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Gemüse und Gesang

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In einem Teil der Hamburger Großmarkthallen entsteht ab September ein Musical-Theater

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erstellt am 31.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Hamburg | Es dürfte das ungewöhnlichste Theater in Deutschland werden: Die Düsseldorfer Mehr Entertainment platziert seine neue Spielstätte für Musicals und andere Shows mitten in den Hamburger Großmarkthallen, ein riesiger Nachkriegsbau aus Spannbeton mit gewaltigen Bögen und einem weithin sichtbaren Wellendach. Die 1962 eingeweihten Hallen sind Norddeutschlands bedeutendster Umschlagort für Gemüse, Obst und Blumen, an dem alljährlich 1,5 Millionen Tonnen Frischware den Besitzer wechseln.

"Wir bauen kein reines Musicaltheater", stellte Mehr-Entertainment-Chef Maik Klokow gestern bei der Präsentation der Planungen klar. "Wir erschaffen einen Verwandlungskünstler für die Ansprüche gehobenen Live-Entertainments." Das Theater im Großmarkt werde hochflexibel gestaltet und sich ohne größeren Aufwand in rund ein halbes Dutzend Varianten umbauen lassen. "Dort können TV-Shows, Konzerte, Galas, Zirkus-Auftritte, Tournee-Produktionen, Musicals und vieles mehr über die Bühne gehen." Bei Aufführungen des klassischen Musiktheaters stehen 2000 Sitzplätze zur Verfügung, so viele wie in der Neuen Flora des Konkurrenten Stage Entertainment in Altona. Die Konzert-Variante mit Stehplätzen vor der Bühne bietet Raum für bis zu 3600 Besucher. Sein Unternehmen investiere 35 Millionen Euro, der Umbau werde im September beginnen, so Klokow. Die Fertigstellung ist für die Jahreswende 2014/2015 geplant.

Für Planer und Bauingenieure kommt das Vorhaben einem chirurgischen Eingriff gleich, müssen sie Bühne, Zuschauerraum, Bars und Toiletten doch in die mittlere der drei Großmarkthallen integrieren, ohne die denkmalgeschützte Konstruktion anzutasten. Architekt Frans Dikmans: "Wir lassen das Gebäude weitestgehend, wie es ist. Auch die markante geschwungene Betondecke bleibt sichtbar." Die soll mit einer Höhe von 20 Metern für ein Gefühl der Weite sorgen. An der Stirnseite wird ein Balkon mit Zuschauerplätzen platziert. Als Hingucker plant Mehr Entertainment auf dem Vorplatz fünf Meter hohe Buchstaben mit dem Namen des Theaters - der noch nicht feststeht.

Großmarkt-Geschäftsführer Torsten Berens hegt keine Bedenken hinsichtlich des neuen Mieters, der normale Handel mit Obst, Gemüse und Blumen laufe in den anderen beiden Hallen weiter. "Wir wollen das Großmarktgelände weiterentwickeln, dazu gehören auch Events." Von bisher 40 000 Quadratmetern Fläche geht dem Markt rund ein Sechstel verloren. 15 Händler müssen weichen und innerhalb der Hallen umziehen. Wirtschaftssenator Frank Horch (parteilos) begrüßt das dann fünfte Musical-Theater in Hamburg, eine Übersättigung fürchtet er nicht. "Das wird eine Bereicherung für die Stadt und ein Bindeglied zwischen der östlichen City und der HafenCity."

Klokow kehrt mit dem spektakulären Großmarkt-Experiment an den Ort seiner größten beruflichen Erfolge zurück. Von 2000 bis 2008 machte er als Geschäftsführer der Stage Deutschland den Standort Hamburg endgültig zur weltweiten Nummer drei der Musicalwelt hinter New York und London. Mit der Mehr Entertainment betreibt der 48-Jährige sieben Spielstätten in Deutschland, darunter den Admiralitätspalast in Berlin, das Musical Theater Bremen und das Starlight-Express-Theater in Bochum.

Den Konkurrenzkampf mit dem Platzhirsch Stage an dessen Stammsitz sucht Klokow nicht allein auf dem Feld der Musicals. Sein Großmarkt-Theater hat er bewusst für vielfältige Nutzungen ausgelegt. Entsprechend konnte oder wollte der Entertainment-Manager gestern noch nicht sagen, mit welchem Stück oder welchem Programm Anfang 2015 Premiere gefeiert wird. "Das kann alles Mögliche sein, nicht nur Musical. Das entscheiden wir voraussichtlich im November."

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