"to-break" : Kunstprojekt gegen das Vergessen

Körpersprache als Kunstform: Anna Brunner-Mocka zeigt in Breklum ihr Mitgefühl für die Japaner.  Foto: Müllerchen
Körpersprache als Kunstform: Anna Brunner-Mocka zeigt in Breklum ihr Mitgefühl für die Japaner. Foto: Müllerchen

Deutsche und japanische Künstler riefen die Aktion "to-break" ins Leben, die an die Folgen des Erdbebens von Japan erinnern soll.

Avatar_shz von
25. Mai 2011, 09:29 Uhr

Breklum | Die Naturkatastrophe in Japan ist noch keine drei Monate her und schon verschwindet das furchtbare Geschehen mit bisher unvorstellbaren Folgen zunehmend aus dem Gedächtnis der Menschen. Noch bis zum 26. Juni werden die Ergebnisse einer ungewöhnliche Aktion auf dem Gelände des Christian Jensen Kollegs in Breklum gezeigt. Das japanisch-deutsche Kunst- und Kulturprojekt "to-break" wurde kurzfristig ins Leben gerufen, um sich auf künstlerischer Ebene aktuell mit der Katastrophe in Japan auseinander zusetzen.
"Wir haben zu zahlreichen japanischen Künstlern in ihrem Land Kontakt aufgenommen", erläuterte Projektmanager Hans-Joachim Mocka aus Schleswig. Die japanischen Künstler schickten ihre Kunstwerke nach Deutschland, wo sie bereits vor 14 Tagen präsentiert wurden. Damit gaben sie ihrem Empfinden über die Katastrophe Ausdruck. Als Antwort auf diese Werke präsentierten deutsche Künstler ihre Arbeiten.
Schmerz und Schock in Klavierstück eingearbeitet
"Ziel dieses Projektes ist es, in einen Dialog mit den japanischen Künstlern zu treten und den eigenen Empfindungen und Gedanken Ausdruck zu verleihen", sagt Friedemann Magaard, Leiter des Christian Jensen Kollegs, der am Sonntag die Gäste zur ersten Präsentation der Ergebnisse persönlich begrüßte.
Christoph G.Schmidt trat als erster Künstler in den Dialog ein und gab seine Empfindungen in Form eines Klavierstücks wieder. Beängstigend und bedrohend klangen die ersten Töne, mit denen er das Brodeln der Erde sowie die haushohen und zerstörerischen Tsunamiewellen umschrieb. "Ich habe ein Bild vor Augen gehabt und diesen Schmerz und Schock in das Klavierstück eingearbeitet."
Japanischer Ausdruckstanz Budo
Entsetzen und Verzweiflung zeigte sich auch beim japanischen Ausdruckstanz Budo, mit dem die Künstlerin Anna Brunner-Mocka aus Fleckeby ihr Mitgefühl und ihre Empfindungen darstellte. "Diese Körpersprache ist die Antwort auf das, was ich gesehen oder auch erlebt habe", erklärte sie.
Als Antwort auf die Kunstwerke aus Japan stellte Arno Neufeld aus Kiel ein aufrüttelndes Kunstwerk vor. Ein roter Sekundenzeiger zwischen zwei aufeinander liegenden Erdplatten, der mal zu sehen ist und mal unter der Erdplatte verschwindet, sollte auf die unverantwortliche Arglosigkeit der Menschen hinweisen: "Sobald die Gefahren aus unserem Blickwinkel verschwinden, tun wir so, als gäbe es sie nicht", lautet seine Erklärung. Erst wenn wieder ein Unglück geschehe, seien wir erschrocken und geschockt - für eine kleine Weile. Zeitgleich zu dieser Projektvorstellung drehten Schülerinnen und Schüler der Domschule in Schleswig ein Video zum Thema "Pink Noise". Voraussichtlich im August soll das Ergebnis in Breklum vorgestellt werden. Geht es nach dem Veranstalter, so soll die Aktion "to-break" weitere Kreise ziehen. So werden sich mehrere Schulen an diesem Projekt beteiligen. "Es ist auf fünf Jahre angelegt und soll auch andere Nationen einbinden", erläutert Projektleiter Hans-Joachim Mocka. Dabei denkt er auch an die Länder Russland und China.
"Wie gehen wir mit der Energie um, wie gehen wir mit unserer Erde und mit den Menschen selbst um?" Mit Fragen wie diesen, meint Mocka, sollten die Menschen weltweit immer wieder konfrontiert werden.
(shz)

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen