Hörbuch-Tipp : Im Hundeschritt über den Gelben Fluss

Ferdinand Freiherr von Richthofen: 'Am Gelben Fluß. Ein Reisebericht aus China' Sprecher: Walter Kreye 1 CD mit 78 Minuten 9,95 Euro, ISBN  978-3-89964-232-2
Ferdinand Freiherr von Richthofen: "Am Gelben Fluß. Ein Reisebericht aus China" Sprecher: Walter Kreye 1 CD mit 78 Minuten 9,95 Euro, ISBN 978-3-89964-232-2

Als Pionier reiste Richthofen am Hwangho entlang. Sein Reisebericht aus dem China des 19. Jahrhunderts ist jetzt als Hörbuch erschienen.

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09. Oktober 2009, 03:27 Uhr

Der Gelbe Fluss ist vertrocknet, nur eine rissige Kruste bedeckt die Talebene. Weites Land. Doch ein unüberlegter Schritt kann tödlich sein: Unter der Kruste ist tiefer Schlamm, so tief, dass Menschen darin versinken würden. Ferdinand Feiherr von Richthofen hört die Warnung seines Reiseleiters gerade noch rechtzeitig und kann seinen Reisegefährten schnell von einer gefährlichen Stelle wegzerren.
Die Chinesen überqueren die verkrustete Ebene auf allen Vieren, berichtet Richthofen, mit korbartigem Geflecht um Hände und Füße, das ein Einsinken verhindert. Der Abenteurer selbst probiert es aber nicht aus, sondern zieht weiter am Gelben Fluss, dem Hwangho, entlang. Als Richthofen als Geologe China Mitte des 19. Jahrhunderts bereiste, war das ferne Land den Europäern nahezu unbekannt. Als Pionier schlug sich der Gesteinsforscher am Gelben Fluss entlang, entdeckte Städte und Berge oder sprach mit Einheimischen. In einem Reisebericht erinnert er sich Jahre später an seine China-Expedition. Man hatte ihn gebeten, seine doch etwas zu wissenschaftlich und langatmig verfassten Ergebnisse seiner Forschungsreisen, in einen packenden, knappen Reisebericht zu verkürzen. Die Erinnerungen der Reise "Am gelben Fluss" sind jetzt auch als Hörbuch erschienen, in einer Reihe mit anderen exotischen Reiseabenteuern aus dem 19. Jahrhundert, als die fremden Kontinente noch nicht mit Pauschaltouristenreisen zu erkunden waren.
Verfolgung oder Erbsenwürfe
Reisen in China war in Richthofens Zeit für Europäer eine heikle Angelegenheit, schreibt er. Die meisten Weißen reisen in chinesischer Kleidung und lassen sich sogar einen schwarzen Zopf an den Kopf knüpfen. Darauf verzichtet der Freiherr, was ihm manches Mal eine allzu neugierige Meute beschert, die ihn über weite Strecken verfolgt. Wahlweise wird der Reisende auch mit Erbsen beschmissen.
Richthofen bereiste das Land des Lächelns aus geologischen Gründen - das merkt man seinen Ausführungen stark an. Selten beschreibt er Bräuche oder Wohnkultur. Wenn er doch über die Feier der Kirschblüte schreibt oder gar von einem Besuch in einem chinesischen Internat berichtet, bleiben seine sozialen Beobachtungen an der Oberfläche. Wenige seiner Begegnungen lernt man näher kennen.
So lässt der Reisebericht den Hörer nie ganz eintauchen in die fremde Welt und die ferne Zeit. Viele der Geschichten, die Richthofen anspricht sind heute längst vergessen. Dennoch sind die Ausführungen liebevoll gelesen und geben einige spannende Momentaufnahmen oder Analysen.
Ferdinand Freiherr von Richthofen: "Am Gelben Fluß. Ein Reisebericht aus China" Sprecher: Walter Kreye 1 CD mit 78 Minuten 9,95 Euro, ISBN 978-3-89964-232-2

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