Comic : Geldmacherei, beim Teutates!

'Wie Obelix als kleines Kind in den Zaubertrank geplumpst ist', Ehapa Verlag, 32 Seiten, 10 Euro ISBN 978-3-7704-3298-1.
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"Wie Obelix als kleines Kind in den Zaubertrank geplumpst ist", Ehapa Verlag, 32 Seiten, 10 Euro ISBN 978-3-7704-3298-1.

Asterix wird 50 - und Uderzo bringt einen neuen Band heraus. Nicht unbedingt zum Vorteil des wehrhaften Galliers.

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20. April 2009, 12:16 Uhr

Die Entzauberung begann mit dem "großen Graben". Schleichend zwar, aber nicht von der Hand zu weisen. Und mit jedem Band, den Zeichner Albert Uderzo in Eigenregie textete, wurde es schlimmer. Dennoch: Eingefleischte Asterix-Fans hielten ihrem gallischen Idol die Stange, hofften mit jedem weiteren Band auf Besserung - und zeigten selbstredend Verständnis. Schließlich war René Goscinny, der Texter der Comic-Kult-Reihe Asterix und Obelix, am 5. November 1977 völlig überraschend verstorben.

Doch statt mit ihm - was folgerichtig gewesen wäre - auch Asterix und dessen Freunde sterben zu lassen, zwang der Verlag Uderzo, das Projekt "Asterix bei den Belgiern" selbstständig abzuschließen. Der geniale Zeichner wurde zu einem bisweilen mehr als mittelmäßigen Texter gemacht - und das Unheil nahm seinen Lauf.

Neun weitere Bände sollte Uderzo nun mehr oder weniger auf eigene Faust produzieren. Schließlich sind der kleine Schlaue und der vollschlanke Starke ein gutes Geschäft! In über 100 Sprachen wurden ihre Abenteuer mittlerweile übersetzt…
Mixtur verschiedener Comic-Helden

Was Uderzos Taschen gut bekommen sein mag, es hat den unbeugsamen Galliern geschadet. Wurden sie zunächst in der Liebesschnulze "Der große Graben" in rosaroten Wolken weichgespült, so zeigten sie sich im 33. Band, "Gallien in Gefahr", als eine geradezu grauslige Mixtur verschiedener Comic-Helden. Doch das Schlimmste: Der einst so lebenslustige Asterix und sein gutmütiger Kumpel, die zwar keinem Streit aus dem Weg gingen, aber nie bösartig wurden, mutierten zu bitteren, reizbaren Gestalten, die lieber einmal zu viel als zu wenig draufhauten. Spätestens da war klar: Asterix war der Himmel auf den Kopf gefallen, beim Teutates.

Auch Uderzo mag dies eingesehen haben. Hat er doch, trotz Jubiläumsjahres, kein weiteres Asterix-Abenteuer auf den Markt geworfen. Wohl aber einen weiteren Band. Schließlich werden Asterix und Obelix in diesem Jahr 50!
Verschrecktes, schüchternes Dickerchen

Die Geschichte, die Uderzo zu diesem Anlass frisch illustriert hat, stammt - Belenus sei Dank - wieder aus der Feder Goscinnys. Er hatte sie zum sechsten Jahrestag der Comic-Helden geschrieben, und sie erzählt, "Wie Obelix als kleines Kind in den Zaubertrank geplumpst ist". Viel Neues allerdings erfährt der Fan hier nicht. Höchstens, das Obelix einst ein verschrecktes, schüchternes Dickerchen war, von den kleinen Automatix und Verleihnix gern und viel gehänselt und vermöbelt. Ein Dösbaddel, an dem auch Miraculix nur zu verzweifeln vermochte. Wäre da nicht sein tapferer Freund Asterix, der ihn verteidigt - und schlussendlich die Idee mit dem Zaubertrank hat.
Doch zum einen ist es kein Comic, der den Leser hier erwartet, sondern eine Art Bilderbuch für Erwachsene, bewusst auf Nostalgie getrimmt. Zum anderen ist die Geschichte unterm Strich schlicht zu dünn. Es braucht schon mehr als eines eingefleischten Asterix-und-Obelix-Fans, um sich für diesen Band begeistern zu können. Aber zum Geldverdienen wird es sicher auch in diesem Fall reichen. Uderzo also wird es freuen. Goscinny, Asterix und Obelix hingegen dürften zumindest in sofern erleichtert sein, als ihnen keine neuerliche Gewalt angetan wurde.
"Wie Obelix als kleines Kind in den Zaubertrank geplumpst ist", Ehapa Verlag, 32 Seiten, 10 Euro ISBN 978-3-7704-3298-1.

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