiges Finanzierungskonzept gestimmt“, schreibt der Schleswiger Ortsverbandsvorsitzende Helge Lehmkuhl. Außerdem wurde von  CDU-Seite – wie auch von anderen – die Vorbereitung der Beschlussvorlagen durch die Stadtverwaltung kritisiert.  

Ansonsten ist man auf CDU-Seite auf den geforderten Deeskalationskurs eingeschwenkt – zumindest gegenüber dem Landestheater. Während der „Nordkonferenz“ der Christdemokraten  vor wenigen Tagen  wurde der Intendant jedenfalls auffallend deutlich gelobt: „Ohne Herrn Grisebach hätten wir heute  gar keinen Anlass zur Diskussion, weil das Landestheater bereits abgewickelt wäre“, sagte der CDU-Fraktionsvorsitzende im Landtag, Johannes Callsen. In Richtung Kulturministerin Anke Spoorendonk (SSW) dagegen wurde erwartungsgemäß gekeilt: Sie würde ihren Worten  keine Taten folgen lassen.

Die Ministerin, die bereits unmittelbar nach dem „Nein“ des Rates ein Krisentreffen auf Schloss Gottorf initiiert hatte,  will Ende Januar alle Seiten noch einmal an den Tisch holen. „Derzeit werden von den Beteiligten verschiedene Aufgaben abgearbeitet, weil wir möglichst schnell zu einer Entscheidung kommen müssen“, sagt Ministeriumssprecher Oliver Breuer.   Bis dahin will man sich in Kiel mit Prognosen und Beurteilungen zurückhalten: „Alle Beteiligten haben Stillschweigen vereinbart.“

Peter Grisebach hat diesbezüglich eine Ausnahmeregel für sich selbst beschlossen:  „Mein Harmoniebedürfnis ist derzeit sehr unterentwickelt.“ Und den Titanic-Epilog gegen die Schleswiger Ratsversammlung, den will er beim Flensburger Bühnenball am 18. Januar noch einmal vortragen.

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erstellt am 10.Jan.2014 | 09:41 Uhr

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