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Film „Watu Wote/All of Us“ : Katja Benrath aus Lübeck gewinnt Studenten-Oscar

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Ein zweiter Studentenoscar geht an den deutschen Film „Galamsey“, der beim Green Screen Festival zu sehen war.

shz.de von
erstellt am 13.Okt.2017 | 10:27 Uhr

Zwei deutsche Nachwuchsregisseure haben den goldenen Studenten-Oscar und damit einen der begehrtesten Nachwuchspreise der US-Filmindustrie gewonnen. Katja Benrath von der Hamburg Media School und Johannes Preuss von der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg sind in der Nacht zu Freitag in Los Angeles ausgezeichnet worden.

Katja Benrath (38) setzte sich in der Sparte Internationaler Kurz-Spielfilm mit „Watu Wote/All of Us“ gegen Mitbewerber aus der Schweiz und den Niederlanden durch, die den Studenten-Oscar in Silber und Bronze holten. Ihr knapp halbstündiger Spielfilm erzählt eine wahre Begebenheit aus Kenia aus dem Jahr 2015, als bei einem Terroranschlag auf einen Bus eine kleine Gruppe Christen von Muslimen in Schutz genommen wurde.

„Das ist ein gutes Zeichen, dass die Leute Geschichten über Menschenliebe und Solidarität sehen wollen“, sagte Benrath mit der Oscar-Statue in der Hand. Die 38-Jährige dankte ihren deutschen Kollegen und ausdrücklich ihrem Team in Kenia. Sie bedauerte, dass viele aus Afrika nicht zu der Preisverleihung nach Los Angeles anreisen konnten. Trotz einer Einladung der Akademie hätten sie kein Visum bekommen. Vom Hamburger Film-Team waren neben Benrath auch Julia Drache (Drehbuch), Felix Striegel (Kamera) und Produzent Tobias Rosen (nach Benraths Worten ein Mann „mit übermenschlichen Kräften, der niemals schläft“) angereist.

Wer ist Katja Benrath?

„Watu Wote“ ist Benraths Abschlussbeitrag an der Hamburg Media School (HMS), die schon einige Preisträger der Student Academy Awards hervorgebracht hat. Von 2014 bis 2016 studierte die in Lübeck aufgewachsene Schauspielerin und Regisseurin dort. Jahre zuvor hatte sie das Vienna Konservatorium in Wien besucht (2002 bis 2006) und sich in Gesang und Schauspiel ausbilden lassen. Zahlreiche Schauspielworkshops in früheren Jahren stehen in der Vita der 38-Jährigen, über die es auf der Seite der HMS heißt: „Schon ihre gesamte Jugend drehte sich nur um das Theater. Spielen, Singen, Inszenieren, Kostüm, Bühnenbild.“

Nach Abitur und Schneiderlehre am Theater hatte Benrath für die Wuppertaler Bühnen und Pina Bausch genäht, bevor sie nach Wien zog. Sie trat am Theater auf, stand vor der Kamera und irgendwann dahinter. Mehrere Auszeichnungen erhielten ihre Kurzfilme bereits - die bislang wichtigste wurde ihr im September zuerkannt: „Es kam tatsächlich dieser berühmte Anruf aus Hollywood“, erzählte sie im Interview über jenen Moment, in dem sie vom Studentenoscar erfuhr. Ihr Wunsch für die Zukunft: Geschichten zu erzählen, die neue Blickwinkel ermöglichen - „so dass wir es ein kleines bisschen schaffen, über unseren Tellerrand hinauszugucken.“

<p>Der deutsche Nachwuchsregisseur Johannes Preuss bei der Verleihung in Los Angeles.</p>

Der deutsche Nachwuchsregisseur Johannes Preuss bei der Verleihung in Los Angeles.

Foto: dpa
 

Johannes Preuss (33) gewann mit seiner Reportage „Galamsey“ über illegale Goldgräber in Ghana. Er war mit seinem Film in der Sparte Internationale Dokumentation alleine nominiert und damit automatisch Gold-Gewinner. „Galamsey“ wurde in diesem Jahr auch beim Green Screen Festival in Schleswig-Holstein gezeigt.

 

Preuss hatte durch seine frühere Arbeit als Entwicklungshelfer in Ghana von den Problemen des illegalen Goldschürfens erfahren und darüber die halbstündige Reportage „Galamsey“ gedreht. Es sei paradox, dass er nun in Hollywood Gold entgegennehme, wenn es in seinem Film genau um die Problematik gehe, wie die Besessenheit von Gold zu Zerstörung führt. Als kritischer Journalist hätte er den Preis eigentlich ablehnen sollen, doch keinesfalls als Filmemacher. „Zum Teufel, nein“, sagte Preuss auf der Bühne. „Das ist doch der Moment, von dem alle angehenden Filmemacher träumen.“  „Mamma, du bist die Allerbeste“, strahlte Preuss in seiner Dankesrede. Seinem Vater im Zuschauerraum dankte er dafür, dass er ihm als Kind so viele Geschichten vorgelesen habe.

Neben den beiden deutschen Filmemachern wurden 15 Kollegen von US-Hochschulen ausgezeichnet. Alle haben im kommenden Jahr die Chance, dass ihre Kurzfilme auch bei der 90. Oscar-Verleihung im März ins Rennen gehen.

Mit den Studenten-Oscars ehrt die Oscar-Akademie in Beverly Hills seit 1972 Auslands-Regisseure und junge Talente von Filmhochschulen in den USA. Seither konnten sie 57 Oscar-Nominierungen holen, elf Mal wurde ihnen die vergoldete Trophäe verliehen.

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