In drei Akten zum fertigen Theaterstück

 Treiben den Regisseur zur Verzweiflung: Claudia Macht  und Imanuel Humm. Foto: Theater
Treiben den Regisseur zur Verzweiflung: Claudia Macht und Imanuel Humm. Foto: Theater

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05. März 2013, 03:59 Uhr

Kiel | Normalerweise lassen Schauspieler ihr Privatleben in der Garderobe zurück, nehmen es bestenfalls unterschwellig mit auf die Bühne. In Michael Frayns Welterfolg "Der nackte Wahnsinn" aber, den jetzt Siegfried Bühr in Kiel inszeniert hat, dürfen sie es offen ausspielen. Als Kehr seite einer trivialen Komödie, in der zwei Paare (Christian Kämpfer und Claudia Friebel; Imanuel Humm und Yvonne Ruprecht), eine Haushälterin (Claudia Macht) und ein Einbrecher (Rainer Jordan) in einem komfortablen Gästehaus auf dem Lande ein totales Durcheinander erzeugen. Im ersten Akt der Aufführung - der Generalprobe - sitzen die Texte noch nicht, klemmen Türen und sind Requisiten am falschen Platz. Einem Darsteller blutet dauernd die Nase, und die entzückende junge Brooke hat Probleme mit ihren Kontaktlinsen. Alles das bringt den Regisseur (aus dem Zuschauerraum absteigend Zacharias Preen) fast zur Verzweiflung.

Die von Siegfried Bühr gemeinsam mit Steven Koop bestückte Drehbühne gewährt uns im zweiten Akt Einblick in die Kehrseite der Medaille. Die Handlung des ersten Aktes erlebt der Zuschauer vier Wochen nach der Premiere als Vorstellung irgendwo in der Provinz, in doppelter Perspektive hinter und vor den Kulissen. Hauptthema sind nun die Eifersüchteleien und Konflikte innerhalb der Truppe. Inspizient (Rudi Hindenburg) und Regie-Assistentin (Isabel Baumert) müssen mithalten, um die Aufführung zu retten. Im dritten Akt, der "Dernière", hilft kein Improvisieren mehr, das Stück ist am Ende. Der fallende Vorhang begräbt das Ensemble unter sich wie ein Häufchen Elend.

Dieses Tohuwabohu der grotesken Zwischenfälle verlangt vom Ensemble äußerste Präzision und erntet stürmischen Applaus. Lange nicht mehr so gelacht!

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