Interview : "Ich beschreibe die kleinen Wunder"

Frühling im Bild, Frühling in der Musik: Synje Norland vergleicht den Klang ihrer neuen CD mit der Lebendigkeit und Frische der vorsommerlichen Jahreszeit. Foto: Norland
Frühling im Bild, Frühling in der Musik: Synje Norland vergleicht den Klang ihrer neuen CD mit der Lebendigkeit und Frische der vorsommerlichen Jahreszeit. Foto: Norland

Die nordfriesische Musikerin Synje Norland hat mit "To the other side" ihre zweite CD herausgebracht - und dabei eine musikalische Wandlung vom Herbst zum Frühling vollzogen.

shz.de von
11. Mai 2011, 09:17 Uhr

Niebüll/Hamburg | Die Karriere von Synje Norland beginnt mit einem elterlichen Albtraum-Szenario: Sie schmeißt die Schule und zieht mit der Gitarre unterm Arm in die Welt. Wie gut, dass die Geschichte ein Happy End hat - die 28-jährige Folk-Musikern mit nordfriesischen Wurzeln hat vier Jahre nach ihrem erfolgreichen Debüt-Album eine neue CD herausgebracht.

Frau Norland, mit 17 Jahren haben Sie das Gymnasium verlassen, um von Ihrer Musik zu leben. Was haben Ihre Eltern dazu gesagt?
Ich komme aus einer musikalischen Familie, meine Eltern haben mich immer unterstützt. Ich mache ja schon viel länger Musik. Seit ich denken kann, singe ich. Und natürlich habe ich als kleines Mädchen auch Blockflöte gespielt.

Mit Unterstützung Ihres Vaters haben Sie 2007 auch Ihr Debüt-Album veröffentlicht.
Ein Gemeinschaftswerk. Wir haben unser eigenes Label (Norland von Nordfriesland/Anm. d. Red.) gegründet und in einem Flensburger Studio die erste CD eingespielt.

Und wie sind Sie entdeckt worden?
Über Beziehungen. Ein Bekannter von mir produziert Filmmusik und hat Lieder von mir für Fernsehproduktionen vorgeschlagen. In der ARD-Serie "Rote Rosen" sind meine Lieder zu hören, auch im ZDF-Zweiteiler "Das Geheimnis der Wale". Im Film "Sieben Zwerge - der Wald ist nicht genug" singe ich den Abspann.

Jetzt, vier Jahre später, sorgen Sie mit Ihrem neuen Album "To the other side" für Furore. Worin unterscheiden sich die beiden Alben?
Ich vergleiche sie mit den Jahreszeiten. Die erste CD war der Herbst, die zweite der Frühling...

Gute-Laune-Musik also?
Auf jeden Fall frischer und lebendiger.

Inwiefern?
Mein Debüt-Album war nachdenklicher, schwermütiger. Ich hatte mit mir selbst noch einige Kämpfe auszutragen.

Was war die Ursache für diesen positiven Stimmungswandel?
Ich habe gelernt, mit gewissen Dingen besser umzugehen, bin entspannter geworden und sage mir nicht selten "shit happens".

Und das spiegelt sich in Ihrer neuen CD?
Eigentlich spielt in allen Liedern das Thema "Beziehung" eine Rolle. Ich beobachte sehr viel und beschreibe die vielen kleinen Wunder in dieser Welt.

Sie sind mit einem Kanadier verheiratet. Spielt er in Ihren Songs auch eine Rolle?
Natürlich. Warum auch nicht? Es gibt viele glückliche Momente, aber auch Momente, die zum Nachdenken Anlass geben. Und davon handeln auch einige Lieder.

Und das gefällt Ihrem Mann?
Nicht immer. Aber das ist mir auch egal. Die Freiheit nehme ich mir einfach.

Gibt es musikalische Vorbilder?
Mit Vorbildern bin ich immer sehr vorsichtig. Ich mag Tori Amos. Habe oft Alanis Morissette und Elliott Smith gehört. Das liegt auch an meinem Bruder, der ein paar Jahre älter ist als ich.

An Ihrer neuen Platte "To the other side" haben Sie vier Jahre gearbeitet. Wie lange müssen wir auf die nächste warten?
Es gibt schon Titel für das nächste Album, das im Herbst 2012 erscheinen soll. Ich habe viele Ideen, die ich umsetzen möchte. Zwischen der ersten und zweiten CD ist eine lange Zeit vergangen, zu lange. Man entfernt sich in dieser Zeit von seiner eigenen Geschichte.

Montag haben Sie in den "Fliegenden Bauten" in Hamburg gespielt. Sonntag geht es in die Nähe ihrer alten Heimat, nach Leck. Möchten Sie nicht lieber vor einer größeren Kulisse spielen?
Natürlich, aber eine Arena kommt für mich nicht in Frage. Ich gucke den Menschen gern in die Augen und möchte schauen, wer kommt.
Konzerte: 15. Mai, 19.30 Uhr: Leck, Leck Huus; 19. Mai, 20 Uhr: Kiel, Prinz Willy

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