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Lesestoff : Gemeinplätze vom Historiker

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Im Schnelldurchgang durchgehechelt: Nichts neues und voller Gemeinplätze ist Lothar Höbelts Geschichte von Kaiser Franz Joseph I.

Das klingt doch gut: Die Geschichte des letzten bedeutenden österreichischen Kaisers Franz Joseph I. und seines Reiches auf gut 150 Seiten, von einem versierten Historiker verfasst, der neue Deutungen und Thesen verspricht. Und nichts davon hält das gerade erschienene Buch von Lothar Höbelt. Im Schnelldurchgang hechelt der Historiker einige Schauplätze und Ereignisse durch, ohne zu einer schlüssigen These zu kommen. Seine systematische Gliederung hält Höbelt dabei nicht immer ein, und sie bringt dem Leser am Ende auch keinen Erkenntnisgewinn. In der österreichischen Geschichte Unkundige werden es sehr schwer haben, dem Autoren zu folgen, der oft nicht einmal die Vornamen der handelnden Personen nennt oder sei in einen analytischen Kontext stellt. Noch schlimmer ist jedoch, dass der Historiker auf der vorletzten Seite, als es um die Ursache des Scheiterns des Kaisers und seines Reiches geht, den Satz schreibt: "Es ist ein Gemeinplatz: Die Monarchie ging am Nationalismus zugrunde." Für diese seit langem bekannte Deutung hätte man die 150 Seiten zuvor nicht lesen müssen. Und so bleibt das Wertvollste an diesem Buch das Literaturverzeichnis. Dort findet der interessierte Leser mehr Hinweise auf Bücher, die ihm den Untergang der Habsburger Monarchie erklären.
Lothar Höbelt: Franz Joseph I., Der Kaiser und sein Reich, eine politische Geschichte, Böhlau, ISBN-10: 3205783166, ISBN-13: 978-3205783169

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erstellt am 18.Jun.2009 | 02:18 Uhr

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