Rechtschreibung : Herr Duden und das Internet

Wie gut, dass Konrad Duden das Internet nicht mehr kennenlernen musste. Dort entwickelt sich die Rechtschreibung wieder in Richtung des Jahres 1880 zurück.

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07. Mai 2011, 09:53 Uhr

Konrad Duden war ein weiser Mann mit weißem Bart. Er setzte sich im 19. Jahrhundert dafür ein, dass alle Deutschen nach den gleichen Regeln schreiben sollten. Man kann nur ahnen, wie der arme Gymnasiallehrer Duden, einen Haufen Diktate vor sich, fluchend an seinem Schreibtisch saß, weil jeder Schüler so schrieb, wie es ihm nach dem Klang der Wörter richtig schien. Selbst das wichtige Lehrer-Wort "Korrigieren" hatte keine feste Schreibweise, Korrigiren oder sogar Korigiren waren gängige Varianten. Während Duden also korigirte, arbeitete er gleichzeitig an seinem ersten deutschen Wörterbuch, dem Ur-Duden, der 1880 erschien.

Damals konnte unser Herr Duden noch nicht ahnen, dass gute 130 Jahre später fast jeder Deutsche seinen Namen mit der Farbe Gelb in Verbindung bringen würde. Der Duden ist ein Standardwerk zur Rechtschreibung geworden, in Bedeutung wie im Umfang über die Jahre erheblich gewachsen. Fast in jedem deutschen Haushalt steht der gelb gewandete Pfundsband, dessen Umfang von 187 Seiten im Jahr 1880 auf die heutigen 1200 Seiten angewachsen ist. Drei Rechtschreibreformen haben ihr Übriges dazu beigetragen, dass der Duden ein Bestseller geworden ist.
Von A wie "Artzt" bis Z wie "Zeugniss"
Aber auch ein orthografisches Standardwerk stößt irgendwann an seine Grenzen. Wie gut, dass Konrad Duden das Internet nicht mehr kennenlernen musste. Dort entwickelt sich die Rechtschreibung wieder in Richtung des Jahres 1880 zurück. Unzählige falsche Schreibweisen haben sich im World Wide Web eingenistet, bei Google findet sich von A wie "Artzt" (304.000 Treffer) bis Z wie "Zeugniss" (1.690.000 Treffer) so mancher Blödsinn.

Das soll sich jetzt ändern, denn seit ein paar Tagen kann man den Duden im Internet nutzen - sogar kostenlos. Dass der Verlag das gesammelte Wissen seines Gründervaters verschenkt, hat paradoxerweise wirtschaftliche Gründe. Man wolle auch online die Nummer eins in Sachen deutscher Sprache werden - und über die Internet-Seite all die anderen Duden-Produkte vermarkten und verkaufen. Vor allem aber, so meinen die Verlagsverantwortlichen, sei der gedruckte, Pfund schwere Duden nach wie vor ein beliebtes Geschenk. Das werden Hunderttausende Schüler - heute wie vor 130 Jahren - gewiss anders sehen.
(mas, shz)

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