Digitale Filmtechnik : Kinos nehmen Abschied vom Zelluloid

Der nächste Schritt der Digitalisierung: Moderne 3D-Technik wird immer beliebter. Foto: Fotolia
Der nächste Schritt der Digitalisierung: Moderne 3D-Technik wird immer beliebter. Foto: Fotolia

Die Kinos in Schleswig-Holstein kämpfen um ihre Zukunft. Um die neuesten Filme zeigen zu können, müssen die Kino-Besitzer auf digitale Technik umrüsten – mit hohem finanziellen Aufwand.

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31. Dezember 2012, 04:14 Uhr

Bargteheide/Kiel | Hans-Peter Jansen liebt Filme auf der großen Leinwand. "Ich lebe Kino", sagt der Betreiber des Cinema Paradiso in Bargteheide. "An sieben Tagen in der Woche bin ich für meine Kinogäste erreichbar", erzählt Jansen, "die können mich privat anrufen und mit mir über Filme sprechen." Daran soll sich nichts ändern. Um weiterhin eine Chance zu haben, stellt der Kinobesitzer seine Spielstätte im kommenden Frühjahr auf eine digitale Vorführtechnik um.
Es ist höchste Zeit dafür. Denn die Filmbranche ist von der Digitalisierung geprägt. Große Filmverleiher setzen es heutzutage voraus, dass eine digitale Projektion möglich ist. Filmkopien - vor allem die der Blockbuster - werden größtenteils auf Festplatten durchs Land geschickt. "35mm-Kopien sind selten geworden, so dass sich Kinos mit alter Technik darum streiten müssen", erklärt Jansen.

Förderprogramm läuft 2013 aus

In Schleswig-Holstein haben Kinos noch ein Jahr Zeit, um ihre Vorführtechnik mit Hilfe von Landesmitteln auf den neuesten Stand zu bringen. Denn im Dezember 2013 läuft das dreijährige Förderprogramm zur Digitalisierung aus. Seit 2011 wurden 20 Kinos mit 23 Leinwänden gefördert - mit maximal 18.600 Euro pro Leinwand, was etwa einem Viertel der Gesamtinvestition entspricht. Flensburg, Kappeln und sogar Wyk auf Föhr haben bereits umgerüstet.
"Für 2013 wurden bisher neun Anträge bewilligt", sagt Gert Haack vom Ministerium für Justiz, Kultur und Europa des Landes Schleswig-Holstein. Der Filmbeauftragte erklärt, dass mit dem Förderprogramm zielgenau kleine Kinos in Schleswig-Holstein erreicht würden. "Nach der Digitalisierung wird die Kinolandschaft im Land für die Zukunft gerüstet sein", sagt Haack.

Kino schafft kulturelle Grundversorgung

Allerdings ist die Umrüstung nicht für jedes Kino zu schaffen. In Glückstadt gab der dortige Betreiber auf und ließ den Pachtvertrag mit der Stadt auslaufen. Es soll aber einen Interessenten geben, der so schnell wie möglich den Betrieb aufnehmen und auf digitale Technik umzurüsten möchte.
Darüber sind nicht nur die Glückstädter froh, sondern auch Gert Haack, der meint, dass die kulturelle Grundversorgung - besonders im ländlichen Raum - nur mit Kinos funktioniere. "Sie sind oft der einzige Kulturträger vor Ort." Ob es nach 2013 eine neue Förderung durch das Land geben werde, sei laut Haack unklar. "Die Diskussion darüber ist noch nicht abgeschlossen", sagt der Ministeriumsmitarbeiter. Die Landesförderung macht jedoch nur einen Teil der Finanzierungsmöglichkeiten aus. Kinobetreiber können darüber hinaus Hilfe vom Bund und der staatlichen Filmförderungsanstalt (FFA) erhalten, um ihre eigenen Mittel aufzustocken.

"Die Entwicklung ist rasant"

Dass die Kinos so unter Druck geraten würden, hätte Bernd-Günther Nahm von der Kieler Filmwerkstatt, die sich um die Förderanträge kümmert, noch vor drei Jahren nicht für möglich gehalten. "Die Entwicklung ist rasant", sagt der Medienexperte, der feststellte, dass die 3D-Variante kaum nachgefragt wird. Erfolg hänge eben nicht nur von der Art der Technik ab, sagt Nahm. "Die kleinen Kinos haben bis heute überlebt, weil sie wissen, was ihr Publikum sehen will. Nur Mainstream geht nicht."
Diese Meinung teilt auch Hans-Peter Jansen. "Kinos müssen beweglich sein", sagt der Kinobetreiber aus Bargteheide. "Ich zeige Bond und den Hobbit, aber auch ganz kleine Filme." Sein Prinzip dabei ist, dass durch die erfolgreichen Filme die Präsentation der unbekannten möglich wird.

Filmverleiher beteiligen sich an den Kosten

Kinobesitzer wie Jansen, die sich 2013 um die Digitalisierung kümmern, profitieren im nächsten Jahr übrigens doppelt. Denn nach langen Verhandlungen haben sich die großen Filmverleiher bereit erklärt, sich an den Kosten für die Umrüstung zu beteiligen, wie Felix Bruder, Geschäftsführer der AG Kino, erläutert. "Sie übernehmen 18 Prozent der Finanzierung." Der Beitrag der Filmverleiher senke den Eigenbeitrag der Kinobetreiber.
Was nach paradiesischen Verhältnissen klingt, sieht Jansen in seinem Cinema Paradiso allerdings skeptisch. Weil die neue Technik vermutlich nach etwa zehn Jahren erneuert werden muss, kommen seiner Meinung nach neue Finanzierungsprobleme auf die Kinos in Schleswig-Holstein zu. "Die Zukunft der Kinos bei uns im Land ist offen."

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