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Meet & Greet mit den "Donots" : "Kein glatt gestriegelter Studio-Rock"

vom

Am Donnerstag treten die "Donots" im "Max" in Kiel auf. Drei unserer Leser dürfen sie vorher treffen. Im Interview spricht Sänger Ingo Knollmann über seine schönsten Tour-Momente - im Norden und anderswo.

shz.de von
erstellt am 13.Dez.2012 | 08:51 Uhr

Hallo Ingo, wie war die Tour bisher?
Bis jetzt war die Tour einfach nur Wahnsinn! Klar, das kann man irgendwie über jede Tour sagen, aber dieses Mal sprechen die Zahlen einfach für sich. Fast alle Konzerte waren im Voraus schon ausverkauft. In einigen Städten spielen wir dieses Mal auch größere Hallen, aber woanders kehren wir auch an die alten Stellen zurück, so wie in Kiel. Das ist auch übrigens der einzige Auftritt für den es noch Karten gibt.
Was gefällt dir am Norden?
Ich mag die Nordlichter, weil sie einfach grundsympathisch sind. Klar, am Anfang seid ihr oft noch wortkarg, aber nach einem kleinen Schnaps wärmt ihr dann ja meistens auf. Wir haben hier nach unseren Shows immer nette Leute getroffen und haben oft bis tief in die Nacht geschnackt.
Ihr habt Ende August beim Jübek Open Air gespielt. Gefallen euch solche kleineren Festivals besser oder spielt ihr lieber bei Massenevents wie Rock am Ring?
Es ist schön, dass wir beides machen können. Natürlich ist das Umfeld bei Festivals wie Rock am Ring oder dem Hurricane-Festival sehr spannend, weil man sich die Bühne mit Bands wie Metallica teilen darf, aber in Jübek zum Beispiel haben die Menschen noch eine ganz andere Vorfreude, weil sie mit Konzerten noch nicht zu verwöhnt sind. Außerdem sind kleine Festivals familiärer, das gefällt uns. Und erleben tut man da genauso viel.
Ist euch denn im Norden schon mal etwas Komisches bei einem Konzert passiert?
Nicht unbedingt beim Konzert, aber vor 14 oder 15 Jahren waren wir mit den Beatsteaks hier im Norden unterwegs. Auf einmal hat dann unser Tourbus den Geist aufgegeben und wir waren zwischen ein paar Dörfern gestrandet. Als wir uns dann mit 18 Leuten in einer kleinen Pension einquartiert hatten und ich mit einem Tontechniker unser Zimmer betrat, lag dort schon ein nackter schnurbärtiger Mann bei uns im Bett. Die Pensionsmutter konnte es gar nicht glauben, vor allem weil der Mann ihr Schwiegersohn war. Das war schon etwas Besonderes.
Was machst du zwischen den Konzerten? Wie hältst du dich fit?
Bei mir ist ein Mix aus Joggen und dem Fitnessstudio. Heute Morgen war ich auch schon wieder mit dem Hund draußen und bin meine Runden gelaufen. Aber wenn ich zu Hause bin, gefällt es mir auch wirklich zu Hause zu sein und das genießen zu können. Da werde ich teilweise zum echten Stubenhocker. Meiner Freundin geht es mit Sicherheit dann schon mal auf die Nerven, wenn ich den ganzen Tag vor der Playstation sitze. Aber das braucht man halt auch mal zwischendurch.
Was macht eure Konzerte so speziell?
Bei unseren Konzerten passiert jedes Mal etwas anderes und deshalb sind diese Abende auch immer originell. Wir haben eben keine einstudierten Choreographien, und das ist ja auch was Punk-Rock ausmacht. Natürlich muss die Performance auch technisch stimmen, aber wir wollen keinen glatt gestriegelten Studio-Rock machen. Die Leute sollen am Ende sagen können: "Geil, ich war an diesem Abend mit dabei!"
Was unterscheidet euch denn sonst noch von anderen deutschen Bands?
Wir sind ja schon wieder fast besonders, weil wir als deutsche Band auf Englisch singen. Neben uns gibt es ja eigentlich nur noch die Beatsteaks, die das auch so machen. Ich habe auch schon mal darüber nachgedacht auf Deutsch zu texten, aber mir gefällt das Englische einfach mehr. Englisch war auch früher schon immer mein bestes Fach in der Schule, da bin ich einfach dabei geblieben. Außerdem können wir dadurch viel internationaler touren. Wie ja auch demnächst an der Westküste der USA.
Wie kam es dazu, dass ihr im März mit Flogging Molly in den Staaten auftretet?
Die Band hat uns persönlich dazu eingeladen. Wir kennen uns schon sehr lange von den unterschiedlichsten Festivals. Im letzten Jahr hatte ich Dave King (Anm. d. Red.: Sänger von "Flogging Molly") dann gefragt, ob er eine amerikanische Band kennt, bei der wir mal in den USA als Vorband spielen könnten. Ein paar Monate später kam dann eine E-Mail von seinem deutschen Manager, dass die Band uns als Vorband ausgewählt hatte. Viele Bands, mit denen wir nicht hätten konkurrieren können, hatten sich auch beworben, aber uns haben sie ausgesucht. Das ist wie ein Ritterschlag.
Ihr hattet eure letzten beiden Alben über euer eigenes Label "Solitary Man Records" veröffentlicht. Warum habt ihr jetzt wieder mit Universal zusammengearbeitet?
Wir haben dadurch einfach das Beste aus zwei Welten. Wir sind immer noch die Chefs und können über alles entscheiden, aber so müssen wir nicht mehr unser privates Vermögen dafür aufs Spiel setzen und können die Verbindungen von Universal nutzen. Wir sind keine Band, die sich immer querstellt, aber wir nicken auch nicht alles ab, was die Plattenfirma und vorsetzt. Wenn wir merken, dass etwas keinen Sinn macht, dann machen wir es auch nicht.
Welche Vor- und Nachteile bringt ein eigenes Label mit sich?
Der Vorteil ist, dass viele Business-Partner direkt auf einen zukommen können und das auch wollen, weil es für sie leichter ist, als sich mit der Plattenfirma auseinandersetzen zu müssen. Auch Bands kommen viel schneller auf einen zu und fragen nach ob sie mit uns Konzerte spielen können. Außerdem steigt das Ansehen, weil die Leute merken, dass man sich wirklich reinhängt. Wo würdet ihr am liebsten mal ein Konzert spielen? Wir sind alle große Fans davon, den Urlaub mit der Musik zu verbinden. Daher sind die Konzerte mit Flogging Molly in den USA schon etwas ganz Besonderes für uns. Aber wenn wir die Wahl hätten, würde jeder von uns sicher gerne mal in Südamerika oder Australien spielen, denn da waren wir noch nicht. Aber eigentlich spielen wir überall, solange es dort nette Leute und eine Steckdose gibt.

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