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Drohendes Kinosterben : Kinos in SH sperren Disney-Superhelden aus

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Es herrscht ein erbitterter Preiskampf zwischen Kinobetreibern und Filmverleihern. Kleine Kinos wehren sich durch Film-Boykott.

Kino ist Leidenschaft, Kino ist ganz großes Gefühl und Kino ist – zumindest in Deutschland – kein Milliardengeschäft mehr. Im vergangenen Jahr sanken die Umsätze an den Kassen der Filmpaläste erstmals seit Jahren wieder unter die magische Grenze – auf 979,7 Millionen Euro.

Und das, obwohl sich die durchschnittliche Eintrittskarte seit 2009 von 6,67 Euro auf mittlerweile 8,05 Euro verteuerte. Unterm Strich blieb für die Kinobetreiber ein sattes Minus von über fünf Prozent. Doch das Minus in den Kassen wird noch größer: Kurz vor Ostern bekamen viele Kinos in Deutschland Post vom Walt Disney-Verleih. Darin teilten die Amerikaner überraschend mit, dass schon mit Einsatz ihres neuen Films „Avengers: Age of Ultron“ ab kommendem Donnerstag alle Kinos 53 Prozent vom Preis jeder verkauften Kinokarte als Filmmiete an den Verleih zahlen müssten.

Bislang galt dieser Filmmietensatz nur für Kinos in Großstädten. Filmpaläste in kleineren Städten hatten dagegen Sonderkonditionen und führten meist nur 47,7 Prozent vom Einspiel an Disney ab. Eine so kurzfristige und ohne jede Vorankündigung seitens des Verleihs vorgenommene Erhöhung von mehr als fünf Prozent können und wollen viele Kinoanbieter in kleineren Städten und auf dem Lande nicht hinnehmen, gibt sich Andreas Kramer vom „Hauptverband Deutscher Filmtheater“ (HDF) Kino e.V. gegenüber Schleswig-Holstein am Sonntag kämpferisch.

Die Kostenbelastung für die Kinobetreiber sei durch die Mindestlohnregelung sowie durch die Aufwendungen für die Digitalisierung der Technik ohnehin schon sehr groß. So schlagen beispielsweise allein zwei digitale Leinwände mit 110.000 Euro zu Buche und der Mindestlohn von 8,50 Euro habe – so Insider – die Personalkosten der kleineren Kinos um knapp ein Viertel in die Höhe getrieben.

Durch den Vorstoß von Disney rolle nun – schimpft Kramer – „eine Front auf die Kinos zu“, die selbst die Großstadtkinos kostenmäßig kaum noch bewältigen könnten. Disney plant offenbar neben der Veränderung der Filmmiete auch die Streichung der Zuschüsse und Pauschalen für die Reklamekosten, schließlich ab Oktober sogar den Wegfall aller Zuschüsse (etwa für 3D-Brillen – die entsprechenden Filme machen bereits über 23 Prozent des Umsatzes aus) sowie die Verlängerung der Laufzeit (Prolongation) erfolgreicher Disneyfilme zum neuen Filmmietensatz.

Eine offizielle Verlautbarung des Verleihs zu diesem „Strukturbruch“, wie Kramer die Situation nennt, gibt es bislang nicht. Der Unmut auf Seiten der Betreiber besonders regionaler Filmtheater aber ist groß. „150 bis 160 Kinos im Norden werden wohl den neuen Disney-Film nicht spielen“, sagt Karl-Heinz Meier vom Zusammenschluss der Kinobetreiber in Schleswig-Holstein und Niedersachsen, der „Interessengemeinschaft Nord“.

Wenn keine Bewegung in den Konflikt kommt, werden wohl unter anderem Kinos in Husum, Heide, Rendsburg oder Kappeln, auf Disneys „Avengers“ verzichten, erklärt Meier. Nachgeben wollen die Kinobetreiber nicht. Sie fürchten, wenn sie jetzt nicht reagieren, könnten auch andere Verleiher nachziehen und dann könnten, so Meier, „mittelfristig Kinoplätze verloren gehen.“

Noch gibt es in Schleswig-Holstein 66 Kinos und damit sogar eine Spielstätte mehr als im Vorjahr, doch bundesweit lief seit 2009 in jedem elften Filmpalast der letzte Streifen. Schließlich kamen 2014 immerhin 24,6 Millionen Besucher weniger als noch fünf Jahre vorher.

Wenn die Top-Filme des Jahre wie „Star Wars Episode VII“ (gerade macht der Trailer mit Harrison Ford als deutlich gealterter Han Solo mit dem zeitlos zottligen Chewbacca das Internet verrückt: „Chewie, wir sind zu Hause…“), „Kung Fu Panda 3“, „Terminator 5“ oder „Mission: Impossible 5“ jedoch in den Sälen außerhalb von Kiel, Flensburg, Neumünster und Lübeck nicht laufen, dann droht in Schleswig-Holstein das große Kinosterben.

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erstellt am 19.04.2015 | 10:45 Uhr

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