O2 World Hamburg : James Blunt im Wartesaal zum Glück

James Blunt wäre so gerne ein richtiger Rockstar - daran lässt er bei seinem Konzert in der Hamburger O2 World keinen Zweifel.

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30. März 2011, 09:38 Uhr

HAMBURG | Wer fürchtet sich vor James Blunt? Niemand! Denn eines ist der ehemalige Captain der britischen Armee ganz bestimmt nicht: gefährlich. Selbst wenn er grimmig guckt, die Oberlippe hochzieht und seine Zähne zeigt, wirkt er kein bisschen bedrohlich. Dabei wäre der König der herzerweichenden Schnulzen so gerne ein richtiger Rockstar - daran lässt er bei seinem Konzert in der Hamburger O2 World keinen Zweifel. Zackig sprintet er vom hinteren Hallenende auf die Bühne und klatscht unterwegs emsig Hände ab. Bei "So Far Gone" ist er gleich mit vollem Einsatz bei der Sache. Das Lied klingt etwas kantiger, wie auch ein paar andere Stücke seines aktuellen Albums "Some Kind of Trouble". Doch selbst wenn es der 37-Jährige für seine Verhältnisse ordentlich krachen lässt, strahlt er keine lässige Coolness aus.
Das überwiegend weibliche Publikum kann damit gut leben. Es zieht sowieso die Liebesdramen in Moll vor. Im sehnsüchtigen "Youre Beautiful" fühlt es sich geborgen. Damit mag sich Blunt aber nicht abfinden. Darum fordert er die Zuschauer zu Beginn seiner 90-minütigen Show auf, sich von den Plätzen zu erheben. Sonst wolle er stundenlang Balladen spielen, droht er. Doch die meisten Frauen dürften das eher als Versprechen empfunden haben. Trotzdem stehen sie brav auf, um fleißig mitzuschwofen. Hier wird im Takt mitgeklatscht, da ein Refrain übernommen, während Blunt die Hitmaschine anschmeißt.
Blunts harmloser Pop verwandelt eine Arena in den Wartesaal zum Glück
Handwerklich solide arbeitet er von "Wiseman" bis "Goodbye My Lover" alles ab. Dabei säuselt sich sein Falsett süßlich in die Gehörgänge, die Bühne wird in bunten Farben beleuchtet. Von der Gitarre wechselt der Brite zum Piano, auf das er vorzugsweise im Stehen einhämmert. Wagemutig klettert er in der Zugabe auf dem Instrument herum. Einige kreischen vor Begeisterung.
So neigt sich ein gefühlsduseliger Abend allmählich dem Ende. Blunts harmloser Pop verwandelt eine riesige Arena in den Wartesaal zum Glück. Mit jedem Ton hat er die Erwartungen seiner Fans erfüllt. Wie berauscht machen sich alle auf den Heimweg. Ihr Fazit: War doch schön!
(shz)

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