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Twitter : Gezwitscherte Lyrik

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Micro-Blogging wird jetzt lyrisch. In einem Sammel-Band will ein Norderstedter Verlag Twitter-Poesie in Buchform veröffentlichen - zwischen Haiku und simplem Poesiealbenreim.

Habe grade Hühnersuppe gegessen. Nur noch fünf Tage im zweitschönsten Bundesland. Ich habe Mickie gesehen!! - Die Statuszeilen in Sozialen Netzwerken wie StudiVZ und Facebook oder dem Micro-Blogging-Portal Twitter sind kurz und knapp, aber selten lyrisch. Auf 140 Zeichen beschränkt schicken Internetuser in sogenannten Tweets ihren Gemütszustand in die ganze Welt.
Jetzt soll ein Buch entstehen - nur aus Tweets, die über das Internetportal Twitter-Lyrik gelaufen sind. Die Idee dazu entstand im Norderstedter Verlag "Books on Demand" (BOD). "Twitter ist ja gerade in aller Munde - also warum sollte man nicht auch Lyrik verschicken?", sagt Friederike Künzel von BOD. Gemeinsam mit dem Internet-Literatur-Café startete der Norderstedter Verlang einen Wettbewerb.
Mehr als 50 Einsendungen
Noch bis zum 21. März, dem offiziellen "Welttag der Poesie", haben Dichter Zeit, ihre 140-Zeichen-Lyrik über das Portal zu schicken. "Die schönsten Tweets werden dann herausgesucht", erklärt Friederike Künzel. Sie sollen dann im Twitter-Lyrik-Band erscheinen. Außer der Knappheit gibt es keine Beschränkungen. "Das Gedicht sollte aber in sich stimmig sein und einen gewissen Rhythmus haben", sagt Künzel.
Mehr als 50 Dichter haben sich bisher beteiligt. Die meisten bisher eingezwitscherten 140-Zeicher kann man irgendwo zwischen Haiku und simplem Poesiealbenreim einordnen. Mal nachdenklich-philosophisch teils kryptisch, mal gehetzt, nur schnelle Eindrücke verarbeitend und oft auch selbstbezüglich.
"Zwischen Mail und Sms"
"Schläft ein TWEET in allen Dingen/ zwischen Mail und Sms/ wird ER wach, dann wird er bringen/ den modernen Twitter-Stress. #tweedicht", schreibt "detlefteich" in seinem kleinen autologischen "Tweedicht".
"140 Zeichen./Im Dienste von Parteien, Verbänden oder eines Unternehmens.//Unschuld im Web sucht man vergebens./Und immer sind´s 140 Zeichen.", kritisiert der User "60_Jahre_BRD" den kommerziellen oder ideologischen Gebrauch des neuen Mediums.
"Unsre Dichter hams nicht leicht./Oft schon weil der Raum nicht reicht./Sie mühn sich um den besten Satz./Und ist er da, dann fehlt der Pl", bricht King_Haggard sein Tweet platzbedingt ab.
Gerade weil die Twitter-Lyrik noch neu ist, kann man noch spielen: "Es ist so spannend, weil es eine ganz neue Form des Gedichts ist", sagt Friederike Künzel. Der Reiz sei es jetzt, dieses neue Medium mit dem klassischen Medium Buch in Verbindung zu setzen. Wie genau die Tweets in dem Buch aussehen werden - und vor allem, wie viele ausgewählt werden - stehe noch nicht fest. Eventuell werden die 140-Zeichen-Poesie mit kleinen Grafiken illustriert. Das Buch wird vorraussichtlich im Sommer erscheinen.


Twitter
Das Internetportal Twitter (englisch für "Zwitschern") erobert gerade den deutschen Markt, nachdem es im englischsprachigen Raum schon als "Telegraphensystem des Web 2.0" gilt. Als beispielsweise am 15. Januar ein Flugzeug in den New Yorker Hudson River stürzte, war ein Twitterer der erste, der berichtete. ("Da ist ein Flugzeug im Hudson River. Bin auf der Fähre, die versucht, die Leute aufzusammeln. Verrückt.")
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erstellt am 26.Feb.2009 | 02:50 Uhr

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