Philippe Jaroussky in Meldorf : In den Höhen der Sopranistinnen

Philippe Jaroussky
Philippe Jaroussky

Schleswig-Holstein Musik-Festival im Meldorfer Dom: Countertenor Philippe Jaroussky beeindruckte über mehrere Oktaven.

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18. Juli 2011, 10:22 Uhr

Meldorf | Seine Stimme bewegt sich im Extrem. Mühelos singt er sich in Lagen, die ansonsten nur Sopranistinnen vorbehalten sind. Als einer der wenigen professionellen Countertenöre der Welt gehört Philippe Jaroussky damit längst zu den Superstars der Klassikszene. Am Freitagabend war er im Rahmen des Schleswig-Holstein Musik-Festivals (SHMF) in Meldorf zu Gast. Auf dem Programm: Ein Gang durch das Werkverzeichnis von Antonio Vivaldi, jenes Musikers also, den heute viele zu Unrecht nur noch mit den "Vier Jahreszeiten" assoziieren.
Ganz gleich, ob Jaroussky nachfolgend die Motette "Longe mala, umbrae, terrores" anstimmte oder eine Arie aus den vielen - oft aber schon vergessenen - Opern des Italieners sang, Gänsehaut war in jedem Falle garantiert. Gekrönt wurde der Abend mit dem ausdrucksstarken Eunuchen-Gesang aus dem "Juditha triumphans"-Oratorium. Zu den Zeiten von Antonio Vivaldi - also vor rund 280 Jahren - wurde diese Rolle noch von der Schülerin eines Mädchenkonservatoriums gesungen. Nun übernahm der 33-jährige Franzose diesen Part.
Weder Frauenstimme noch Knabengesang
Ob das skurril ist? Nicht eine Sekunde. Denn Jaroussky hat eben gerade keine Frauenstimme. Auch war in Meldorf kein Knabengesang zu hören. Vielmehr verharrte der Klang im unbestimmten Raum jenseits der gängigen Hörerfahrungen - androgyn, zeitlos und klar.
Unterstützt wurde Philippe Jaroussky bei alledem vom Ensemble Artaserse, das auch als eigenständige Gruppe an diesem Abend eine großartige Leistung bot. Besonders Alessandro Tampieri begeisterte hier mit seinem virtuosen Violinenspiel im "Grosso Mogul"-Concerto. Das Publikum dankte es den Musikern dann auch zu Recht mit Applaus und Bravo-Rufen.
(til, shz)

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