Bauskandal : Hamburgs Stolz im Schuldenturm

Was am Anfang des Jahrtausends in Hamburg wie ein Märchen begann, ist heute ein politisches Trauerspiel.

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05. Februar 2011, 09:23 Uhr

Es war einmal vor gar nicht vielen Jahren ein Bürgermeister, der hatte eine schöne Stadt mit prächtigen Häusern. Er lebte wie ein König und dennoch war er nicht zufrieden. Ein Gebäude noch fehlte ihm, ein klingendes Wasserschloss, das schönste Töne und vollendete Form auf solch zauberhafte Art vereine, dass es den Geist und die Sinne der Bürger be flügeln und den ruhmreichen Namen der Hansestadt in die ganze Welt hinaustragen möge...

Was am Anfang des Jahrtausends in Hamburg wie ein Märchen begann, ist heute ein politisches Trauerspiel. Weithin sichtbar wächst in der Hafen-City die ewige Baustelle Elbphilharmonie in den grauen Hamburger Himmel. Ein Fanal, von dem sich heute viele Bürger der Hansestadt empört abwenden. Das Konzerthaus, das nach mehreren Terminverschiebungen nun im Jahr 2013 eröffnet werden soll, wird nach neuesten Rechnungen mittlerweile fünf Mal so teuer werden wie ursprünglich angenommen. Ein gigantischer Schuldenturm, der die gesamte Innenstadt überragt. Der Anteil der Steuerzahler an den Baukosten wuchs parallel zur Gebäudehöhe von 77 Millionen Euro (2005) über 115 Millionen (2006) auf unglaubliche 323 Millionen Euro (2008) an. Gestern wurden noch einmal gut 30 Millionen Euro nachgelegt. Das vermeintliche "Jahrhundertbauwerk" wird damit zu einer in Stein gemauerten Provokation für die etablierten Kultureinrichtungen der Stadt, die aufgrund der miserablen Haushaltslage zum Sparen gezwungen werden.

Und wie geht das Märchen vom stolzen Bürgermeister zu Ende? Der sprach im vergangenen Jahr beim gezwungen feierlichen Richtfest von der "Seele Hamburgs", die man von dem Bauwerk aus sehen könne - dann machte er sich schnell vom Acker. Seitdem treibt die Geschichte vom Schloss der schönen Klänge ihrem schauerlichen Schluss entgegen. Zurück bleibt ein weltweit beachteter Bauskandal - und die geschundene Seele der armen Stadt Hamburg.

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