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Inspirationsquelle Sylt

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Inselschreiberin Katharina Hartwell genießt noch bis Ende des Monats das Leben als Stipendiatin der Stiftung "kunst:raum sylt quelle"

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erstellt am 08.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Rantum | Sie ist die 13. Inselschreiberin in einer Reihe von Stipendiaten, unter denen immer wieder Autoren waren, die zu den bedeutenden des deutschen Literaturbetriebs der Gegenwart zählen. Feridun Zaimoglu und Juli Zeh sind nur zwei von vielen Beispielen. Die 28-jährige Katharina Hartwell hat gute Chancen, die Reihe der erfolgreichen Jungautoren mit Inselschreiber-Stipendium fortzusetzen.

In Kürze wird ihr erster Roman erscheinen. Ein gut 550 Seiten starkes Werk, dessen Entstehungsgeschichte zeigt, wie professionell die Autorin das Schreiben betreibt. Dazu gehört nicht nur die tägliche sehr disziplinierte Arbeit an den Texten, es sind auch die genaue Planung und Vermarktung des Buches. Dabei lässt sich Katharina Hartwell von einer Literaturagentur beraten, wählt sehr genau den Verlag aus, in dem ihre Arbeiten erscheinen sollen. Die Professionalität ist auch Ergebnis ihres Studiums am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig. Auch das Stipendium als Inselschreiberin gehört in die Entwicklung und Tätigkeit als Autorin, die von ihrer Arbeit leben will.

Für junge, freie Schriftsteller, deren Umsätze nicht selten kaum das Existenzminimum sichern, sind Arbeitsstipendien wie das der Stiftung "kunst:raum sylt quelle" wichtige Säulen beim Aufbau ihrer literarischen Zukunft. Mit dem 2001 von der Literaturwissenschaftlerin und Sylt-Quelle-Eignerin Indra Wussow gegründeten Förderpreis für junge literarische Talente sind zwei Monate abgesichert. Zwei Monate, die nicht zwingend an einem Stück genommen werden müssen, in denen die Stipendiaten eine Wohnung auf dem Gelände der Sylt-Quelle zu Verfügung haben und mit einem Preisgeld von 2500 Euro ausgestattet werden. Zeit, die dem Schreiben dienen soll - möglichst frei von materiellen Sorgen und ablenkenden Alltäglichkeiten.

Sylt als Schaffensort hat immer wieder Schriftsteller angezogen - darunter große Namen wie Max Frisch oder Thomas Mann - bietet die Insel doch mit ihrer beeindruckenden Natur und urbanen Infrastruktur einen besonderen Anreiz für Künstler. Katharina Hartwell empfindet es ebenso. Sie kannte die Insel vorher gar nicht, stellte sie sich doch "relativ ähnlich vor wie das, was sie jetzt ist". Sie kam mit "sehr hohen Erwartungen", hatte sich "sehr auf den Aufenthalt gefreut". Dabei spielte vor allem die Vorstellung von der Natur eine prägende Rolle. "Viel Natur" war in ihrem Bild von der Insel. Seit sie auf Sylt ist, erlebt sie dieses "Viel an Natur", wandert gern, genießt den "freien Blick auf Meer und Himmel". Vorstellungen hatte sie natürlich auch von der besonderen Sylter Lebensart, ihren bekannten, angesagten Adressen. Einen Abend im Kult-Restaurant Sansibar, zu dem die Sylt Quelle eingeladen hatte, erfüllte auch ihre Ahnungen.

Sie fand es "nobel", denn "wir haben dort einen sehr guten Fisch gegessen" und Menschen getroffen, die "schlicht, aber auch bemerkbar gut gekleidet waren". "Das gute Leben" will sie dort empfunden haben. Auch, "weil wir gut gesessen haben, mit Blick über die Dünen". Spaziergänge am Meer, Yoga und das gezielte Aufsuchen der Inseldörfer sind das Programm, mit dem Katharina Hartwell ihre Tage als Inselschreiberin ausfüllt, wenn sie nicht am Schreibtisch sitzt. Der Ort ist für ihr Schaffen nicht als Motiv ihres Schreibens entscheidend, sondern als Atmosphäre, die es ihr ermöglicht, sich in die notwendige "Arbeitsroutine" einzufinden.

In den ersten Wochen auf Sylt ist ihr das gelungen. "Das geht nicht überall". Möglich, dass sich Sylt in späteren Texten von Katharina Hartwell ausmachen lässt, aber während ihres Insel-Aufenthaltes schreibt sie an ganz anderen Texten, hat auch zunächst ein wenig versucht, sich von der Arbeit an dem Roman zu erholen, dessen Titel so klingt, als hätte er doch etwas mit Sylt zu tun: "Das fremde Meer". Mitte Juli wird das Buch im Berlin Verlag erscheinen.

Schon heute gibt es Kritiker, die mit Blick auf das noch schmale Werk der zart und sensibel erscheinenden Autorin zu lobenden Worten finden. Gut möglich also, dass mit Katharina Hartwell der Stiftung "kunst:raum-sylt quelle" erneut eine Stipendiatenwahl geglückt ist, die belegt, wie kenntnisreich und qualitätsbewusst der hoch begehrte Förderpreis vergeben wird.

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