Schauspielhaus Kiel : "Gefährliche Liebschaften" gipfeln in Farb-Schmiererei

Die Darsteller Imanuel Humm und Isabel Baumert spielen sich in einen Rausch.  Foto: Struck
Die Darsteller Imanuel Humm und Isabel Baumert spielen sich in einen Rausch. Foto: Struck

Keine leichte Kost: Die Kieler Inszenierung von on Pierre Choderlos de Laclos "Gefährliche Liebschaften" ist ein Feuerwerk aus Ideen, Geist-, Herz- und Körperlichkeit.

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25. Mai 2011, 09:03 Uhr

Kiel | Gefällig ist etwas anderes. Und leichte Kost ist "Gefährliche Liebschaften" von Pierre Choderlos de Laclos sicher auch nicht. Ein Briefroman, indem zwei Menschen durch Verführung und Intrigen andere ins Unglück stürzen - und letztlich auch sich selbst. Doch Regisseur Dariusch Yazdkhasti, der mit Dramaturgin Annika Hartmann die Bühnenfassung erarbeitete, hat keine Scheu vor schwierigen Stoffen. Seine Inszenierung im Kieler Schauspielhaus spaltete das Premierenpublikum.
Durch einen anscheinend simplen Einfall eröffnet Yazdkhasti einen unendlichen Spielraum: Seine Figuren erzählen die tragische Rachegeschichte mit Enthusiasmus und literweise Wandfarbe. Grüne, rote, blaue und weiße Farbe landet auf den barock anmutenden Wänden, dem Boden, dem in Plastik gehüllten 70er-Jahre Mobiliar und vor allem den Schauspielern. Auf den ersten Blick mag das pubertär und oberflächlich erscheinen. Doch bei genauerem Hinsehen ist die Farbe plötzlich mehr als ein netter Anstrich. Sie ist witzig, dient sie als Schuhersatz. Erotisch, wenn sie über die Körper der Liebenden läuft. Sie denunziert und beschmutzt. Und sie tötet den Intriganten, der zum Schluss an seinem eigenen Plan erstickt. So wie das Ränkespiel Valmonts und Merteuils nach und nach aus dem Ruder läuft, wird aus den anfänglichen schönen Farbklecksen nach und nach ein schmieriges Chaos. Und dann, wenn die Farbe trocknet, bleiben nur noch Fratzen.
Bunte Mischung der Charaktere: Kühl, sexbesessen, strahlend-naiv
Mit bewundernswerter Konsequenz zieht Yazdkhasti seinen Regieeinfall durch - bis zum bitteren Ende. Die Schauspieler scheint es zu beflügeln. Yvonnne Ruprecht als kühle Merteuil, Imanuel Humm - der sexbesessene Valmont - und vor allem Claudia Friebel als strahlendes Naivchen nutzen den endlosen Spielraum ausgiebig und geben alles.
Kurz: Die "Gefährlichen Liebschaften" des Kieler Schauspielhauses sind ein Feuerwerk aus Ideen, Geist-, Herz- und Körperlichkeit. Eine Bereicherung.
(shz)

Nächste Aufführungen: Do, 26. Mai, 20 Uhr; Sa, 28. Mai, 20 Uhr; Mi, 1. Juni, 20 Uhr; Fr, 3. Juni, 20 Uhr. Karten: 0431 901901

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