Eckart von Hirschhausen : "Ich liebe die norddeutsche Mentalität"

Gerne  am Meer, wie hier auf Sylt: Kabarettist Eckart von Hirschhausen. Foto: Bergmann
Gerne am Meer, wie hier auf Sylt: Kabarettist Eckart von Hirschhausen. Foto: Bergmann

Eckart von Hirschhausen kommt mit seinem medizinischen Kabarett-Programm "Liebesbeweise " nach Flensburg und Kiel.

Avatar_shz von
21. Mai 2011, 09:29 Uhr

Ärzte mit Humor sind nicht selten, aber nur einer hat es auf die Bühne und ins Fernsehen geschafft: Eckart von Hirschhausen ist mittlerweile zu einem der bekanntesten Fernsehgesichter geworden. Der komische Arzt moderiert aber nicht nur, er schreibt auch Bestseller und ist mit einem Kabarett-Programm unterwegs. Vor seinen Auftritten in Kiel und Flensburg spricht er über seine Arbeit und seinen Bezug zu Norddeutschland.
Herr von Hirschhausen, Sie kommen mit dem medizinischen Kabarett "Liebesbeweise" zum zweiten Mal nach Kiel und Flensburg. Ist Liebe wirklich komisch?
Sehr komisch sogar. Nirgendwo machen wir uns so unfreiwillig lächerlich wie auf der Jagd nach Liebe. Wir geben uns als Romantiker, sind aber gleichzeitig auch Realisten. Das Ideal der Liebe behauptet: Es gibt genau einen richtigen Partner für jeden auf der Welt. Und der Realist denkt: Da muss sich ja nur einer den Falschen nehmen, und dann geht es für alle nicht mehr auf.
Sind die Norddeutschen denn die richtigen Partner für Ihren Humor?
Ich war schon mit "Liebesbeweise" in Kiel im Schloss und in Flensburg im Deutschen Haus. Das Publikum war super! Es ist ein Vorurteil, dass die Norddeutschen keinen Humor haben. Und weil meine Shows immer ausverkauft waren, komme ich jetzt noch ein letztes Mal, bevor ich Tourpause mache.
Fahren Sie in diesen Sommer auch wieder nach Sylt?
Nein, Kiel und Flensburg sind meine nördlichsten Termine in diesem Jahr. Aber vielleicht komm ich zum Urlaub noch mal her. Ich liebe die norddeutsche Mentalität, die Menschen und das Meer. Ich bin schon als Schüler von Kiel aus nach Dänemark mit dem Schiff gesegelt. Nach der Fahrt wusste ich nicht, ob das Meer auch mich liebt. Und ich habe tatsächlich alle drei Bücher auf Sylt geschrieben und auch das Lied "Mensch Meer".
Im Fernsehgeschäft sind Sie noch relativ neu. Hatten Sie mit Startschwierigkeiten zu kämpfen?
Mein großer Vorteil ist, dass ich schon fünf Jahre lang eine wöchentliche Gesundheitssendung im Fernsehen moderiert habe. Fernsehen ist nicht neu für mich. Neu ist nur, dass Leute zuschauen!
Wie schwierig fällt es Ihnen, vom Bühnenmonolog auf die Frage-Antwort-Situation im Fernsehen umzuschalten?
Es macht mir ausgesprochen Freude! Und in Wirklichkeit ist mein Bühnenprogramm auch ein Dialog. Ich improvisiere viel, gehe ins Publikum, hole mir Stichworte und Anregungen. Im klassischen Theater blendet man das Publikum aus, tut so als gäbe es die berühmte vierte Wand. Bei Komik ist es anders: Der Part des Publikums ist genauso wichtig für den Erfolg wie mein eigener.
Und was macht Ihnen persönlich größere Freude? Teamwork in der Talkshow mit Bettina Tietjen oder Ihre Moderationen bei großen Abendshows?
Mir macht Freude, dass ich viele verschiedene Dinge tun darf und kann. Ich liebe Bettina Tietjen, die auf ihre Art immer andere Geschichten aus den Gästen holt als ich. Wir ergänzen uns gut, und soweit ich das beurteilen kann, mag sie auch mich. Die schwerste Moderation ist "Frag doch mal die Maus" - auch wenn es nicht so aussieht. Talkgäste sind halbwegs mit Fragen steuerbar, aber was mit Kindern im Studio passiert, ist immer anders als geplant. Aber das macht auch den Reiz der Sendung aus: mit Promis schnacken, mit Kindern die Fragen spielen, mal was erklären, mal totalen Unsinn machen, das ist Familienshow. Das Leichte ist immer das Schwere!
Inwieweit vermissen Sie bei all dem Medienrummel die Arbeit als Arzt mit den Kindern im Krankenhaus?
Sehr. Aber mit den Aktionen von meiner Stiftung "Humor hilft Heilen" bin ich regelmäßig in Kontakt mit den Kinderstationen, wo wir Clowns und andere Dinge unterstützen, um die Stimmung aufzuheitern. Alles kann man ja nicht machen in einem Leben.
Trotzdem machen Sie offensichtlich sehr viel, sind viel unterwegs. Wie erholen Sie sich?
Jede Krankenschwester oder Hebamme arbeitet mehr als ich. Aber weil meine Tätigkeit in der Öffentlichkeit stattfindet, entsteht schnell der Eindruck, ich wäre pausenlos aktiv. Bin ich nicht. Zudem empfinde ich das, was ich tue, nicht als Last, weil mir nichts mehr Freude macht, als auf der Bühne zu stehen und Menschen zum Lachen und Nachdenken zu bringen.

24. Mai, 20 Uhr, Flensburg, Deutsches Haus
25. Mai, 20 Uhr, Kiel, Sparkassen-Arena


zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen