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65. Geburtstag von Håkan Nesser : Krimis von Skandinavien bis Schleswig-Holstein

vom

Am 21. Februar wird Håkan Nesser - bekannt durch seine Romanfiguren Kommissar Van Veeteren und Inspektor Barbotti - 65 Jahre alt. shz.de stellt Krimi-Autoren aus Skandinavien und SH vor.

shz.de von
erstellt am 20.Feb.2015 | 19:16 Uhr

Am 21. Februar feiert einer der großen unter den nordischen Krimiautoren Geburtstag: Håkan Nesser. Grund genug für shz.de, die bekanntesten skandinavischen Kriminal-Autoren vorzustellen und auch einen kleinen Blick nach Schleswig-Holstein zu werfen.

Håkan Nesser wurde 1950 in Kumla geboren. Der Schwede studierte Soziologie, Englisch, Literaturgeschichte, Skandinavistik, Geschichte und Philosophie an der Universität in Uppsala. Danach war er einige Jahre Gymnasiallehrer, bevor er 1993 den schwedischen Krimipreis für seinen ersten Roman bekam. Die „Kommissar-Van-Veeteren-Romane“ starteten mit „Das grobmaschige Netz“. Er ist bis heute ein vielverkaufter Roman des Schweden. Von 1993 bis 2003 erschienen zehn Teile der Reihe. Einige davon wurden verfilmt. Charakteristisch für die Romane ist der Schauplatz – ein fiktives Land mit der Hauptstadt Maardam.

Nesser sagte dazu einmal: „Dass es das Land nicht gibt“, sorgt für einen Extrakick. Für ihn als Autoren habe das einen deutlichen Vorteil. „Ich kann einfach einen Berg hineinstopfen oder eine Heidelandschaft sich ausstrecken lassen, wenn es mir passt.“ Die Landschaft in einem Roman sei so wichtig, dass man es nicht der Natur überlassen könne, sie zu schaffen, sagt Nesser.

Mit Inspektor Barbarotti startete Nesser 2006 einen neuen Hauptcharakter in seinen Büchern. „Mensch ohne Hund“ ist der erste erschienene Titel mit Gunnar Barbarotti, der in einem fiktiven schwedischen Ort namens Kymlinge ermittelt. Es gibt fünf Bände. Das Finale der Reihe erschien 2012 und heißt „Am Abend des Mordes“.

Warum er Kriminalromane schreibt, beantwortete Nesser in einem Interview auf seiner deutschen Homepage: „Aus zwei Gründen - glaube ich. Einerseits finde ich es gar nicht schlecht, wenn Bücher spannend sind. Die Leute, die ein Buch lesen, sollten neugierig darauf sein, was passiert ist und was noch passieren wird.“ Das sei eine unerhört wichtige Triebkraft beim Lesen, sagt Nesser. „Andererseits ist der Tod in Kriminalromanen immer anwesend, und wenn der Tod in der Nähe ist, stellen wir die wichtigen Fragen nach dem Leben.“

2013 erschien sein bisher letzter Roman. „Die Lebenden und Toten von Winsford“ handelt von einer Frau - Maria Anderson - die sich im beschaulichen Winsford niederlässt. Etwas Sonderbares umgibt die Fremde und das bietet im kleinen Ort Stoff für Spekulationen. Nicht alle sind der Frau wohlgesonnen und die merkwürdigen Zwischenfälle häufen sich. Das Buch ist eines von vielen, was auf dem deutschen Büchermarkt durchaus erfolgreich ist.

Warum Nesser gerade in Deutschland so beliebt ist, kann auch er nicht beantworten. „Deutschland ist der wichtigste Markt für uns (Anm. d. Red. für schwedische Krimiautoren), denn hier funktioniert schwedische Krimiliteratur.“ In Deutschland gebe es tatsächlich die besten Leser, sagt Nesser. „Ich frage mich selbst oft: Warum mögen Deutsche uns so sehr?“ Astrid Lindgren spiele dabei vermutlich eine wichtige Rolle. „Deutsche haben ein ganz bestimmtes Bild von Schweden vor Augen: kleine, rote Hütten, viel Platz und viel Natur – als wenn es ihre Heimat wäre.“

Doch nicht nur Håkan Nesser ist in Deutschland erfolgreich. Es gibt eine Reihe weiterer international bekannter Krimi-Autoren aus Skandinavien, die mit ihren Büchern regelmäßig auf den Bestseller-Listen landen:

Henning Mankell

Henning Mankell ist ein schwedischer Theaterregisseur und Schriftsteller. Er wurde am 3. Februar 1948 in Stockholm geboren und ist weltweit bekannt durch seine Kurt-Wallander-Krimis. Insgesamt elf Krimis mit Hauptkommissar Wallander, zwei kürzere Kriminalgeschichten und ein Krimi mit Wallanders Tochter Lina wurden bislang veröffentlicht. Zahlreiche Geschichten Mankells wurden verfilmt.

