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„Bauer Piepenbrink“ : Komiker Günter Willumeit ist tot

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Als „Bauer Piepenbrink“ wurde Komiker Günter Willumeit bekannt, er beherrschte 50 Sprech- und Gesangsstimmen sowie die meisten Dialekte. Am Donnerstag erlag er einem Krebsleiden. Vielen Segebergern dürfte auch der „andere“ Willumeit in Erinnerung sein - der Zahnarzt.

shz.de von
erstellt am 18.Okt.2013 | 11:11 Uhr

Bad Segeberg | Der norddeutsche Humorist und Entertainer Günter Willumeit ist tot. Er starb Donnerstag im Alter von 71 Jahren in Bad Segeberg, wie der Verlag Michael Jung in Kiel am Freitag gegenüber shz.de bestätigte. Willumeit litt an Speiseröhrenkrebs.

Der Komiker war als „Bauer Piepenbrink“ im hohen Norden bekanntgeworden und hatte sein Publikum in ungezählten Fernseh- und Radiosendungen begeistert. 50 Sprech- und Gesangsstimmen sowie die meisten Dialekte beherrschte er. Mit seiner CD „L.M.A.A.“ (auf die Melodie von Y.M.C.A.) erreichte er im Jahr 1979 Platz 33 der deutschen Single-Charts.

Besonders vielen Segebergern dürfte auch der „andere“ Willumeit in Erinnerung sein: Fast ein Vierteljahrhundert lang praktizierte er dort als freiberuflicher Zahnarzt. 1983 promovierte er zum Dr. med. dent. – mit einer Arbeit über Kiefertransplantationen.

Uwe Voss, Entertainer aus Bad Segeberg und Patient Willumeits, erinnert sich an seinen Kollegen: „‚Logisch, Vossi.‘ Das war die Antwort, als ich ihn nach vergeblichen Versuchen unter den Telefonnummern in Niendorf und Bad Segeberg endlich am Mobiltelefon erreichte. Ich hatte Günter gefragt, ob er für meine CD ‚Bermuda Dreieck‘ bereit war, ein Lied mit mir gemeinsam im Duett aufzunehmen. Günter stimmte zu. So entstand ‚Lieber halbvoll als halbleer‘.“ Die Verhandlungen über die anteiligen Lizenzen für Willumeit liefen unkompliziert. „Du kannst ja mal ein Bier ausgeben. Das war alles“, erinnert sich Voss an die Antwort. In einer halben Stunde war das Lied in einem Hamburger Studio aufgenommen. „Mehr Zeit brauchten wir anschließend, als wir Feldsteine für Karin und Günter Willumeits Garten in Bad Segeberg suchten. Diese Episode ist typisch für Günter Willumeit und seine neidlose, kollegiale Art, die auf der norddeutschen Tiefbene in dieser Form nur noch bei Carlo von Tiedemann zu finden ist.“

Als „Bauer Piepenbrink“ und als schlitzohriger Wirt in „Freut Euch des Nordens“ hat sich der Komiker Willumeit einen Namen gemacht. Seine Popularität gründet zudem auf mehr als 50 TV-Auftritte allein in der „Aktuellen Schaubude“, des weiteren NDR-Gastspiele in Singapur und Westafrika und Rundfunksendungen. Als Parodist beherrschte Günter Willumeit mehr als fünfzig Sprech- und Singstimmen. Die Live-Erfahrung unzähliger Galas, Pressebälle, Kongresse und Wohltätigkeitsveranstaltungen hatten ihn perfektioniert. „Er füllte mühelos Säle wie das Deutsche Schauspielhaus und die Musikhalle in Hamburg“, sagt Voss.

Der Segeberger lernte Willumeit als Zahnarzt kennen. Er trat als DJ in der Diskothek „Memory“ auf und war Teilnehmer einer Quiz-Parodie. „Beim Gerangel um ein Mikrofon verlor ich dann eine Krone“, berichtet Voss. Der Disko-Betreiber rief Willumeit in seiner Praxis an – und am nächsten Morgen bekam Voss außerhalb der Sprechzeit ein Provisorium von Dr. Willumeit. Als der Segeberger auf einer Fähre in Trelleborg erneut seine Krone verlor, riet ihm sein Zahnarzt am Telefon, die mit Kaugummi zu befestigen. „Wir hatten abends eine Fernsehaufzeichnung. Die Kaugummi-Krone hielt genau bis zum ‚Tschüß‘.“

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