Pop aus Schweden : Fünf schrille Schweden rocken auf neuer Platte

'Give me Fire' ist die neue CD von Mando Diao. Foto: Baldur Bragason
"Give me Fire" ist die neue CD von Mando Diao. Foto: Baldur Bragason

Die Band "Mando Diao" schwört auf Disco-Beats und die Beatles - morgen erscheint das Album "Give me Fire".

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12. Februar 2009, 11:00 Uhr

Hamburg | Sänger und Gitarrist Gustaf Norén steht nicht gern früh auf. 9 Uhr ist nicht seine Zeit, deswegen kommt er eine halbe Stunde zu spät zum Interview: "Ich habe definitiv zu wenig geschlafen." Mit den Bandkollegen war er lange in einer Bar. "Da wurden nur Vinylscheiben aufgelegt. Der DJ spielte Songs, die mindestens zehn Jahre alt waren. Wie kann man bloß so konservativ sein?"
Ein bisschen verblüfft die Kritik des Schweden. Immerhin lassen sich Mando Diao auch von den 60ern inspirieren, vor allem von den Beatles: "Wir kopieren die aber nicht einfach. Jeder hört unserer Musik an, dass wir im 21. Jahrhundert leben." Was der 27-Jährige damit meint, verdeutlicht "Give me Fire", das fünfte Album. Die Songs schillern farbenfroher denn je, oszillieren zwischen Eingängigkeit und Eigenwilligkeit, ihre Melodien sind zeitlos. Stakkato-Gitarren prallen auf verspielte Wurlitzer-Orgeln. 70er-Jahre-Discobeats schlängeln sich durch die Single "Dance with somebody". "Crystal" erinnert an die Fab Four - findet Norén, der auf das Stück extrem stolz ist: "Das ist ein Beerdigungslied. Ich habe mich damit beschäftigt, wie man mit der Angst vor dem Tod umgeht."
Überhaupt inspirieren ihn eher Alltagsprobleme. "Wenn Björn Dixgard und ich Texte schreiben, dann wollen wir vor allem 15- bis 25-Jährigen aus der Seele sprechen. Die sind nämlich eher bereit, ihr Leben umzukrempeln, als Ältere." Er selbst sieht sich als fertigen Menschen, der sich nicht mehr großartig ändern wird: "Auf Tournee steht der Spaß im Vordergrund, ich feiere und betrinke mich. Daheim bin ich dagegen grundsolide." Statt seine Abende in Bars zu verbringen, kümmert er sich lieber um seinen zweijährigen Sohn Josef, der seine Begeisterung für Gitarren teilt. "Er zupft ganz gerne mal die Saiten, dazu singt er manchmal ein Fußballlied."
Vielleicht wird der Kleine später mal ein cooler Indie-Rocker wie der Papa. Entgeistert verzieht Norén das Gesicht: "Ich wollte nie ein Teil der Indie-Szene sein, diese Leute sind mir schlichtweg zu arrogant. Wie sie auf Popfans herabsehen - fürchterlich!" Das erinnere ihn daran, wie ihm sein Großvater Beethoven oder Mozart als einzig wahre Musik verkaufen wollte: "Jeder soll hören, was ihm gefällt. Keiner darf einem Vorschriften machen!" Gleichwohl mag er nicht jeden Künstler. James Blunt kann er nicht leiden. "Aber aus dieser Abneigung ziehe ich durchaus etwas Positives. Ich wandele sie in Kreativität um."
Mando Diao: 22. und 24. März, 21 Uhr, Große Freiheit Hamburg. Karten: 040-4132260

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