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Hamburger Kunsthalle : Fische in der „Kaufhalle“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Nur sechs Projekte: Die Hamburger Kunsthalle zeigt sich im kommenden Jahr weniger mutig. Kunstfans dürfen aber gespannt sein - auf den großen Umbau, der schon vor der Veröffentlichung von Plänen für Kritik sorgt.

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erstellt am 12.Dez.2013 | 07:00 Uhr

Hamburg | Die Zahlen sprechen für sich: 370.000 Besucher kamen in diesem Jahr in die Hamburger Kunsthalle. Damit liegt das Haus unter den ersten vier Museen in Deutschland. Über 100.000 Kunstinteressierte sahen die Giacometti-Ausstellung. Rund 50.000 Besucher verzeichneten jeweils die Ausstellungen „Besser scheitern“, „Paul Klee. Engel“ und „Dänemarks Aufbruch in die Moderne“. „Die Melange zwischen besucherintensiven und experimentellen Ausstellungen macht die Kunst aus“, erläutert Direktor Hubertus Gaßner. Grund zur Freude auch beim Haushalt: Die Kunsthalle wird das laufende Jahr aller Voraussicht nach mit einer schwarzen Null abschließen.

2014 stehen dann größere Umbauarbeiten unter der umstrittenen Federführung der auf Einkaufswelten spezialisierten ECE-Architekten an. Alexander Otto, der Chef des Shoppingcenter-Konzerns ECE, hatte eine Spende in Höhe von 15 Millionen Euro für Planungs- und Bauleistungen bereits im Sommer publik gemacht. Etliche Medien wie etwa „Die Zeit“, die gegen eine Umwandlung der Kunsthalle zur „Kaufhalle“ polemisierte, reagierten darauf mit Skepsis. Eine öffentliche Diskussion aber kam bisher nicht in Gang. Wohl auch, weil die Verantwortlichen bisher weder Pläne noch Modelle veröffentlicht haben.

Große Teile der Kunsthalle werden also 2014 geschlossen bleiben. Bleibt da noch Platz für ambitionierte Ausstellungsprojekte? Während in diesem Jahr noch 17 Schauen zu sehen waren, umfassen die Pläne für 2014 lediglich sechs Projekte. Doch der Direktor ist zuversichtlich: „Die hohe Qualität der Ausstellungen des laufenden Jahres werden wir den Besuchern auch in 2014 bieten. Wir freuen uns, dass die Menschen das Museum so interessiert und zahlreich besuchen“, sagte Gaßner.

Den Auftakt bildet im Februar die Schau „Feuerbachs Musen – Lagerfelds Models“, ein gewagter Spagat zwischen den Gemälden Anselm Feuerbachs und Karl Lagerfelds von der griechischen Mythologie inspirierter Fotografie. Mode-Impressario Lagerfeld, mehr Marke als Künstler, huldigt einmal mehr seinen Lieblingsmodels. Es folgen eine eher kunstgeschichtliche Untersuchung der romantischen Arabeske ab März und die Ausstellung „C’est la vie“ mit Werken der beiden Pariser Honoré Daumier und Henri de Toulouse-Lautrec. Die Ausstellung „Lichtwark today“ (Arbeitstitel) knüpft an die vor 100 Jahren gängige Praxis des damaligen Direktors Alfred Lichtwark an, internationale Künstler nach Hamburg einzuladen, um vor Ort Auftragsarbeiten für das Haus anzufertigen. Die Schau gliedert sich in einen historischen Teil mit Werken etwa von Pierre Bonnard und Édouard Vuillard sowie eine zeitgenössische Sektion mit Auftragswerken von sechs Gastkünstlern. Einer davon wird der Berliner Foto- und Videokünstler Tobias Zielony sein.

Den Höhepunkt des Jahresprogramms bildet eine große Max Beckmann-Schau zum Thema Stillleben mit vielen internationalen Leihgaben und persönlichen Gegenständen aus dem Nachlass ab September. Im Oktober ist dann die jährliche Ausstellung zum Ars Viva-Preis mit drei bis vier prämierten Künstlern unter 35 Jahren in Hamburg zu Gast. Insgesamt ein eher überschaubares und wenig mutiges Programm, das hoffentlich im Laufe des Jahres noch weiter mit zeitgenössischeren Positionen aufgefüllt wird.

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