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Landesamt für Denkmalpflege : Herr Huber auf der Suche nach Kultur in Bredstedt

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

In ganz Schleswig-Holstein erfassen Experten des Landesamtes für Denkmalpflege das bauliche Erbe neu. Auch bei einem Rundgang durch Bredstedt.

Bredstedt | An die Verwechslung hat Peter Huber sich gewöhnt. „Habe ich was falsch gemacht? Notieren Sie gerade mein Kennzeichen?“, fragt eine ältere Frau besorgt den Mann in blauem Mantel mit der Kompaktkamera vor dem Gesicht. „Na, na, keine Sorge“, sagt er mit bairischen Dialekt. Also ein Tourist? Aber Touristen haben üblicherweise keine Aktenordner unter die Arme geklemmt. Und schon gar keine, die so voll mit Dokumenten sind, dass sich ihre Deckel biegen.

Peter Huber ist Sammler. Er sammelt Kulturdenkmäler im Auftrag des Landesamtes für Denkmalpflege. Dafür ist er extra von Kiel nach Bredstedt (Kreis Nordfriesland) gefahren, wo er am Marktplatz Gebäude begutachtet. Eine „Bereisung“ nennt der 34-Jährige das in der etwas altertümlich wirkenden Sprache des Amtes. Wenn man es genau nimmt, ist Hubers Reise noch viel weiter. Denn zuvor hatte er in Bayern Denkmäler kategorisiert. Nachdem dort alle Baukultur erfasst war, wechselte Huber von München nach Schleswig-Holstein um die Stelle im Projekt „Schnellerfassung und Revision“ anzunehmen.

Acht Experten – Architekten, Kulturhistoriker – sind für dieses Projekt gegenwärtig auf der Suche nach dem, was es zu bewahren gilt in Schleswig-Holstein. Huber ist einer von ihnen. Seit April 2014 hat die Koalition die flächendeckende Bestandsaufnahme der schützenswerten Baukultur in Auftrag gegeben. Laut Landesamt ist das die erste umfassende Überprüfung seit über 30 Jahren. Schätzungsweise 15.000 Exemplare wird die neue Liste umfassen – eine Mamutaufgabe.

Doch für Peter Huber ist die Landespolitik gerade weit weg. Der Wind pfeift eisig durch seinen Aktenordner, während der Architekt den Reiter „Süderstraße“ sucht. Dort steht nämlich die alte aber sanierte Tabakfabrik, vor der er sich gerade befindet. „Der Dachstuhl des Fabrikantenhauses ist noch unausgebaut und das Dach hat noch die alten Dachpfannen“, sagt er mit einem Stift nach oben zeigend. Die Fenster sind nach historischem Vorbild nach außen zu öffnen, haben aber schon Isolierglas. Schließlich wurde das Haus 1993 restauriert. „Das Türblatt sieht trotzdem so aus, als könnte es noch von 1911 sein.“ All das notiert der Wahl-Kieler in seinem Aktenordner. Dort ist das Gebäude als einfaches Denkmal kategorisiert.

Mit der Novellierung des Denkmalschutzgesetzes im vergangen Jahr gibt es keine Unterscheidung mehr zwischen einfachen Denkmälern und Denkmälern von besonderer Bedeutung. Ob die Tabakfabrik unter den neuen, einheitlichen Denkmalbegriff fällt, will Peter Huber noch nicht sagen: „Das entscheiden wir daheim.“ Daheim heißt im Amt und im Zweifel im Team. Einen dicken Stapel an Literatur hat der Fachreferent in seinem Büro für die historische Recherche zur Verfügung. Entscheidend ist neben dem Zustand der Bausubstanz und vorgenommenen Umbauten auch der historische Kontext. Die Tabakfabrik gehörte zeitweise zu den größten Arbeitgebern in Bredstedt und war für die Stadtgeschichte nicht unbedeutend.

Peter Huber zieht weiter mit seinem Aktenordner. Nicht jedes Datenblatt muss er aktualisieren. Einige muss der Fachreferent auch streichen, weil die Besitzer ihre Denkmäler abgerissen haben, ohne es zu melden. Mit dem neuen Gesetz wird das nicht mehr möglich sein. Das Gesetz der Küsten-Koalition war aus diesem Grund nicht unumstritten. Hauseigentümer befürchteten, dass die Nutzung ihres Gebäudes durch den einheitlichen Denkmalbegriff erschwert werden könnte. Anders als bei einfachen Denkmälern sind bauliche Veränderungen nur noch in Absprache mit der Denkmalschutzbehörde möglich. Seine Arbeit fasst der Architekt deshalb auch als Öffentlichkeitsarbeit auf. Denkmalschutz sei mit vielen Vorurteilen behaftet.

Die Bedenken kann Huber nicht nachvollziehen. Es sei nicht so, als würde das Landesamt eine Käseglocke über die Gebäude stülpen, sagt er. „Man muss nicht leben wie im Mittelalter. Aber eine Photovoltaik-Anlage auf einem historisch wertvollen Gebäude am Bredstedter Markt muss auch nicht sein.“

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erstellt am 06.Mär.2015 | 14:33 Uhr

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