Kappeln : Kunsthaus gegen Künstler

So ruhig wie auf Gerhart Bettermanns Hafenansicht geht es in Kappeln derzeit nicht zu.
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So ruhig wie auf Gerhart Bettermanns Hafenansicht geht es in Kappeln derzeit nicht zu.

Eine Kappelner Galerie sagt eine Ausstellung ab, nachdem der Künstler die NS-Vergangenheit des Kappelner Malers Gerhart Bettermann thematisiert hat.

shz.de von
16. Dezember 2010, 03:36 Uhr

Kappeln/Berlin | Die Ausstellung im Kappelner Kunsthaus Hänisch war fest vereinbart. Doch nachdem der Künstler Nicolaus Schmidt seine Nachforschungen über die Verbindung des Kappelner Malers Gerhart Bettermann (1910-1992) zu den Nationalsozialisten veröffentlicht hatte, war die Tür ins Kunsthaus für ihn zu. Kommunikationsschwierigkeiten mit dem Künstler nennen die Kunsthaus-Verantwortlichen als Grund, Unmut über seine Bettermann-Publikation dagegen Schmidt.
Der in Berlin lebende Schmidt mit Wurzeln in Arnis war gerade auf dem Weg zu einem Treffen mit Vertretern des Kunsthaus Hänisch, als ihm die Absage seiner Ausstellung telefonisch mitgeteilt wurde. Das Treffen mit dem Vereinsvorstand fand zwar am Folgetag noch statt, änderte aber nichts an der Entscheidung. In dem Gespräch zwischen Schmidt, Christina Kohla, Leiterin des Kunsthauses, und Jens Burkart, 1. Vorsitzender des Kunstvereins, wurden Schmidts Nachforschungen über den verstorbenen Künstler Gerhart Bettermann, der in der Nähe von Kappeln lebte, angesprochen. Schmidt hatte ausgehend vom Fund einer Zeitungsdoppelseite aus dem Jahr 1937 beschrieben, dass Bettermann während des Zweiten Weltkriegs mit Parteimitgliedern der NSDAP zusammengearbeitet hätte, was der Künstler nach Kriegsende in der Öffentlichkeit nie wieder erwähnte. Schmidt kam in seinem Aufsatz zu dem Fazit, dass die historische Beurteilung Bettermanns korrigiert werden müsse und weitere Nachforschungen nötig seien. Dies wurde von Bettermann-Experten bestätigt - unter anderem vom Historiker Holger Rüdel, Chef des Schleswiger Stadtmuseums.
Unruhe in Kappeln verursacht
"Nicolaus Schmidt hat mit seiner Recherche in Kappeln Unruhe verursacht", sagt Burkart vom Kunsthaus Hänisch gegenüber unserer Zeitung. Doch während er sich fragt, "was das alles nach 60 Jahren solle", erreichten Nicolaus Schmidt zahlreiche Anrufe und E-Mails von Kappelner Bürgern, die sich an weitere Einzelheiten im Fall Bettermann erinnerten. Zum Beispiel, dass dieser mit einem Empfehlungsschreiben aus höchsten Parteikreisen von Berlin nach Kappeln gekommen sei.
Hat Schmidt mit seiner Recherche zu Bettermann den Vorstand des Kunstvereins verärgert? Kunsthaus-Leiterin Kohla verneint dies, betont sogar, dass Schmidts Recherche gerechtfertigt sei. "Sie war nicht der Grund für die Absage." Sie erklärt den Entschluss, Schmidts Ausstellung abzusagen damit, dass die Zusammenarbeit zwischen dem Kunsthaus und dem Berliner Künstler nicht gepasst habe. "Es gab Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Vorstand und Herrn Schmidt."
Der zeigt sich gekränkt. "Ich bedaure es, dass die wunderbare Idee von Frau Hänisch, ihr Elternhaus als Ausstellungsort für die Kunst zu stiften, durch diese unprofessionelle Entscheidung in Mitleidenschaft gezogen wird." Schmidt erklärt, dass ihm während des Treffens in Kappeln vorgehalten worden sei, dass er Bettermann mit seiner Recherche schlecht gemacht hätte. "Der Hinweis, dass Kontroversen doch genau das ausmachen, was ein guter Kunstverein braucht, half nichts, die Entscheidung wurde nicht revidiert."
Einige erwägen den Vereinsaustritt
Christina Kohla beschreibt das Ende des Treffens zwischen dem Fotokünstler und dem Kunstverein anders: "Herr Schmidt hat uns schließlich angedroht, dass die Entscheidung des Vereinsvorstands Konsequenzen haben werde."
Diese zeigten sich nur wenige Tage nach der Absage. Der Berliner informierte seine Künstler-Kollegen Peter Heber und Hansjörg Schneider - wie Schmidt ehemalige Schüler der Kappelner Klaus-Harms-Schule. Heber und Schneider sagten daraufhin ihre für 2012 geplante Doppelausstellung im Kunsthaus Hänisch ab. "Das ist ein Ort, an dem ich nicht ausstellen möchte", erklärt Schneider, denn "dem Vorstand des Kunsthaus Hänisch hat scheinbar Schmidts Recherche nicht gefallen." Sowohl Heber als auch Schneider betonen, dass Schmidts Recherche "richtig und wichtig" sei. "Bettermann stand in der Öffentlichkeit, da muss es erlaubt sein, über ihn kunsthistorische Nachforschungen anzustellen", sagt Heber.
Die Reaktionen der Vereinsmitglieder auf diesen Streit fallen unterdessen sehr unterschiedlich aus. Während sich einige Mitglieder gegen Nicolaus Schmidt aussprechen, ist die Entscheidung des Vorstandes bei anderen heftig umstritten. Einige sollen sogar einen Vereinsaustritt erwägen. Sicher ist wohl, dass der Streit einen enormen Imageschaden für das Kunsthaus Hänisch bedeutet.

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