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In der Hauptstadt der Liebe

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ab heute treffen sich Autoren und Verlagsvertreter zu den Liebesroman-Tagen in Büsum

Das Happy End steht gleich am Anfang: Ganz Büsum ist erfüllt von Liebe.

Eine schöne Geschichte für den kleinen Nordsee-Ort. Denn heute beginnen in Büsum die Liebesroman-Tage und die werden bestimmt gut enden – so wie die Romane, um die es in den nächsten Tagen gehen wird, auch immer gut enden.

Die Spannung ist damit natürlich raus, aber mal ehrlich: Um Spannung geht es in diesen Geschichten doch auch gar nicht.

Mehr als 120 Autoren und Verlagsmitarbeiter werden bis Sonntag in Büsum erwartet, eingeladen vom Verein zur Förderung deutschsprachiger Liebesliteratur (Delia). Große Verlage sind dabei, der Piper Verlag, die Deutsche Verlagsanstalt (DVA) und der Knaur Verlag, um nur einige zu nennen. Wer vermutet, dass die Liebe sich in der ganzen Stadt ausbreiten wird, der liegt nicht falsch: in den Schulen wird gelesen, in der Sparkasse signiert und in der Sturmflutenwelt „Blanker Hans“ über das Schreiben gesprochen. Da geht es dann um das richtige Thema, um den Titel und den Ton. „Let’s Talk About Sex“ heißt ein Workshop, was nicht nur ein erstaunlicher Titel für einen Verein zur Förderung deutschsprachiger Literatur ist, sondern auch ein delikates Thema. Wie sage ich es, ohne meine Leser zu verschrecken – aber auch nicht zu enttäuschen? Sex gehört zum Liebesroman wie die Krabbe zu Büsum, aber mit der anschaulichen Beschreibung des technischen Vorgangs – Sie wissen schon! – tun sich selbst mehrfach ausgezeichnete Autoren des seriöseren Segments mitunter schwer.

Zwischen Duktus und Dosis kann man viel falsch machen – und was Titel wie „Das Herz hat viele Zimmer“ oder „Der Geschmack von Sommerregen“ versprechen, sollte nicht auf Fesseltechniken nach Art der „Shades of Grey“-Trilogie hinauslaufen.

Aber auch wenn über Sex gesprochen wird, geht es natürlich in erster Linie um die reine Liebe. Die ist viel beschrieben worden, es gibt Hunderte Bücher, die die Liebe im Titel tragen und Tausende Werke, in denen die Liebe das zentrale Thema ist.

Die Literatur ist angefüllt mit Liebenden: Und den wenigsten geht es dabei wie Romeo und Julia, den Protagonisten der romantischen Liebe, die füreinander in den Tod gehen, die sich treu sind bis zum Ende: „Meine Freigebigkeit ist so grenzenlos wie das Meer, meine Liebe so tief.“ Diese Worte spricht Julia zu Romeo und dieser Satz würde so perfekt zu Büsum passen wie das Meer und die Liebe und die Krabben und die Liebesroman-Tage, wenn die Geschichte nicht so traurig enden würde. Ohne Happy End macht die Sache mit den Liebesromanen aber nicht so recht Spaß. Außerdem geht es – wie bereits erwähnt – an den vier Festival-Tagen nicht um die melancholischen Italiener, die sich unter immerblauen Himmeln in die Arme schließen, sondern um deutschsprachige Literatur.

Man liebt deutsch – und gern auch Frau. Zu unkonventionell darf es ja auch nicht sein, schließlich sollen sich die Bücher am Ende verkaufen.

Dabei hilft das Siegel „Ausgezeichnet mit dem Delia Literaturpreis für den besten deutschsprachigen Liebesroman 2014“. Nominiert sind neben den oben genannten Romanen (außer: Shades of Grey!) auch die Titel „Und morgen am Meer“, „Immer wieder das Meer“ und „Liebe unter Fischen“. Was klingt wie eine plumpe Liebeserklärung an die gastgebende Stadt, ist tatsächlich die Vorbereitung auf das unvermeidliche Happy End: Ganz Büsum ist erfüllt von Liebe – zumindest für die nächsten vier Tage.

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erstellt am 15.Mai.2014 | 16:31 Uhr

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