Rendsburg : Jüdisches Museum feiert Jubiläum

Neu ins Licht gerückt: Christian Walda präsentiert eine Menora.
Neu ins Licht gerückt: Christian Walda präsentiert eine Menora.

Als am 6. November 1988 das Jüdische Museum in der ehemaligen Synagoge in Rendsburg eröffnet, ist es deutschlandweit erst das zweite Haus dieser Art. In Norddeutschland bleibt es das einzige. Heute feiert es Jubiläum mit einem Festakt.

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03. November 2013, 09:15 Uhr

Rendsburg | Das Haus ist äußerlich unscheinbar. Aber als zweifach einzigartig bezeichnet Leiter Christian Walda sein Museum in der Rendsburger Innenstadt. Einzigartig ist der Gebäudekomplex. Denn erhalten sind nicht nur die Synagoge mit Mikwe, dem rituellen Bad, und Betsaal, sondern auch die daneben liegende Talmud-Tora-Schule. „Und die Ausstellungen in bildender Kunst sind unser Alleinstellungsmerkmal“, hebt der Museumschef stolz hervor. Gerade endete die Schau mit Werken der Surrealistin Meret Oppenheim. Der Grafiker Georg Eisler wurde hier ausgestellt oder mit Fotografien an den Regisseur Billy Wilder erinnert. Was die Protagonisten eint: Sie alle waren Juden.

Natürlich gehört auch die Präsentation von jüdischer Religion und Identität zur Aufgabe des Hauses. Die aktuelle Sonderschau gibt einen guten Einblick in den jüdischen Alltag. Es sind Fotos von Gisela Floto. Sie zeigen Jungen mit Kippas, die sich konzentriert über Texte beugen. Die Kippa, eine kleine kreisförmige Mütze, wird von Männern und Jungen beim Besuch der Synagoge oder auf dem Friedhof getragen. Sie darf auch gerne verziert sein – selbst mit Micky-Maus-Motiven, wie ein Ausstellungsstück im Rendsburger Museum beweist.

Die Rendsburger Talmud-Tora-Schule war schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts nur noch schwach besucht. Lediglich 30 Mitglieder zählte die Gemeinde in den 1930-er Jahren, weiß Walda. Dass weder Schule noch Synagoge während der Pogrome 1938 brannten, mag daran liegen, dass in dem Wohnviertel Neuwerk die Häuser eng beieinander stehen. Danach wurden die Gebäude zur Fischfabrik umfunktioniert – und in den 1970er Jahren erinnerte sich kaum noch ein Rendsburger daran, dass hier einmal gebetet wurde.

Als am 6. November 1988 das Museum in der ehemaligen Synagoge eröffnet wurde, war es deutschlandweit (nach Augsburg) das zweite Haus dieser Art. In Norddeutschland ist es bis heute das einzige. Rund 8000 Besucher registrieren Christian Walda und sein Team pro Jahr – bei einem Eintrittspreis von nur drei Euro. In der Museumsszene würdigt man die Einzigartigkeit des Rendsburger Kleinods. „Es ist wohl das wichtigste Museum in der mittleren Kategorie“, lautet die Einordnung von Walda. Auch mit seiner Angliederung an die Stiftung Landesmuseen ist sein Stellenwert richtig gewürdigt, so der Leiter. „Aber die Schleswig-Holsteiner neigen zum Tiefstapeln“, bedauert er die landesweit eher mäßige Wahrnehmung. Zwar war hier einst eine Rendsburger Gemeinde beheimatet, doch präsentiert wird die Geschichte der Juden in Schleswig-Holstein und damit ein Stück Landesgeschichte.

Zum 25-jährigen Jubiläum hat das 1844 erbaute Gebäude ein kleines Lifting erhalten und empfängt die Besucher mit einem verjüngten Eingangsbereich. Unter anderem wurden außerdem die Kellerräume mit der Mikwe restauriert. Die 200.000 Euro dafür stammen aus dem Investitionsprogramm Kulturelles Erbe.

Momentan ist ein zweiter Schritt der Modernisierung in Arbeit – die Umgestaltung der Dauerausstellung, die größtenteils auf der ehemaligen Frauenempore gezeigt wird. Die neue Präsentation soll  ein Mittel sein, um für mehr landesweite Beachtung zu sorgen. Denn „neue Besucherschichten erreichen wir nur über neue Formen der Wissensvermittlung“, erklärt Museumsleiter Walda. Ende 2014 könnte es so weit sein.

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) hat beim Festakt am Sonntag anlässlich des 25-jährigen Bestehens des Museums zu couragiertem Handeln gegen Antisemitismus aufgerufen. „Wir müssen uns überall, wo wir stehen, gegen religiöse, kulturelle und rassistische Diskriminierung stellen“, forderte Albig beim Festakt am Sonntag in Rendsburg. „Die Vergangenheit darf auf keinen Fall zu einem reinen Kapitel des Geschichtsunterrichts erstarren“, mahnte auch der Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland, Stephan J. Kramer. „Uns geht es um die Warnung für die Zukunft vor dem Ungeist der Vergangenheit.“

Jüdisches Museum, Rendsburg, Prinzessinstr. 7-8. Öffnungszeiten: Di.-So. 12-17 Uhr. Festakt Sonntag, 12 Uhr mit Ministerpräsident Torsten Albig. www.jmrd.d

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