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Foto-Irrtum : Historisches Bild zum Kieler Matrosenaufstand zeigt eigentlich Berlin

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Seit fast 100 Jahren wurde mit dem Foto der Kieler Matrosenaufstand von 1918 bebildert. Nun stellt sich heraus: Das Foto ist auf einem Demonstrationszug in Berlin entstanden.

Kiel | Historischer Irrtum: Das bekannteste Foto, mit dem seit fast 100 Jahren der Kieler Matrosenaufstand von 1918 illustriert wurde, ist in Wirklichkeit in Berlin entstanden. Die Aufnahme dokumentiere keinesfalls die revolutionären Ereignisse an der Förde, sondern einen Demonstrationszug, der damals in Berlin von Tempelhof nach Friedrichshain führte, teilte das Kieler Stadtarchiv am Mittwoch mit.

Der Kieler Matrosenaufstand fand am Abend des 4. November 1918 statt, nachdem es zu einer Meuterei auf einzelnen Schiffen der vor Wilhelmshafen ankernden Flotte kam. Einzelne Matrosen weigerten sich damals, zu einer Entscheidungsschlacht gegen die britische Marine auszulaufen. Die Matrosen wurden in Kiel inhaftiert und mobilisierten dort die Arbeiterschaft, die in großer Zahl an deren Seite trat. In der Folge kam es dort zu einem allgemeinen Aufstand, der schließlich den Impuls zur reichsweiten Novemberrevolution und damit schließlich zur Errichtung der Weimarer Republik gab.

Das Bundesbildarchiv habe die Originalvorlage gefunden, sagte der Leiter des Stadtarchivs, Johannes Rosenplänter. Das Foto trage den Titel „Der Trauerzug passiert das Hallesche Tor“. An der Gedenkdemonstration für acht Tote nahmen schätzungsweise 100.000 Menschen teil. Darunter war auch eine Sonderkompanie von Matrosen, die höchstwahrscheinlich auf dem Bild im Vordergrund zu sehen ist.

Dass dieses Foto in vielen Veröffentlichungen dem Kieler Matrosenaufstand zugeordnet wurde, geht vermutlich auf eine Broschüre zurück, die ein Journalist 1918 herausgebracht hatte. Das Bild steht dort unmittelbar über der Kapitelüberschrift „Die Revolution in Kiel“. Damit sei suggeriert worden, das Foto beziehe sich auf Kiel, sagte Stadtarchivar Rosenplänter. Zahlreiche spätere Publikationen folgten dem. Vor dem 100. Jahrestag des Matrosenaufstandes, will das Stadtarchiv nun weitere Bilddokumente genauer untersuchen. „Wir lernen daraus, dass wir mit Bildquellen immer kritisch umgehen müssen“, sagte Rosenplänter.

Ein Nutzer des Stadtarchivs hatte dessen Mitarbeiter Ende vorigen Jahres nach eigenen Recherchen auf den richtigen Weg zum Original geführt. Über die abgebildeten Personen gab es lange Spekulationen. So wollten einige Zeitzeugen führende Kieler Revolutionäre, den SPD-Politiker Gustav Noske oder auch eigene Familienmitglieder erkannt haben. All dies wurde nun vom Originalfoto widerlegt.

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erstellt am 18.Feb.2015 | 14:04 Uhr

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