Mankells Romanfigur Kurt Wallander ist ein grüblerischer, introvertierter Kriminalkommissar aus der südschwedischen Stadt Ystad. Er lebt seit seiner Scheidung in einer Art Midlife Crisis, die geprägt ist von Einsamkeit, Alkoholsucht, Diabetes und einer starken Libido bei abnehmender äußerer Attraktivität. Er ist kein klassischer Romanheld, sondern ein ganz normaler Mensch mit typischen Problemen. Im letzten Roman „Der Feind im Schatten“, lässt Mankell seine Romanfigur an Alzheimer erkranken.

Weitere Veröffentlichungen sind unter anderem „Kennedys Hirn“, „Der Chinese“ und „Die Rote Antilope“. 2014 erkrankte Mankell an Krebs. Seither schreibt er eine Kolumne darüber, um Menschen mit ähnlichen Erkrankungen Mut zu geben.

 

Jussi Adler-Olsen

Jussi Adler-Olsen wurde am 2. August 1950 in Kopenhagen geboren. Bekannt wurde er durch seine Krimigeschichte „Das Alphabethaus“ von 1997. Ein weiterer bekannter Titel ist das Buch „Erbarmen“ aus dem Jahr 2007.

 

Yrsa Sigurðardóttir

Die isländische Schriftstellerin wurde am 24. August 1963 geboren. Sie studierte zunächst Bauingenieurwesen und arbeitet am bekannten Kárahnjúka-Staudamm in Ostisland. In ihrer Freizeit schreibt sie dort die Kriminalromane um die humorvolle und alleinerziehende Rechtsanwältin Þóra Gudmundsdottir aus Reykjavík. Nicht zuletzt weil diese einen deutschen Liebhaber hat, hat sie besonderen Erfolg auf dem deutschen Buchmarkt.

2005 erschien ihr erster Kriminalroman. Seither ist sie als Kriminalautorin international angesehen. „Das letzte Ritual“, „Das gefrorene Licht“, „Das glühende Grab“, „Die eisblaue Spur“, „Feuernacht“, „Todesschiff“, „Geisterfjord“ und „Seelen im Eis“ sind bisher in deutscher Sprache erschienen. Ihre Romane sind geprägt von ausgiebigen Beschreibungen der Landschaften und der Erzeugung von düsterer Spannung.

Yrsa Sigurðardóttir
Yrsa Sigurðardóttir Foto:Tim Duncan / Wikipedia

 

Jo Nesbø

Geboren am 29. März 1960 in Oslo ist der norwegische Musiker und Autor durch seinen Kommissar Harry Hole bekannt geworden. Die alkoholkranke Hauptperson ist der alleinstehende Hole, der zumeist brutale Mordfälle lösen muss. Die Reihe startete 1997 mit dem Buch „Fledermausmann“. Das letzte Buch aus dem Jahr 2013 war „Koma“.

 

Åke Edwardson

Am 10. März 1953 in Vrigstad geboren, ist Edwardson einer der erfolgreichsten schwedischen Krimiautoren neben Mankell und Nesser. Der Journalist veröffentlichte 1997 den ersten Titel seiner Reihe um den Kommissar Erik Winter. Für „Tanz mit dem Engel“ bekam er den schwedischen Krimipreis.

Ake Edwardson
Ake Edwardson Foto:Imago
Arnaldur Indriðason

Der Krimiautor studierte zunäscht Geschichte an der Universität Reykjavík, bevor er als Journalist und Filmkritiker bei der renommierten isländischen Tageszeitung Morgunbladið arbeitete. Am 28. Januar 1961 in Reykjavík geboren, schuf er in seiner Romanwelt Erlendur Sveinsson und seine Kollegen der Kripo Reykjavík.  Mit dem Titel „Nordermoor“ gelang ihm der Durchbruch. Die Kriminalfälle spielen häufig in der Vergangenheit und die Geschichte Islands wird dem Leser nähergebracht. Kommissar Erlendurs eigenwilliger Charakter und die Beschreibung der isländsichen Landschaft runden die Romane ab.

Arnaldur Indridason
Arnaldur Indridason Foto:Imago

 

Maj Sjöwall / Per Wahlöö

Maj Sjöwall  wurde am 25.09.1935 in Stockholm geboren. Mit ihrem damaligen Kollegen Per Wahlöö (5. August 1926 in Församling, 1975 in Malmö gestorben) schrieb sie in den Jahren 1965-1975 einen Roman-Zyklus über ein Verbrechen. Diese Reihe machte beide Autoren weltbekannt. Die Autoren-Kooperation setzte sich auch außerhalb der Arbeit fort. Beide zogen zusammen und hatten zwei Kinder miteinander.

