Mit Worten auf Walfang : Fesselnde Lesenacht am Nordkolleg

"Moby Dick" im Rendsburger Nordkolleg: Acht Stunden dauerte die Lesung. Von 100 Zuhörern hielten 40 bis zum Ende um zwei Uhr nachts durch.

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14. Februar 2011, 09:07 Uhr

Rendsburg | Die Sätze sind manchmal lang und verschachtelt. Dann wieder werden Details ausführlich und seitenlang beschrieben. Wer mit Herman Melville "Moby Dick" jagt, braucht Durchhaltevermögen. Am Freitag Abend begaben sich rund 100 Zuhörer im Rendsburger Nordkolleg auf Walfang. Sie erlebten eine literarisch wie kulinarisch spannende Reise.
Die Lange Lesenacht hat Tradition. Bei dieser 15. Veranstaltung war auch Stephan Opitz, der das Ereignis einst ins Leben gerufen hatte, als einer von acht Vorlesern mit dabei. Mit ruhiger Stimme ließ er die Begegnung vom Ich-Erzähler Ishmael und dem Kannibalen Queequeg vor den geistigen Augen der Zuhörer entstehen. Im Halbdunkel sitzend, sich ganz auf die Worte konzentrierend, gewinnt das mächtige Melvillsche Werk, kann die Sprache ihre Macht entfalten. Der Kieler Autor Arne Rautenberg, NDR-Moderator Benedikt Stubbendorf und Schauspielerin Gesa Boysen waren weitere Vorleser, die mit facettenreichem Vortrag fesselten.
Wichtige menschliche Begegnungen hervorgehoben
Acht Stunden Lesung mit zwei Pausen - das klingt hart. Doch Britta Lange, Fachreferentin Literatur und Medien am Nordkolleg, hatte das Werk - in der neuen Übersetzung von Matthias Jendis - geschickt gestrafft. Lange Schilderungen von Walfang-Details wurden gestrichen; wichtige menschliche Begegnung so hervor gehoben.
Und der Rendsburger Rezitator Christian Gayed (auch Leiter der norddeutschen sinfoniettea) verlieh dem hasserfüllten Kapitän Ahab eine mächtige Stimme, die selbst nach Mitternacht müde Zuhörer am Einschlafen hinderte. Bis zum Ende um zwei Uhr hielten 40 der Gäste durch.

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