Interview mit David Rott : Kaiser Franz-Joseph von Österreich vermisst norddeutschen Humor

Tina Jäger spricht mit Schauspieler David Rott über die alte und neue "Sissi", den Habsburgischen Hof und seine Heimat in Brarupholz.

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22. Dezember 2009, 11:57 Uhr

Scheggerott | Der der Zweiteiler "Sisi" im ZDF ist eine Neuauflage der "Sissi"-Trilogie mit Romy Schneider aus den 50er Jahren. Unser Redaktionsmitglied Tina Jäger sprach mit Schauspieler David Rott, der in die Fußstapfen von Karl-Heinz Böhm tritt und neben der Italienerin Christiana Capotondi als "Sisi" die Rolle des österreichischen Kaisers Franz-Joseph spielt. Damit hält ein Stück Angeln Einzug in Österreich, denn der 32-jährige Rott hat seine Schulzeit im Norden Schleswig-Holsteins verbracht, seine Eltern wohnen noch heute im Scheggerotter Ortsteil Brarupholz im Kreis Schleswig-Flensburg.
Herr Rott, Sie sind in Brarupholz aufgewachsen, bis 1997 auf die Waldorfschule in Eckernförde gegangen. Woran erinnern Sie sich am liebsten, wenn Sie an ihre Heimat denken?
Ans Meer, an die frische Luft natürlich. Was mir aber am meisten fehlt, ist wirklich der Humor. Der Humor in Schleswig-Holstein und gerade auch der in Angeln, der lässt sich wirklich weltweit suchen und nicht wiederfinden. Das fehlt total. Und immer wenn ich Leute von hier oben treffe, ist das sehr, sehr wohltuend.
Heute sind Sie in der Neuverfilmung der "Sissi"-Geschichte im ZDF zu sehen. Wie kommt ausgerechnet ein Schleswig-Holsteiner dazu, die Rolle des österreichischen Kaisers zu spielen?
Der Regisseur, Xaver Schwarzenberger, hat mich angerufen, weil er mich in "Die Rebellin" gesehen hatte.
Haben Sie sofort Ja gesagt?
Nee, das kann man so nicht sagen. Ich habe erst einmal die Bücher durchgelesen. Es gibt ja eine Vorlage, die die Leute lieben, und wenn man dann eine Neuauflage davon macht, kann man sich ordentlich in die Nesseln setzen. Nach der Lektüre habe ich aber gedacht, das kann man machen. Und es ist ein schöner Liebesfilm dabei rausgekommen, den hoffentlich viele sehen werden.
Was unterscheidet die neue Version von der Romy-Schneider-Trilogie?
Ich habe die "Sissi"-Filme gesehen, als ich zwölf war. Das sind natürlich Märchen vor der Folie der gesellschaftlichen Situation von Nachkriegszeit, von Zerstörung und Trümmerlandschaften. Eine Zeit voller Sehnsucht nach einer heilen Welt. Dieser gesellschaftliche Bezug stellt sich heute ja gar nicht mehr her. Ich denke, dass die Neuverfilmung den Fokus auf das Schicksal einer Frau richtet, die sich emanzipiert in einem Patriarchat. Der neue Film ist viel lebendiger. Man spürt die Menschen viel mehr atmen.
Wie genau macht sich das bei der Rolle des Franz Joseph bemerkbar?
Ohne da in Konkurrenz gehen zu wollen, ist die Rolle des neuen Kaisers meiner Meinung nach viel zerrütteter und viel mehr hin- und hergerissen zwischen den starken Frauenfiguren: Zum einen seine Mutter, gespielt von Martina Gedeck, die ihn auch inthronisiert hat und die eine außergewöhnliche Machtstellung hatte. Und zum anderen die Frau, die er liebt, die er auch aus Liebe geheiratet hat, was historisch gesehen außergewöhnlich ist. Am Habsburgischen Hof waren eigentlich politische Ziele und Verträge Motiv für eine Vermählung.
Wie haben Sie sich auf die Rolle vorbereitet?
Ich habe hauptsächlich gelesen, gelesen und gelesen. Die alten Filme habe ich mir gar nicht weiter angeguckt.
Was war das Besondere an den Dreharbeiten ?
Christiana Capotandi, meine Kollegin und "Sisi"-Darstellerin, ist Italienerin. Das heißt, wir hatten ein zweisprachiges Set. Sie hat ihre Rolle auf italienisch gespielt, und ich hab auf deutsch geantwortet. Das war natürlich ungewöhnlich zu spielen, aber das hat ganz gut funktioniert. Alles wurde anschließend komplett synchronisiert. Im deutschen TV werden wir die Originalstimme von Christiana nicht hören. Dafür werden Martina Gedeck und ich beide im italienischen Fernsehen synchronisiert. Ich habe gehört, ich kriege die gleiche Stimme wie Leonardo DiCaprio.
Heute leben Sie in Berlin. Sind Sie noch häufig im Norden?
Ja, so oft wie möglich. Im Jahr wahrscheinlich drei bis vier Mal. Ich bin gern da. Das ist meine Heimat.
Auch diese Weihnachten?
Nein, diesmal schaffe ich es leider nicht, aber generell bin ich Weihnachten hier.

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