Illustrationen : Kusch!

Missfeldt
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Der Grafiker Klaus Ensikat hat Kurt Tucholskys Texte über die Beziehung zwischen Mensch und Hund neu illustriert.

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19. November 2013, 09:32 Uhr

„Kusch!“ heißt für den Hund „Leg dich, sei brav“. Das Wort leitet sich aus dem Französischen her, von „coucher“ – zu Bett bringen, schlafen legen. Warum beginnen so viele Hundewörter mit dem Buchstaben „K“? Hat das zu tun mit der lateinischen Wurzel „Canis = Hund? Auch die „Kanaille“ hat da ihren Ursprung. „Hund“ kommt aus dem Germanischen. Wo aber haben „Kläffer“ und „Köter“ ihren Ursprung? Wat köterst du hier rüm, sagt man auf Plattdeutsch.

Das einsilbige „Kusch“ ist wie „Sitz“, „Bleib“, „Such“ und Fass“ Sinnbild für Befehl und Gehorsam. „Kusch“ meint die Identität stiftende Verbindung zwischen Mensch und Hund, die den einen als absoluten Herrscher hochhält und im anderen ein Wesen sieht, dessen Wille sich darin erschöpft, Leibeigener zu sein. Aus dieser Beziehung gewinnt dieses Buch auch seinen Titel, und bissig und böse rücken Dichter und Zeichner diesem Thema auf den Pelz. Sie bürsten den Hund kräftig gegen den Strich, und den Hundebesitzer bürsten sie gleich mit.

Tucholsky schimpft den Hund, unser ältestes Haustier, „Mistbatzen“ und „Bellmaschine“, eine übel riechende Kreatur, die rund um die Uhr Lärm macht. Vor allem sieht er in ihm den „Verräter“, der sein Wolfswesen und damit seine Freiheit aufgekündigt habe, um sich in die Gefangenschaft des Menschen zu begeben. Herr und Hund kommen dabei nicht gut weg, und man könnte sich kaum mit diesen beiden anfreunden, wären da nicht zwei Künstler, die ihre Gegenstände so meisterhaft gestalten.

Tucholsky schreibt bekanntlich frech und unterhaltsam, ironisch und humorvoll. Er schöpft selbstverständlich seine Gedanken und Erinnerungen aus der kaiserlich-deutschen Zeit und der Zeit danach, also aus den ersten dreißig Jahren des 19. Jahrhunderts. Warum halten sich die Menschen einen Hund? Um „noch einen unter sich zu haben“, meint Tucholsky, denn „welche Seligkeit, befehlen zu können.“

Dem Leser von heute mag da manches Gleichnis vom Herrn und seinem Hund nicht mehr recht einleuchten; denn mit Kadavergehorsam und Treue um ihrer selbst willen lockt man im Deutschland von heute kaum noch einen Hund hinterm Ofen hervor. Aber der Verleger und Herausgeber Claus Lorenzen hat mit Klaus Ensikat einen Glücksgriff getan. Dessen Zeichnungen spiegeln Motive und Lebenswelten aus Tucholsky-Zeiten, dahin wandert der Leser mit seinen Gedanken, und mit manchem Aha-Erlebnis kehrt er wieder zurück. Gleichzeitig wird er leicht und locker mit den zeitlos schönen, widerborstigen, grimmigen Menschen- und Hundeporträts in unsere Zeit gehoben, und den unverwüstlichen Tucholsky-Text nimmt er gleich mit. Darin liegt die einnehmende Wirkung dieses Buches: Es lässt den Hundefreund sein Amt besser verstehen und, vielleicht, macht es den Hundefeind zum Hundefreund. Den Hundefreund lockt die Extrawurst mit dieser Botschaft: Mache aus deinem Hund kein Kuscheltier – Kusch!

>Der Hund als Untergebener. Bissiges über Hunde und ihre Halter. Kurt Tucholsky, mit Zeichnungen von Klaus Ensikat und einem Nachwort von Claus Lorenzen. Officina Ludi, Großhansdorf 2013. ISBN 978-3-00-043148-7. Ganzleinenband 19,80 Euro. Signierte und num. Vorzugsausgaben mit einem dreifarbigen Original-Linolschnitt, im Schuber (160 Euro) sind direkt beim Verlag Officina Ludi erhältlich. www.officinaludi.de

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