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Borowski-Krimi : Kiel-Tatort: Pläne für Teil drei mit dem „Stillen Gast“

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Der Psychopath Kai Korthals legt sich im „Tatort“ persönlich mit Borowski an – und wird wohl noch einmal zurückkommen. Der NDR denkt über Teil drei des „Stillen Gastes“ nach.

shz.de von
erstellt am 30.Nov.2015 | 10:41 Uhr

Kiel | Als Serienkiller Kai Korthals hat Lars Eidinger (39) in zwei Kieler „Tatort“-Folgen Angst und Schrecken verbreitet. Möglicherweise kehrt die Figur abermals auf den Bildschirm zurück. „Lars Eidinger ist nicht nur einer der besten, sondern auch einer der wunderbarsten Schauspieler. Sofern es hier eine überzeugende Idee gibt, spricht überhaupt nichts dagegen, das weiterzuführen“, sagte NDR-Spielfilmchef Christian Granderath. „Wir denken bereits über eine Fortsetzung ,Das Kabinett des Dr. Korthals' nach.“ „Tatort“-Autor und Grimme-Preisträger Sascha Arango recherchiere dafür in der Psychiatrie, so Granderath weiter.

In der am Sonntag ausgestrahlten „Tatort“-Folge „Borowski und die Rückkehr des stillen Gastes“ trafen die Ermittler Klaus Borowski (Axel Milberg) und Sarah Brandt (Sibel Kekilli) erneut auf den Psychopathen. Er hatte bereits vor drei Jahren in der ARD-Kultserie sein Unwesen getrieben und war den Kieler Kommissaren entwischt – höchst ungewöhnlich für die „Tatort“-Dramaturgie.

Film- und Theaterschauspieler Eidinger („Familienfest“, „Was bleibt“) kann sich eine Fortsetzung ebenfalls gut vorstellen: „Es wäre sicher auch mal interessant, eine ganze Reihe zu entwickeln - aus der Perspektive des Serienkillers.“ Vor der Rückkehr am Sonntag hätte er sich auch vorstellen können, „Korthals in einer anderen Stadt mit einem anderen Ermittler-Team zu spielen, um dort vielleicht den ein oder anderen Kommissar aus dem Weg zu räumen.“

Am Sonntag aber setzte Eidinger alias Kai Korthals seinem Feind Borowski in Kiel zu. Und selten löste ein Satz solche Angst aus: „Er kommt durch die Wand.“ Kommissar Klaus Borowski (Axel Milberg) und seine Kollegin Sarah Brandt (Sibel Kekilli) wussten sofort, mit wem sie es wieder zu tun haben. Die Tatort-Zuschauer waren sich dem zu dem Zeitpunkt schon längst bewusst, hatten sie doch in TV-Zeitschriften und Ankündigungen im Internet längst erfahren, dass der Psychopath wieder von sich reden machen sollte.

Kai Korthals hatte sich durch den ersten Teil „Borowski und der stille Gast“ in das kollektive Gedächtnis von Fernseh-Deutschland gebrannt. Nachdem man gesehen hatte, wie der Typ, der sich in Wohnungen von Frauen schlich und dort deren Zahnbürsten lustvoll benutzte, griffen viele sofort nach einer neuen Zahnbürste. Was war nun also in „Borowski und die Rückkehr des stillen Gastes“ zu erwarten: Nichts Gutes, doch gleichzeitig ganz viel gute Unterhaltung.

Der Kieler Krimi beginnt mit einer Anspielung auf Schneewittchen. Eine junge Frau liegt zwar nicht im gläsernen Sarg, jedoch in einer weißen Kühltruhe. Korthals hat sie am Falkensteiner Strand ausgesetzt, warum, erfährt man später. Dieser Verweis auf ein Märchen allein schon spricht Urängste an. Und dann spricht Korthals das Tatort-Publikum direkt an. Er guckt in einem Fahrstuhl in den Spiegel, sodass sein Blick direkt auf den Zuschauer fällt. Beängstigend gut.

Eigentlich wäre Korthals im Verborgenen geblieben. Doch weil er bei seiner krankhaften Suche nach Nähe und Liebe Vater werden wollte, und bei der Geburt einiges schief ging, verliert er zunächst die Mutter (was ihm relativ egal ist) und anschließend sein Neugeborenes (nicht egal!). Korthals muss sich wieder mit Kommissar Borowski auseinandersetzen. Und der mit ihm. Im wahrsten Sinne des Wortes. Zum Ende des Films sitzen beide in Borowskis Küche und trinken Leitungswasser und Tequila. Sie bereden einen Tausch. Korthals will sein Kind zurück, Borowski seine große Liebe, die der Verbrecher entführt hat, um ein Druckmittel zu haben: Frieda Jung (Maren Eggert). Die war plötzlich wieder aufgetaucht und bereit für eine Hochzeit mit dem Kommissar. Borowski ist dabei, das was er am meisten liebt, zu verlieren. Seine Betroffenheit könnte nicht größer sein.

Borowski setzt auf Selbstjustiz. Kollegin Sarah Brandt ahnt es und versucht ihren Partner beim Showdown in einem Kieler Hochhaus zu unterstützen. Der Tausch klappt nicht, aber Borowski kann seine Liebe befreien (und verliert sie doch). Korthals, verletzt durch Frieda Jung, versucht ein weiteres Mal zu entwischen, doch schafft es nicht weit. Er wird festgenommen, nicht ohne einmal mehr Angst auszulösen.  

Regisseurin Claudia Garde hat das Drehbuch von Sascha Arango spannend inszeniert. Die Darsteller glänzen, allen voran Lars Eidinger in seiner Paraderolle als Kai Korthals. Die Kameraarbeit ist gut, aber vor allem auf der Tonebene erzeugt der Film Gänsehaut. Jedes kleinste Geräusch lässt den Zuschauer zusammenzucken. Eine der besseren Tatort-Folgen.

 

 

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