Architektenentwürfe : Große Pläne für Schloss Gottorf

Eine Idee von vielen: Die Architekten des Züricher Büros Holzer/Kobler haben einen Anbau für den Ostteil des historischen Schlosses geplant.  Foto: repro: michael staudt
Eine Idee von vielen: Die Architekten des Züricher Büros Holzer/Kobler haben einen Anbau für den Ostteil des historischen Schlosses geplant. Foto: repro: michael staudt

Schloss Gottorf soll neu geplant werden. Das Museum präsentiert die Architektenentwürfe - auch ein umstrittener Anbau hat es in die Auswahl geschafft.

shz.de von
21. Juni 2013, 03:36 Uhr

schleswig | Wo bin ich - und wo ist die Toilette? Auch in großen Museen sind es mitunter die kleinen Fragen, die den Besucher umtreiben. Besonders im Landesmuseum auf Schloss Gottorf lässt sich diese existenzielle Frage offensichtlich nur schwer beantworten, eine umfangreiche Besucherbefragung hat erhebliche Mängel in den Bereichen Orientierung und Besucherfreundlichkeit offenbart. "Unsere Gäste sind mit der Servicequalität nicht zufrieden", verriet am Mittwoch Claus von Carnap-Bornheim, leitender Direktor der Stiftung.
Einer der Gründe, warum die Gottorfer Macher einen internationalen Ideenwettbewerb ins Leben gerufen haben, um Schloss Gottorf zukunftsfähig zu machen - äußerlich, in der Architektur und innerlich, durch die Neugestaltung der Dauerausstellung. Neun Architektur- und Planungsbüros aus fünf europäischen Ländern waren am Ende des Wettbewerbs noch dabei und präsentierten ihre Entwürfe einer Jury, die schließlich drei Siegerentwürfe aussuchte.

Moderner Anbau für historisches Schloss?

Was so einfach klingt, war das Ergebnis ausführlicher Diskussionen. Das wurde Am Mittwoch während der Präsentation der Siegerentwürfe in den Räumen der Galerie des 19. Jahrhunderts deutlich. Der Kieler Architekt Björn Bergfeld, der die Entwürfe als ständiger Vertreter des Preisgerichts erklärte, deutete mehr als einmal die unterschiedlichen Sichtweisen von Architekten und den Wissenschaftlern des Museums an, beide Seiten mussten Zugeständnisse machen.
Der wohl radikalste Vorschlag etwa, der Anbau eines zusätzlichen modernen Gebäudeteils am Ostflügel des Schlosses, sei sehr kontrovers diskutiert worden, sagte Bergfeld. Die Entwürfe des Züricher Büros Holzer/Kobler fanden zunächst keine Mehrheit und wurden erst nach langer Diskussion in den Wettbewerb zurückgeholt. "Wir Architekten haben uns bemüht, den Entwurf hässlich zu finden", sagte Bergfeld. Die Museumsmannschaft hingegen scheint den Gedanken, dem historischen Gebäude ein individuelles architektonisches Ausrufezeichen zu verpassen, nicht uninteressant zu finden. "Wir wären nie selbst auf diese Idee gekommen, das hätten wir uns gar nicht getraut", sagte Carnap-Bornheim und grinste dabei wie ein Junge, der gerade etwas Verbotenes getan hat. Ob dieser Anbau wirklich kommt und wie er dann tatsächlich aussehen würde, konnte niemand sagen.

Ideensammlung

Die Entwürfe sind zunächst einmal eine reine Ideensammlung, die Gewinnerbüros werden mit jeweils 8800 Euro und reichlich öffentlichem Lob für ihre Arbeit entlohnt. "Wir werden jetzt mit den Gewinnern weitere Gespräche führen, um spezifischer planen zu können", sagte Carnap-Bornheim. Denn noch, das wurde ebenfalls deutlich, ist die große Gottorfer Lösung weit entfernt. Aber einige Vorschläge klangen in der Tat interessant: Das Glasgower Büro Gareth Hoskins etwa hatte gemeinsam mit Ralph Appelbaum Associates gleich die gesamte Schlossinsel überplant, mit Verlagerung eines Teils der Archäologischen Sammlung in den Kreuzstall und der Öffnung des Treppenhauses im Gottorfer Turm - der letztgenannte Vorschlag eint übrigens alle drei Siegerentwürfe.
Die Architekten von hg merz aus Stuttgart plädieren für eine klare räumliche Trennung der einzelnen Ausstellungsbereiche, um so die individuellen Profile zu schärfen. Außerdem wollen die Stuttgarter die gesamte Schlossinsel von Parkplätzen befreien und die großen Flächen für museumsspezifische Projekte nutzen. Und Holzer/Kobler haben neben dem modernen Anbau noch einen großen Empfangsbereich für die Besucher zwischen Ostflügel und Innenhof geplant. Viele Ideen, aber noch keine große Linie. Diese wird mit einem Pflichtenheft folgen, dass in der nächsten Zeit erstellt wird und in dem die einzelnen Fachbereiche und Wissenschaftler ihre Wünsche und Vorstellungen artikulieren können. Im Herbst 2014 schließlich soll dann der sogenannte Masterplan für den großen Umbau auf Schloss Gottorf stehen; dann geht es ums Geld, dann ist die Landesregierung um Ministerpräsident Torsten Albig, der die Ausstellung eröffnete, am Zug.
Bis dahin bleibt noch einige Zeit, um weitere Ideen zu sammeln, auch von den Besuchern. In der Ausstellung mit den Entwürfen kann jeder einem Computer seine eigenen architektonischen Vorstellungen mitteilen - ob nun vom großen Museums-Ganzen oder einfach nur vom idealen Standort für die Toiletten.

Die Entwürfe werden bis zum 4. August in der Galerie des 19. Jahrhunderts präsentiert.

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