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Muhammad Ali-Biografie : Geliebtes Großmaul

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Er war einer der ersten schwarzen Weltstars - lange vor Michael Jackson und Barack Obama. Eine Hörbiografie erzählt das Leben von Muhammad Ali, des legendärsten Boxers aller Zeiten.

shz.de von
erstellt am 15.Jul.2009 | 03:43 Uhr

Er ist ein Egomane. Ein Großmaul. Ein Kämpfer. Der wohl größte Boxer aller Zeiten. Muhammad Ali. Das Hörbuch "Muhammad Ali. Ein Leben" erzählt die Geschichte des US-amerikanischen Boxers.
Die Geschichte eines Jungen, der mit zwölf Jahren zum ersten Mal zuschlägt, als er den Dieb seines Fahrrads stellt. Und sich noch nicht auf seine Fäuste verlässt: Der Polizist, bei dem er sich über den Diebstahl beschwert, nennt ihn einen Klugscheißer - und schickt ihn zum Boxtraining. Boxen hält ihn fortan aus Ärger heraus, sagt Ali. Und es macht ihn zu einem schwarzen Weltstar, lange vor Barack Obama und Michael Jackson.
Muhammad Ali verliert seine Goldmedaille
Ein Weltstar, dem das Hörbuch mit Hilfe von nachgesprochenen und originalen Zitaten eine amüsante und überraschende Kontur verleiht. Als Ali 1960 zu den Olympischen Spielen nach Rom fliegt, fürchtet er sich so sehr, dass er während des Fluges einen Fallschirm trägt. In Rom gewinnt er Gold. Kurz darauf erzählt er, dass er die Medaille aus Wut darüber in den Ohio-River geworfen habe, dass er wegen seiner Hautfarbe in einem Imbiss nicht bedient worden sei. Eine Lüge. Später gibt er zu, dass er die Medaille einfach verloren hat. "Ich weiß doch, was ich tun muss, um eine Story zu verkaufen."
Das ist der Muhammad Ali, der einen stutzen lässt. Und über den man dann doch nachlässig lächelt. Auch, wenn er seinen Gegner Sonny Liston vor einem Kampf nachts aus dem Schlaf klingelt, Joe Frazier einen "hässlichen, dummen Gorilla" schimpft. Gegen Liebesbeziehungen zwischen Weißen und Schwarzen ist und zur umstrittenen "Nation of Islam" hält. Ein Beharren, das er später als großen Fehler bezeichnet.
"Kein Vietkong hat mich je Nigger genannt"
Und natürlich verzeiht man ihm, reibt die Irritation fort wie Schlaf aus den Augen. Und sieht: Einen Kriegsdienstverweigerer während des Vietnam-Desasters. Eine Entscheidung, die ihm damals viele Feinde brachte, ihn heute aber umso bedingungsloser strahlen lässt. "Ich habe keinen Ärger mit den Vietkong. Kein Vietkong hat mich je Nigger genannt", sagt Ali. Der Mann, der sein Geld mit Schlägen verdient, wirbt für den Frieden. Und geht dafür in den Knast. Mehr Märtyrer geht nicht. Vier Jahre lang darf Muhammad Ali nicht boxen, verliert seinen WM-Titel. "Den besten Ali haben wir nie gesehen", sagt sein Trainer. Selbst der nie gewesene Ali mehrt seine Legende.
Er boxt die Kämpfe des Jahrhunderts, gegen Joe Frazier, gegen George Foreman. Großartig klingt der legendäre "Rumble in the jungle" in Zaire zwischen Ali und Foreman auf der Hörbiografie. In einem Hin und Her wechselseitiger Zitate, untermalt von den Geräuschen wuchtig treffender Fäuste, beschreiben die Kontrahenten das Duell aus ihrer Sicht - und lassen den Zuhörer direkt am Ring stehen.
"Es ist doch kein Prahlen, wenn man es wirklich kann"
Vier verschiedene Sprecher für die Zitate verwirren nicht - zwei Erzähler allerdings schon. Der Sinn der sich abwechselnden Stimmen erschließt sich nicht. Die Würze verleihen dem Hörbuch ohnehin die Einschätzungen von Weggefährten, Journalisten und Ali selbst. Vielleicht zu wenig für einen Muhammad Ali-Fan. Der Alis Leben kennt, seine Sprüche und all die Geschichten. Denn das Hörbuch berichtet, statt ihn zu deuten und die Frage, was Muhammad Ali angetrieben hat, bleibt offen. Die Biografie verlässt sich auf die Fakten - meist. Weshalb der Erzähler verkündet, die Organisation "Nation of Islam" habe den schwarzen Bürgerrechtler Malcolm X töten lassen, obwohl das keineswegs bewiesen ist, ist schleierhaft.
1979 tritt Muhammad Ali zurück. Schon da ist klar, dass er Parkinson hat. Als er in 1996 in Atlanta von der Krankheit gezeichnet und zitternd das olympische Feuer entzündet, sieht die ganze Welt ehrfürchtig zu. "Es ist doch kein Prahlen, wenn man es wirklich kann", ist eines von Alis letzten Zitaten auf der CD. Und eines von denen, das ihn am besten beschreibt. So wie jenes: "Ich bin böse", sagt Muhammad Ali. Und die Welt liebt ihn dafür. Er weiß eben, wie er sein Image bedient.

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