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„Vonne Endlichkait“ : Günter Grass: Letztes Buch erscheint im Sommer

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Der Schriftsteller wollte im Juni selbst aus „Vonne Endlichkait“ lesen – am Montag starb er im Alter von 87 Jahren.

shz.de von
erstellt am 13.Apr.2015 | 18:28 Uhr

Göttingen | Das letzte literarische Werk von Günter Grass kommt im Sommer auf den Markt. Der Literatur-Nobelpreisträger habe bis wenige Tage vor seinem Tod an dem Buch gearbeitet, sagte sein Verleger Gerhard Steidl am Montag in Göttingen.

Grass starb im Alter von 87 Jahren am Montag in Lübeck. Er galt als einer der weltweit bedeutendsten deutschen Autoren der Gegenwart. Lebenslang schaltete er sich leidenschaftlich in gesellschaftspolitische Debatten ein. Gleich sein erster, 1959 erschienener Roman „Die Blechtrommel“ wurde ein Welterfolg. 40 Jahre später wurde Grass für sein Gesamtwerk mit dem Literaturnobelpreis geehrt.

„Wir haben das Buch in der letzten Woche buchstäblich fertig gemacht, es ist druckreif. Wir hätten jetzt an Feinarbeit gebastelt“, sagte Steidl. Bei dem Werk mit dem Titel „Vonne Endlichkait“ handele sich um ein literarisches Experiment. Darin habe Grass erstmals Prosa und Lyrik miteinander verschmolzen.

Ursprünglich habe der Schriftsteller selbst am 12. Juni zur geplanten Eröffnung des neuen Grass-Archivs in Göttingen erstmals aus dem Buch lesen wollen, sagte Steidl. Dies werde jetzt jemand anderes übernehmen.

In dem inzwischen weitestgehend fertiggestellten Gebäude für das öffentlich zugängliche Archiv in der Göttinger Innenstadt sollen das literarische und das grafische Werk des Nobelpreisträgers dokumentiert werden. Grass habe dafür unter anderem Hunderte von Zeichnungen zur Verfügung gestellt, sagte Steidl.

Außerdem gebe es aus 30 Jahren Zusammenarbeit mit Grass eine Fülle von Material, sagte Steidl. Es werde derzeit noch in Dutzenden von Containern aufbewahrt. Die Unterlagen, die künftig im Archiv aufbewahrt werden sollen, böten Wissenschaftlern Arbeit für Jahrzehnte, sagte der Verleger.

Steidl charakterisierte Grass als „leidenschaftlichen Büchermacher“, dem das Malen und Zeichnen ebenso wichtig gewesen sei wie das Schreiben. Er sei fordernd, aber nicht anstrengend gewesen. Er habe nicht nur Manuskripte abgeliefert, sondern sich auch für die Gestaltung der Bücher verantwortlich gefühlt, sagte Steidl. Grass habe auch an Traditionen festgehalten: „Wann immer wir einen Arbeitstag beendet haben, es wurde zum Schluss ein Schnaps getrunken.“

Das Medienarchiv Günter Grass Stiftung Bremen verwies am Montag auf die große Zahl der dort archivierten Bild- und Tondokumente. Sie legten ein eindrucksvolles Zeugnis der Vielfalt des Schaffens von Günter Grass ab, heißt es in einer Mitteilung. Das zentrale Anliegen der Günter Grass Stiftung sei es, Leben und Schaffen des Verstorbenen zu dokumentieren und dauerhaft zu bewahren.

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