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Interview mit Ina Müller : „Ich habe richtig malocht!“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ina Müller spricht im Interview über ihre Kindheit, ihre Schwestern, das Alter und über ihre beliebte Show „Inas Nacht“.

shz.de von
erstellt am 27.Okt.2013 | 16:03 Uhr

Hamburg | Frau Müller, Sie wurden kürzlich in einem Zeitungsartikel als „Traumfrau“ porträtiert. Schmeichelt Ihnen so etwas?
Ja natürlich. Traumfrau sein ist ja wohl der Superlativ. Ich selber sehe mich natürlich nicht so, aber wenn das irgendwo in der Zeitung steht, freue ich mich.

Sie wurden da von einer Frau als „Traumfrau der Frauen“ beschrieben.
Ach, ich wusste doch, die Sache hat einen Haken. Als Traumfrau der Frauen geht es natürlich um ganz andere Attribute. Ich glaube, Frauen mögen es, wenn man ein bisschen kantiger, ein bisschen lauter und ein bisschen anders ist. Männer mögen das meistens nicht so gerne.

Wenn Sie selbst eine Traumfrau vorstellen müssten – wer wäre es?
Ich könnte das jetzt nicht auf eine Frau reduzieren. Ich habe in meinen mittlerweile 70 Sendungen so viele tolle Frauen kennengelernt. Mir fällt nur auf, dass es meistens nicht die ganz jungen Frauen sind, die mich begeistern. Die haben einfach noch nicht soviel zu erzählen.

Das Info-Blatt zu Ihrer neuen Platte beschreibt Sie nicht als Traum-, sondern als „Saufen-Singen-Sabbeln-Fachfrau“. Ist es das, was Sie immer sein wollten?
Ich glaube, es ist das, womit man mich am ehesten verbindet. Und bringt es auch ganz gut auf den Punkt. Ich bin ja nicht in vielem eine Fachfrau, aber was das Saufen, Singen und Sabbeln angeht, da macht mir so schnell keiner was vor.

Was davon können Sie am besten?

Zusammen geht es am besten. Besoffen sabbeln und dabei auch noch singen – da geht mir das Herz auf. Wenn ich betrunken bei „Inas Nacht“ am Tresen sitze, wir sabbeln und dann singt der Shantychor noch mal „Rolling home“, da muss ich manchmal fast weinen. Ich weiß aber nicht, ob es nicht doch an den Hormonen liegt.

Waren Sie denn mal so richtig betrunken in der Sendung?
Mal ja und mal aber auch gar nicht. Manchmal sehe ich die Sendung im Schnitt und habe ein bisschen Angst, weil ich denke: Mein Gott, ich wirke ja total betrunken! Und das in einer Sendung, in der ich überhaupt nicht getrunken habe. Oder ich war betrunken und denke: Huch, man merkt ja gar nichts.

Kommt da eigentlich niemand vom NDR und sagt „Wir haben doch eine Vorbildfunktion“?
Der NDR ist an dieser Stelle wirklich nicht so spießig, wie man immer meint. Man muss den Leuten nicht mehr vorspielen, dass wir da in der Kneipe sitzen und so tun, als ob wir trinken, oder so tun, als wären da Shantys. Wir sitzen da wirklich bei einem gemütlichen Abend und trinken Alkohol. Und als Vorbild habe ich noch nie fungiert und dürfte ich auch nie herangezogen werden. Deswegen senden wir ja auch sehr spät.

Wer ist denn damals auf die Idee gekommen, Inas Nacht aus dem „Schellfischposten“ zu senden?

Das war ich. Wir hatten damals schon einige Kneipen angeschaut. Ich bekam den Tipp mit dem „Schellfischposten“ und habe mich gleich verliebt von der ersten Sekunde an. Dann war da natürlich kurz die technische Frage. Es ist ja kleiner als es im Fernsehen aussieht. Und dann hieß die Wirtin auch noch Frau Müller. Manchmal sollen solche Sachen wohl so sein.

Zwischen Frau Müller und Frau Müller gibt es ja ein Zeichen, wenn Frau Müller alkoholfrei trinken möchte…

Ja, aber das sage ich Ihnen natürlich nicht. Es wundert mich nur, dass sich noch keiner mal die Mühe gemacht hat, das zu erkennen. Ich verrate Ihnen aber so viel: Es ist kein Zeichen, es handelt sich um ein Wort.

