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Kultur

11. Dezember 2017 | 03:56 Uhr

Hart wie Heino

vom

shz.de von
erstellt am 10.Aug.2013 | 05:59 Uhr

Von Martin Schulte |

Auch beim Heavy Metal ist das Bierglas manchmal nur noch halb voll - also so gut wie leer. Dann legt sich düster ein schwarzer Gedanke auf die Seele und eine lange verdrängte Frage nagt am Gemüt: Ist das noch Wacken?

Schon seit einigen Jahren nörgeln Altfans an Neufans herum, dass sie mehr am Phänomen der tollen Metal-Tage interessiert seien als an der Musik. Und ausgerechnet in diesem Jahr wurde dieser vermeintliche Abstieg zum Eventfestival symbolhaft unterfüttert mit dem traurigen Abgang eines Metal-Gottes: Lemmy Kilmister, Sänger und unumstrittener Chef von Motörhead, musste nach fünf Liedern von der Bühne schleichen. Die Kraft reichte nicht mehr, die Luft war raus.

Pessimisten sehen darin ein Zeichen für den Untergang des Metal; zumal am Vortag jemand auf der Bühne stand, der da eigentlich gar nichts verloren hatte. Heino sang mit rotem Mantel und hellem Haar von der Sonne - er machte gewissermaßen das, was er immer tut, nur dass diesmal niemand dazu schunkelte. Heino blieb sogar noch kürzer als Lemmy, nur für ein Lied; es musste sich deshalb aber niemand sorgen, mehr war einfach nicht geplant.

Lemmy und Heino, das sind also die Namen, die für das Wackenfestival in diesem Jahr stehen und, seien wir ehrlich, dieses Pärchen passt so gut zusammen wie: Bier und Limonade, Motorrad und Mofa, Mett und Marmelade.

Wie gut, dass sonst alles wie immer war, zumindest fast alles, nun ja, man darf es eigentlich nicht laut sagen: Wacken war so leise wie nie. Bitte? WACKEN WAR SO LEISE WIE NIE! Nicht ein einziges Mal wurde der zulässige Grenzwert überschritten, weniger als 70 Dezibel, jeder Trachtentanz im Festzelt ist lauter. Womit der Bogen zum Eingangsrefrain dieses Klageliedes geschlagen ist: Ist das noch Wacken?

Zumindest für die 75 000 Metal- oder Heino-Fans, die sich in der vergangenen Woche bereits ihr Ticket für das kommende Jahr gesichert haben. Nach nur 43 Stunden war Wacken 2014 komplett ausverkauft. Das Bierglas ist also mehr als halb voll, es ist - wie es sich beim Metal gehört - sogar schon übergelaufen.

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