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Hamburger Filmfest : Kino jenseits von Amerikas Blockbustern

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Das Hamburger Filmfest will vor allem den Arbeiten eine Bühne bieten, die es nicht in die deutschen Kinos schaffen. Denn diesen Markt dominieren die USA.

Hamburg | Zum Start bringt eine Diva Glanz und Glamour auf den roten Teppich, ansonsten ist den Machern des Hamburger Filmfests der Promi-Faktor weniger wichtig. „Es ist doch schön, so eine Eröffnung mit Stil und Eleganz machen zu können – Catherine Deneuve ist eine europäische Kino-Ikone“, sagte Filmfestchef Albert Wiederspiel.

Unter seiner Regie sind von Donnerstag an zehn Tage lang 172 Filme aus 52 Ländern zu sehen. Rund 50.000 Besucher werden erwartet. Prominente Gäste kommen ebenfalls zum Festival, aber: „Im Vordergrund stehen bei uns die Filme.“

Die 71-jährige Deneuve darf auch gleich die renommierteste Ehrung der Veranstaltung mitnehmen: den Douglas-Sirk-Preis für Verdienste um die Filmkultur und Filmbranche. Den verleihen die Hamburger seit 1995, Deneuve ist erst die vierte Frau, die ihn bekommt. „Den Preis hat sie mehr als verdient“, sagte Wiederspiel. „Sie hat mit ihrem Spiel Generationen von Schauspielern geprägt und ist zugleich eine extrem mutige Schauspielerin, die auch mit jungen Regisseuren arbeitet und Nebenrollen annimmt.“ So wie in Jaco van Dormaels Werk „Das brandneue Testament“, mit dem der Filmreigen an der Elbe startet.

Für Autogrammjäger ist auch die 23. Festivalausgabe dennoch nicht die erste Adresse – wohl aber für Gespräche mit Filmemachern aus eher unbekannten Flecken auf der Weltkarte des Kinos. „Wir versuchen, eine so breite Vielfalt wie möglich zu zeigen, auch geografisch gesehen“, erklärte Wiederspiel. Arbeiten aus Ländern sind zu sehen, die sonst kaum eine Chance auf der Leinwand bekommen. „Bei 75 Prozent der Vorführungen sind Gäste aus den Filmcrews dabei. Die Begegnung mit diesen Kreativen ist uns mindestens so wichtig wie der Film selber.“ 

Etwa 20 Beiträge aus dem Festivalprogramm haben nach Angaben der Veranstalter einen Verleih in Deutschland, alle anderen werden hierzulande nicht anlaufen. „Unser Kinomarkt ist dominiert von Amerikanern, dann kommen die Deutschen, und dann gibt es einen Restprozentsatz für alle anderen Länder“, sagte Wiederspiel: „Die Rolle von Festivals ist es, alle anderen Länder im Kino zu präsentieren.“ Die Vorliebe der Festivalmacher gilt dem Politischen. „Filmfeste sollten nicht abgekapselt sein von aktuellen Debatten“, sagte Wiederspiel. Der Brite Sean McAllister etwa liefert mit dem Dokumentarfilm „A Syrian Love Story“ einen höchst aktuellen Beitrag: Über fünf Jahre verfolgte er die Liebes- und Fluchtgeschichte einer syrischen Familie. Eine Produktion aus Hamburg und Dänemark thematisiert das Ende des Zweiten Weltkriegs: „Unter dem Sand“ erzählt von den deutschen Landminen an Dänemarks Westküste, die unter Aufsicht dänischer Offiziere junge Kriegsgefangene mit ihren Händen ausgraben.

Es gibt spezielle Reihen für Norddeutsches, Französisches, für TV-Produktionen sowie das Michel Kinder- und Jugendfilmfest.

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erstellt am 30.Sep.2015 | 15:35 Uhr

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