Von welchem Gast waren Sie überrascht, dass er überhaupt in Ihre Sendung gekommen ist?
Von Thomas Schaaf und Jürgen Trittin. Das sind Menschen, die eigentlich nicht in so eine Sendung gehen würden. Das fand ich sehr mutig und hat total Spaß gemacht. Boris Becker hatte auch mal zugesagt. Da habe ich schon gedacht: Der wird uns einen Tag vorher noch absagen. Und er sagte dann auch ab. Ich an seiner Stelle würde auch nicht in meine Sendung gehen.

Sind Ihre vier Schwestern eigentlich auch „Saufen-Singen-Sabbeln-Fachfrauen“?
Nein, gar nicht. Wir sind so unterschiedlich, wie fünf Mädchen nur sein können. Wir haben heute ein innigeres Verhältnis als früher zueinander. Es hat wohl was mit dem Altern und den familiären Einschlägen zu tun. Wenn man älter wird, findet man wieder anders zusammen.

Was machen Ihre Schwestern so?
Zwei arbeiten in einer Apotheke, so wie ich früher auch. Eine hat zwei Friseurläden in Meerbusch. Und eine ist Zahnarzthelferin. Sie ist Mutter von zwei Kindern, wohnt in der Nähe unserer Mutter und kümmert sich ziemlich viel.

Will keine von Ihren Schwestern den elterlichen Bauernhof übernehmen?
Nein. Das war aber auch eigentlich vor zehn Jahren schon klar. Die Schwester, die jetzt die Friseurläden hat, wollte das eigentlich machen. Aber Landwirtschaft existiert nicht mehr, wie sie früher mal existiert hat. Wenn du als Landwirt nicht mit der Zeit gehst, wenn du nicht aufrüstet, dann bist du raus irgendwann. Diesen Schritt hat mein Vater damals schon verpasst. Bauern müssen heute schlau und modern sein, um überleben zu können.

Gibt es den Hof denn überhaupt noch?
Ja, es gibt den Hof noch und er wird auch jetzt immer noch instand gehalten, indem er dann mal ein neues Dach bekommt oder wieder ein Stück abgerissen werden muss, weil es in sich zusammenfällt. Mein Papa ist vor einigen Jahren gestorben. Mama will da nicht weg. Für sie ist es ihre Heimat, ihr Zuhause.

Auf Ihrer neuen Platte haben Sie Ihren Schwestern einen Song gewidmet…

Ja, das war mir sehr wichtig, auf der letzten plattdeutschen Platte habe ich meiner Mama einen Song gewidmet und da haben meine Schwestern gesagt „Und wir?“. Da sagte ich: „Mädels, ich versuch das mal auf den Punkt zu bringen, was uns ausmacht und was uns auch nicht ausmacht.“ Und das ist quasi jetzt der Text dazu.

Da heißt es in einer Zeile „Zank und Zoff in ‘nem Dreibettzimmer…“. War’s so eng auf dem Bauernhof?
Man denkt ja immer, die Höfe sind riesig – und das sind sie auch, aber die Wohnhäuser sind einfach schlecht aufgeteilt. Ein riesiger Flur, der nicht genutzt wird, eine gute Stube für Weihnachten, eine alte Stube und dann bleibt mal schnell nur ein einziges Zimmer mit drei Betten für fünf Kinder übrig.

Sie haben ihre Kindheit mal in einem Interview beschrieben mit „Verzicht, Verzicht, Verzicht“.
Ja klar, fünf Kinder. Du musstest immer alles durch fünf teilen.

Kindheit auf dem Bauernhof klingt doch so idyllisch…
Ja, sehr idyllisch. Ständig mit einer Giftspritze irgendwo Unkraut auf den Feldern zu vernichten, oder beim Melken draußen standen wir täglich zwei Stunden hinterm Auspuff des laufenden Treckers. Es ist eben nicht wie bei Heidi auf der Wiese. Diese Bauernhöfe waren viel Arbeit und vieles war ungesund. Ich glaube, heute wird mehr drauf geachtet und es gibt bessere Maschinen.

Und Sie haben als Kind richtig mit anpacken müssen?
Ich habe malocht, und zwar richtig. Wenn ich aus der Schule kam, war da jeden Tag Arbeit. Die Zäune mussten dicht gemacht, Steine aufgesammelt, Stroh gepresst, Mais gehäckselt werden. Meine Schwester Heike und ich waren die Melker. Dörte hat die Kälber gefüttert, Annette hat ausgemistet und Karin musste nicht arbeiten. Sie war die älteste. Das wissen wir übrigens bis heute nicht, warum Karin nie arbeiten musste.
 