Maj Sjöwall
Maj Sjöwall Foto:Dr. Jost Hindersmann / Krimidoedel
Stieg Larsson

Karl Stig-Erland Larsson alias Stieg Larsson wurde am 15. August 1954 in Skelleftehamn geboren. Der schwedische Journalist, Schriftsteller und Herausgeber des antirassistischen Magazins „Expo“ starb am 9. November 2004 in Stockholm an den Folgen eines Herzinfarktes. Er wurde posthum durch die Veröffentlichung seiner Kriminalromane der „Millenium-Trilogie“ weltbekannt.

Larsson verschrieb sich seit seinem 14. Lebensjahr dem Kampf gegen gesellschaftliche Missstände. Damals sah er, wie Freunde ein Mädchen vergewaltigten. Er schritt nicht ein, begann danach seine Mission gegen Ungerechtigkeit und später vor allem Rechtsradikalismus in Schweden. 1977 reiste er nach Afrika. Dort kämpfte die Provinz Eritrea für seine Unabhängigkeit von Äthiopien. In einem Ausbildungslager der Guerilla erklärte Stieg Larsson den Rekruten die Funktionsweise von Granatwerfern. Er selbst diente in der schwedischen Armee.

Als 1995 sieben Menschen durch Rechtsradikalismus in Schweden den Tod fanden, gründete Larsson die Expo-Stiftung, aus der gleichnamiges Magazin hervorging. In der Folge musste das antirassistische Magazin mit rechtsradikalem Terror leben. Eingeworfene Schaufensterscheiben, zerstörte Verkaufsstellen und auf dem Höhepunkt eine Autobombe durch die ein Expo-Reporter verletzt wurde. Larsson entwickelte sich zu einem weltweit führenden Experten für faschistische, rechtsextreme, neonazistische und rechtskonservative Bewegungen. Er selbst bezeichnete sich als kommunistisch.

Der klassische Workaholic - so beschrieben ihn seine Kollegen - gab sich tagsüber kampfeslustig gegen den Rechtsradikalismus, in der Nacht und am Morgen arbeitete er an seinen Kriminalromanen um die Charaktere „Mikael Blomkvist“ den Reporter der Zeitschrift Millenium und „Lisbeth Salander“, einer Hackerin. Ursprünglich war die Trilogie auf zehn Teile ausgelegt. Die Titel „Män som hatar kvinnor“ (deutscher Titel: „Verblendung“), „Flickan som lekte med elden“ (deutscher Titel „Verdammnis“) und „Luftslottet som sprängdes“ (deutscher Titel „Vergebung“) wurden in Schweden posthum veröffentlicht. Die Reihe wurde in Schweden mit Noomi Rapace und Michael Nyqvist verfilmt und kam auch in deutsche Kinos. Eine US-Produktion des ersten Teils wurde 2012 veröffentlicht - mit Daniel Craig in der Hauptrolle.

 

Reicht das Feuer der skandinavischen Star-Autoren auch bis ins beschauliche Schleswig-Holstein? In ein Bundesland, in dem man sich brutale Morde kaum vorstellen kann? Antwort: Ja!  Auch in Nordstrand, Flensburg oder auf Sylt wird fiktiv gemordet.

Eva Almstädt

Eva Almstädt ist eine der Autoren, die sich den Norden als Schauplatz für Kriminalgeschichten ausgedacht hat. Am 23. November 1965 in Hamburg geboren, ist Almstädt ausgebildete Raumausstatterin und Innenarchitektin. Mit ihren Büchern „Kalter Grund“, „Ostseeblut“ oder „Ostseefluch“, die bei Bastei Lübbe erschienen sind hat sie regional für Aufsehen gesorgt. In „Kalter Grund“ sucht Pia Korittki, eine neue Kommissarin bei der Lübecker Mordkommission, nach den Tätern eines Dreifachmordes auf einem Bauernhof in Holstein. „Ostseesühne“ erschien im April 2014 und ist Pia Korittkis 9. Fall.

Krimiautorin Eva Almstädt freut sich über den Erfolg ihrer Bücher.
Krimiautorin Eva Almstädt freut sich über den Erfolg ihrer Bücher.

 

Sandra Dünschede

Die 1972 geborene Sandra Dünschede schreibt Kriminalromane die im Raum Husum und Niebüll stattfinden. Mit Titeln wie „Friesenlüge“, „Friesenkinder“, „Nordmord“ oder „Deichgrab“ hat sich Dünschede einen Namen gemacht. In „Deichgrab“ kehrt nach dem Tod seines Onkels Tom Meissner in das kleine Dorf seiner Kindheit in Nordfriesland zurück. Er erfährt von den Dorfbewohnern, dass sein Onkel ein Mörder gewesen sein soll. Er will herausfinden, was wirklich geschehen ist und stößt dabei nicht nur auf Widerstand, sondern auch auf die dunkle Vergangenheit einiger Dorfbewohner.

