Kurzkrimi-Preis: Verbrechen lohnt sich doch

Martin Schulte ist Leiter der Kulturredaktion des Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlags. von
24. Juli 2015, 11:57 Uhr

Alle zwei Jahre steigt die Mordrate in Schleswig-Holstein dramatisch an. Immer dann, wenn der Schleswig-Holsteinische Zeitungsverlag (sh:z) gemeinsam mit dem Itzehoer Festival KrimiNordica den besten Kurzkrimi zwischen Nord- und Ostsee sucht.

Die Resonanz war auch in diesem Jahr wieder enorm, mehr als 300 Einsendungen erreichten die Jury und belegten einmal mehr, dass der Regionalkrimi eines der beliebtesten literarischen Formate ist. Beeindruckend war dabei nicht nur die reine Anzahl der Geschichten, sondern auch die Fantasie, mit der gemordet wurde: Ob vom Flugzeug zerquetscht oder dem Vampir gebissen, mit dem Trecker verunglückt oder unter dem Kühlschrank begraben, von der Sterbehilfe beim Sex bis zur Zauberei – es war alles dabei. Nicht immer plausibel erzählt, aber oft genug sehr originell. Dass trotz aller Einflüsse der fantastischen Literatur am Ende die meisten Protagonisten über die klassischen Tötungsarten wie Erschlagen, Erstechen, Erschießen und Erdrosseln ins Jenseits befördert werden, liegt nahe. Es gab nicht viele Vorgaben, eine war der Lokalkolorit, der in der Geschichte durchklingen soll.

Das mündete erwartungsgemäß in der Dominanz schleswig-holsteinischer Autoren in dem Wettbewerb. 40 Prozent aller Einsendungen kamen aus dem Land zwischen den Meeren, 127 Texte insgesamt. Auf Platz Zwei der mordlustigen Bundesländer landete Nordrhein-Westfalen (39 Einsendungen), dessen Bewohner gerade in der Ferienzeit zahlreich im Norden vertreten sind und deshalb ohne viel Aufhebens als Leih-Schleswig-Holsteiner durchgehen können. Es folgen Niedersachsen mit 25, Baden-Württemberg mit 23 und Hamburg mit 21 eingereichten Texten. Aus Österreich wurden der Jury acht Mordfälle gemeldet, aus der Schweiz drei.

Oft hat nicht nur die Geschichte Lokalkolorit, sondern auch die Art des Tötens: Da werden die Opfer lebendig im Deich vergraben, beim Segeln vom Mastbaum erschlagen oder, auch das gibt es, von explodierenden Schafen getötet. Manchmal verzichten die Autoren auch ganz auf den Mord. Auffällig die Lust der Frauen am Verbrechen: Die Zahl der Autorinnen war beinahe doppelt so hoch wie die der Männer. Und eine weitere Erkenntnis drängt sich auf: Bei den Autoren zwischen 50 und 60 Jahren ist die Wahrscheinlichkeit des literarischen Mordes besonders hoch. Diese Gruppe lag in der Altersverteilung deutlich vorn.

Aber wie immer gilt: Ist alles nur Fiktion. Rückschlüsse auf tatsächlich existierende Personen müssen den jeweiligen Lebenspartnern der Autoren überlassen bleiben.


Eine Jury, in der unter anderem der Kieler Schriftsteller Feridun Zaimoglu und der Satiriker Manfred Degen sitzen, bestimmt den Gewinner des KrimiNordica-Awards. Außerdem vergeben die Leser des Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlags (sh:z) einen Publikumspreis. Die zehn besten Krimis werden ab August im Schleswig-Holstein Journal abgedruckt – die Leser können darüber entscheiden, wer die 500 Euro Preisgeld erhalten soll (2. Platz: 300 Euro, 3. Platz: 200 Euro).

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