Adele in Hamburg : Herzensgute Stimmgewalt

Tiefe Emotion: Adele Adkins legt viel Gefühl in ihre Stimme und begeistert so ihr Publikum. Foto: dpa
Tiefe Emotion: Adele Adkins legt viel Gefühl in ihre Stimme und begeistert so ihr Publikum. Foto: dpa

Die britische Sängerin Adele verzaubert das Publikum beim Tourauftakt in Hamburg allein mit Charme und ihrem unverwechselbaren Gesang.

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28. März 2011, 10:38 Uhr

Hamburg | Adele Adkins ist der Typ Mensch, mit dem man gerne in eine Kneipe gehen würde, um ein Bier zu trinken. Die Britin wirkt einfach supersympathisch, herzensgut, total normal. Artig bedankt sie sich bei ihrem Auftritt im ausverkauften Hamburger Docks dafür, dass es ihre CD "21" auf Platz eins der deutschen Albumcharts geschafft hat. Dafür revanchiert sie sich mit einem großartigen Konzert. Exaltierte Gesten und großes Gehabe findet man bei ihr nicht. Vom ersten Ton an ziehen ihre Songdramen das Publikum in ihren Bann. Balladen wie "Turning Tables" singt die 22-Jährige so wehmütig, dass es einem das Herz zerreißt. Ihre XL-Stimme ist eine Naturgewalt. Darum braucht sie keine dicken Soundwände für ihre ergreifenden Texte. Ob sie sich nur von ihrem Pianisten begleiten lässt oder bei "Dont you remember" selber zur akustischen Gitarre greift, die Magie ihrer Musik verzaubert jeden.
In ihrem schwarzen Kleid gibt Adele einen wahrhaften Popstar ab. Ihr Cockney-Akzent macht allerdings den damenhaften Eindruck rasch wieder zunichte. Dafür versteht sie es, ihre Fans mit einer Anekdote an der richtigen Stelle zu unterhalten. Ihr lautes Lachen ist so ansteckend - man kann gar nicht anders als zurückzulächeln. Bis sie einem mit einem schmerzvollen Titel wieder die Tränen in die Augen treibt.
Aktuelle Single kam als Zugabe
Ohne Zweifel hat sie ein feines Näschen für Pop, Soul, Blues und Gospel. Punktgenau streut sie die etwas schnellere Nummer "Rumor has it" in ihr größtenteils recht ruhiges Repertoire ein. Ihren Hit "Chasing Pavements" schmachtet sie leidenschaftlich-pathetisch. Mit ganzer Seele. Ihre aktuelle Single "Rolling in the Deep" hat sich Adele für die Zugabe aufgespart. Eifrig animiert sie die Zuschauer zum Mitsingen. "We could have had it all", ertönt es kollektiv.
Weil der Rhythmus jetzt etwas flinker wird, tanzen einige nach Lust und Laune mit. Das macht Spaß. Und man geht mit dem Eindruck nach Hause, dass die Londonerin auf der Bühne keineswegs bloß ein Kind von Traurigkeit ist. Wie sie den Spagat zwischen Melancholie und Fröhlichkeit meistert - schon das ist ein Kunststück.
Mit ihrer Natürlichkeit, vor allem aber mit ihrem außerordentlichen Talent, ist Adele schon weit gekommen. Gewiss wird sie noch weiter kommen. Deswegen war dieses Konzert wohl die letzte Chance, sie in einem kleineren Rahmen zu erleben. Gut möglich, dass sie in Zukunft die Clubs gegen riesige Arenen tauschen wird. Jetzt aber hat sie ihren Fans einen Abend von unglaublicher Schönheit geschenkt, der unvergessen bleibt.

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