Trauer auf Sylt : Kampens letzter Künstler stirbt im "Fuchsbau"

Verstorben: Anatol Buchholtz
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Verstorben: Anatol Buchholtz

Der letzte Kampener Künstler, Anatol Buchholtz, ist tot in seinem Haus gefunden worden. Stirbt mit ihm auch die Künstlerkolonie im Sylter Nobelort?

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09. November 2011, 09:16 Uhr

Kampen | Der "Fuchsbau" am Möwenweg ist seit vergangener Woche verwaist. Bereits am vergangenen Dienstag ist der auch über die Insel Sylt hinaus bekannte Bildhauer Anatol Buchholtz tot in seinem Wohn- und Atelierhaus in Kampen aufgefunden worden. Der 84-Jährige lebte allein mit seinen beiden Windhunden in dem hinter Bäumen und Büschen verborgenen Haus, das er 1958 zusammen mit seiner vor zwei Jahren verstorbenen Frau Gertraude gebaut hatte und selber "Fuchsbau" nannte.
"Ich bin schrecklich traurig", erklärte Halbbruder Hans-Christoph Buchholtz, der sich jetzt um die Hinterlassenschaft des seit dem Tod von Siegward Sprotte und Christian Hinrich letzten Kampener Künstlers kümmert. Erst Anfang Oktober habe Anatol seine Stiftung notariell auf den Weg gebracht, mit der er Künstler in den Bereichen Bildende Kunst und Baukultur unterstützen möchte.
"Absolut liebenswürdiger Eigenbrötler"
Als "einen absolut liebenswürdigen Eigenbrötler" bezeichnete Elke Harms, Ehrenvorsitzende der Sylter Kunstfreunde, den aus Ostpreußen stammenden Künstler. Er habe sehr aktiv bei den Kunstfreunden mitgearbeitet und sich immer für die Belange auf der Insel interessiert.
"(...) Ich will, dass dieses Haus nicht abgerissen wird, wie es in Kampen mit Häusern passiert, die wesentlich jünger sind als meins", sagte Buchholtz im Oktober 2010. "Ich möchte, dass mein Haus (...) Künstlern als Raum und Werkstatt zur Verfügung steht", fügte er im Februar 2011 hinzu. Die Denkmalschutzanträge für den "Fuchsbau" liegen noch bei den zuständigen Behörden, doch den Schritt in Richtung eines offenen Hauses ist Anatol Buchholtz schon vor einem Jahr gegangen: Thomas Landt, Maler aus Worpswede, hat sein Atelier in der ehemaligen Architektenwohnung von Gertraude Buchholtz eingerichtet und Interessierte regelmäßig durch das einzigartige Reetdachhaus geführt, berichtet der Halbbruder.
Mitbegründer des Tierschutzvereins Sylt
Neben der Kunst gab es noch einen Bereich, für den sich Anatol zeitlebens einsetzte: den Tierschutz. Gemeinsam mit seiner Frau war Buchholtz Mitbegründer des Tierschutzvereins Sylt, dem er von 1987 bis 2002 vorstand. Der Tierfreund habe sich vor allem für Windhunde eingesetzt, so Hans-Christoph Buchholtz. Anatol habe selbst verletzte oder vernachlässigte Hunde bei sich aufgenommen und wieder aufgepäppelt.
"Vielleicht auch durch unseren großen Altersunterschied bedingt, ich bin Jahrgang ’46, haben Anatol und ich zwei getrennte Leben gelebt", sagte Hans-Christoph Buchholtz nachdenklich. "Erst im Alter haben wir zueinander gefunden. Ich werde alles tun, damit seine Ideen und Vorstellungen von Kunst weiterleben."

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