Buddenbrookhaus Lübeck : Heinrich und Thomas Mann im „Bruderkrieg“

Sie trugen ihren Streit in die Öffentlichkeit: Der Zwist zwischen den Brüdern Heinrich und Thomas Mann ist Gegenstand der Ausstellung „Bruderkrieg. Heinrich und Thomas Mann im Ersten Weltkrieg“ im Buddenbrookhaus in Lübeck.

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20. März 2014, 13:43 Uhr

Lübeck | Sie waren Brüder, beide Schriftsteller, beide berühmt - doch ansonsten hatten sie wenig gemeinsam: Heinrich und Thomas Mann. Unter dem Titel „Bruderkrieg. Heinrich und Thomas Mann im Ersten Weltkrieg“ widmet das Lübecker Buddenbrookhaus den beiden eine Ausstellung. Sie zeigt handschriftliche Briefe, Publikationen und Erstausgaben, die den Streit zum Kriegsbeginn 1914 und die spätere Versöhnung der Brüder dokumentieren. Die Brüder verlagerten ihren Streit vom Privaten in die Öffentlichkeit. Am Freitag um 19 Uhr wird die Ausstellung eröffnet, sie läuft bis zum 30. August.

Am 1. August 1914 trat das Deutsche Reich offiziell in den Krieg ein. Aus gesundheitlichen Gründen blieb Heinrich und Thomas Mann der Kriegsdienst erspart. Mit Ausbruch des Ersten Weltkrieges entzweiten sich die Brüder aufgrund ihrer gegensätzlichen politischen Positionen - Heinrich war ein Kritiker des Kaiserreichs, während Thomas die Macht des Deutschen Kaiserreichs unterstützte - und wechselten für mehrere Jahre kein Wort miteinander.

Der ältere Heinrich Mann - hier mit Schauspieler Kurt Stieler als Napoleon in Manns Schauspiel „Der Weg zur Macht“ (1920) - stand stets im Schatten seines jüngeren Bruders Thomas. Doch auch er verfasste bedeutende Werke.

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Im Exil schrieb er die Romane „Die Jugend des Königs Henri Quatre“ und „Die Vollendung des Königs Henri Quatre“, die heute gemeinsam als ein bedeutendes Werk Heinrich Manns gelten.

„Professor Unrat“ entstand in einigen Monaten des Jahres 1904 und erschien ein Jahr später. Der Roman spielt in Manns Heimatstadt Lübeck, wo die Geschichte des Gymnasialprofessors Immanuel Rath, der der Tänzerin verfällt, nicht gern gesehen wurde. Eines der wichtigsten Werke Manns wurde hier mehr oder minder gemieden. Durch die Verfilmung „Der blaue Engel“ von Josef von Sternberg mit Marlene Dietrich als Tänzerin Lola-Lola wurde das Werk schließlich berühmt.

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Wie sein älterer Bruder war auch Thomas Mann mehrere Jahre im Exil in den USA. Dieses Foto entstand im Jahre 1947.

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Und auch Thomas Mann machte seine Heimatstadt Lübeck zum Zentrum eines seiner berühmtesten Werke: Die Buddenbrooks (1901) gilt heute als der erste Gesellschaftsroman in deutscher Sprache von Weltgeltung. Das Werk über den Niedergang einer wohlhabenden Kaufmannsfamilie wurde bis heute mehrfach verfilmt - zuletzt im Jahre 2008 mit Armin Müller-Stahl und Iris Berben.

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Als Vorlage der Handlung diente Thomas Manns eigene Familiengeschichte. Der Name der Stadt Lübeck wird zwar nie erwähnt, doch viele Nebenfiguren sind literarische Porträts von Lübecker Persönlichkeiten jener Zeit.

Die Ausstellung im Lübecker Buddenbrookhaus zeigt, wie die Brüder ihre Kommunikation vom Privaten ins Öffentliche verlagerten: Im Gedenkjahr 2014, in dem sich der Kriegsausbruch zum 100. Mal jährt, folgt die Ausstellung den Brüdern durch die Schicksalsjahre der Weltgeschichte. Sie beleuchtet die Positionen des frankophilen Kaiserreichskritikers Heinrich ebenso wie die des jüngeren Bruders Thomas, der leidenschaftlich den Machtanspruch des Deutschen Kaiserreichs verteidigte.

Zur Ausstellungseröffnung am Freitag, 21. März, um 19 Uhr gibt die Kuratorin Käte Richter eine Einführung in die Thematik, die Schauspieler Will Workman und Thomas Schreyer vom Theater Lübeck spielen Heinrich und Thomas Mann in einer szenischen Lesung. Ein Empfang sowie ein Rundgang durch die Ausstellung schließen sich an. Weitere Informationen zur Ausstellung sowie zu Terminen und Eintrittspreisen gibt es hier.

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