Sandra Dünschede ist bald zu Gast in Wedel.
Sandra Dünschede ist bald zu Gast in Wedel. Foto:pt
Frank-Peter Hansen

Ein echter Flensburger ist der heute in Berlin lebende Frank-Peter Hansen. Am 15. März 1956 in Flensburg geboren, ist der Philosoph und Schriftsteller gedanklich noch im hohen Norden beheimatet. Seine vier Regionalkrimis spielen alle in Flensburg und/oder auf Nordstrand. „Fördemord“ ist der wohl bekannteste Teil der Reihe, der 2011 erschien. Darin geht es um ein Mädchen, das tot im Industriehafen in Flensburg gefunden wird. Mit „Solitüdegrab“, „Salzwiesentod“ und „Willeexperiment“ erschienen weitere Krimis.

Autor Dr. Frank-Peter Hansen. Foto:shz
Simone Klages

Simone Klages schreibt unter anderem Krimigeschichten für Kinder. Berühmteste Reihe der in Hamburg-Harburg geborenen Schrifstellerin sind die Geschichten um „Die Detektive von Cismar“. Der Klappentext für die Bücherreihe verheißt viel Spannung für Kinder. „Die Aussicht, die Sommerferien in Cismar an der Ostsee zu verbringen, ist schlimm genug – glaubt Franzi. Vor allem, wenn man auch noch ständig den kleinen Bruder Benni am Hals hat, der leidenschaftlicher Sammler ekliger Schnecken und eine echte Nervensäge ist. Dass in diesem Dorf, dessen Hauptattraktion ein Kloster aus dem 12. Jahrhundert ist, jedoch nichts los ist, stellt sich bald als großer Irrtum heraus.

Kinderbuchautorin Simone Klages präsentiert ein Exemplar ihres Buches in japanischer Schrift. Foto:Mehlert
Kari Köster-Lösche

Kari Köster-Lösche erblickte am 23. Januar 1946 in Lübeck das Licht der Welt und schreibt sowohl historische Romane als auch die mittlerweile überregional bekannten Krimis um den Wasserbauinspektor Sönke Hansen (u.a. „Mit der Flut kommt der Tod“) und den Kriminalinspektor Niklas Asmus („Der Tote am Hindenburgdamm“). Die Geschichten spielen in Schleswig-Holstein.

Autorin Kari Köster-Lösche mit der „Tatwaffe“. Foto:Friebel
Wimmer Wilkenloh

Wimmer Wilkenloh, 1948 in Itzehoe geboren, ist Reproduktionsfotograf, Künstler, Journalist und Filmemacher. Auch als Schriftsteller ist er erfolgreich. Mit Titeln wie „Hätschelkind“, „Feuermal“ und „Poppensäl“ verzauberte er die Fans von Heimat-Krimis. „Hätschelkind“ handelt von einem Toten im Watt vor Sankt Peter-Ording, der für Kommissar Jan Swensen zunächst ein Rätsel ist.

Wimmer Wilkenloh signierte zum Schluss viele Bücher.
Wimmer Wilkenloh signierte zum Schluss viele Bücher. Foto:knäpper
Hannes Nygaard

Der 65-Jährige hat erst Ende Januar sein neues Buch veröffentlicht. Drei schafft er im Schnitt pro Jahr. Mit „Biikebrennen“ erschien sein 26. Kriminalroman. 2004 kam sein erster Roman auf den Buchmarkt: „Tod in der Marsch“. Und er hat noch weitere Ideen für die „Hinterm-Deich-Krimis“. Authentizität steht für Nygaard ganz oben auf der Prioritätenliste. Seine Romane spielen in Nordfriesland, er skizziert Portraits einer einzigartigen Landschaft und ihrer Charaktere. Seine Fan-Gemeinde wächst mit jedem Roman.

Schreibt Autogramme – und Bücher: Hannes Nygaard.
Schreibt Autogramme – und Bücher: Hannes Nygaard. Foto:Bee

 

Im Norden lässt es sich gut fiktiv morden und auf dem Papier ermitteln. Weitere „nordische“ Krimi-Autoren finden sich auf einer Liste auf der Internetseite „deutsche Krimi Autoren“ oder im Blog Schleswig-Holstein-Krimis. Für echte Fans ist auch die „KrimiNordica“ Inspiration für neuen Lesestoff. 2013 fand das Krimi-Festival das erste Mal statt. Vom 7. bis 15. November 2015 geht das Festival in die zweite Runde.

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