Hat sich Ihr Vater mal darüber beklagt, weil er sechs Frauen im Haus hatte?
Nein. Warum auch? Er hat im Schlaraffenland gelebt, und das wusste er auch. Da waren fünf Töchter, die angepackt haben wie Jungs, eine Frau, die nett zu ihm war, und seine Mutter, die noch auf dem Hof lebte. Er hat also mit sieben Frauen zusammen gewohnt und er war der Pascha.

Ihr Heimatdorf Köhlen hat keine 1000 Einwohner, keine Ratsmitglieder von SPD oder Grünen…
Ich habe früher als Kind immer gedacht, es gebe nur die CDU. Es hingen nur CDU-Wahlplakate. Als ich dann in der Schule war, hörte ich erst, dass es eine SPD gibt. Dann gab es großen Aufruhr im Dorf, als es auf einmal Grüne gab und die ersten auch Grüne wählten. Mittlerweile ist unser Dorf so weit wie jede Stadt, aber dieser Umschwung damals war schon sehr lustig.

Eine Zeile in dem Lied „5 Schwestern“ lautet „Unser Sansibar, das war Edeka“.
Edeka war halt unser Hotspot damals. Wir lungerten am Schützenhaus rum, oder am Feuerwehrhaus, oder trafen uns an der Bushaltestelle. Aber Edeka war das Schlaraffenland.

Stichwort „Sansibar“ – Sie sind dann vom Bauernhof direkt nach Sylt gezogen?
Nein, nicht direkt vom Bauernhof. Das hört sich ja so an, wie „noch schnell die Kuh zu Ende melken und dann nach Sylt“. Vom Bauernhof ging’s nach Lüneburg, von da nach Bremen und von Bremen nach Sylt. Ich kannte die Stadt, ich konnte Auto fahren, ich wusste, dass es Strom gibt.

Haben Sie auf Sylt auf eine gute Partie gehofft?
Ich bin ja wegen einer guten Partie nach Sylt gezogen. Wir lebten da gut aufgehoben in einem Reihenhäuschen. Das hielt dann aber nicht. Dann bin ich irgendwann auch wieder weg von Sylt. Aber es war meine intensivste Zeit.

Wenn man die Platte hört, könnte man den Eindruck kriegen, gute Partien gibt es gar nicht. Irgendein Haar schwimmt immer in der Suppe.
Ist ja auch so. In meiner Suppe auch.

Was sagt Johannes (Oerding) dazu?
Bei dem schwimmt auch mal ein Haar in der Suppe. Hätten wir kein Haar in der Suppe, wäre es halt Schlager. Dann würde ich singen „Du bist mein Augenstern“ oder so. So ist das Leben aber leider nicht.

Die Platte heißt „48“ und spielt auf Ihr Alter an.
Die 48 hat sich so ergeben, weil wir einen schnell schreibbaren Titel brauchten. Geschrieben sieht die Zahl so schön aus, so fett und gesund und dick. Ich will aber nicht sagen, dass das Leben mit 48 erst richtig losgeht – das wäre gelogen.

Haben Sie denn ein Problem mit Ihrem Alter?
Ich habe keine Angst mehr, mit 48 hat man keine Angst vor 50. Zwischen Mitte 30 und Mitte 40 waren meine fettesten Jahre. Im Sinne von am kraftvollsten, am neugierigsten. Es sind die meisten Dinge passiert. Heute weiß ich, dass ich in einer Wohnung in der Stadt bleibe. Ich bin an vielen Punkten angekommen. Das war vorher alles noch offener.

Im Alter zurück aufs Land ziehen kommt also nicht in Frage?
Überhaupt nicht, im Gegenteil. Ich würde am liebsten im Hauptbahnhof wohnen. Da ist was los. Manchmal schlendere ich da einfach hin, um zu gucken.

Auf wen bezieht sich eigentlich der Song „Spieglein, Spieglein“?

Auf mich. Wenn ich aufstehe, dann stehe ich vorm Spiegel, putze die Zähne und denke: „Boah, ich habe so gut geschlafen, was sehe ich frisch aus.“ Natürlich – weil ich die Brille nicht trage. Ich glaube, dass die Natur uns deswegen mit zunehmendem Alter schlechter sehen lässt, damit wir dieses Elend nicht direkt erkennen und uns das Selbstbewusstsein nicht komplett flöten geht.
 

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