Merkel bei Eröffnung in Lübeck : Europäisches Hansemuseum: Was die Besucher erwartet

Bundeskanzlerin Angela Merkel (3. von links, CDU) riecht neben Schleswig-Holsteins Ministerpräsidenten Torsten Albig (SPD, links) und Lübecks Bürgermeister Bernd Saxe (SPD) während der Eröffnung des Europäischen Hansemuseums in Lübeck an einem symbolischen Schlüssel aus Marzipan. Überreicht wird er von der Vorsitzenden des Stiftungsvorstandes der Possehl-Stiftung, Renate Menken (rechts), dem Architekten Andreas Heller (2. von rechts) und der Direktorin des Hansemuseums Lisa Kosok.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (3. von links, CDU) riecht neben Schleswig-Holsteins Ministerpräsidenten Torsten Albig (SPD, links) und Lübecks Bürgermeister Bernd Saxe (SPD) während der Eröffnung des Europäischen Hansemuseums in Lübeck an einem symbolischen Schlüssel aus Marzipan. Überreicht wird er von der Vorsitzenden des Stiftungsvorstandes der Possehl-Stiftung, Renate Menken (rechts), dem Architekten Andreas Heller (2. von rechts) und der Direktorin des Hansemuseums Lisa Kosok.

Samstag eröffnet das Museum in Lübeck seine Tore für Besucher. Kanzlerin Merkel bekommt heute schon erste Einblicke.

shz.de von
27. Mai 2015, 14:48 Uhr

Lübeck | Im Beisein von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und zahlreichen Gästen aus dem In- und Ausland ist am Mittwoch in Lübeck das Europäische Hansemuseum eröffnet worden. Von Samstag an ist das weltweit größte Museum zur Geschichte des Städtebundes für jedermann zugänglich. Merkel verwies in ihrer Eröffnungsrede auf die Vorreiterrolle der Hanse für die Europäische Union. „Wir können in der EU an zentrale Erfahrungen der Hanse anknüpfen, zum Beispiel an die, dass wir gemeinsam stärker sind und mehr für alle erreichen als allein.“

Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) nannte das Museum einen „neuen Fixstern am Kulturhimmel Schleswig-Holsteins“. Er freue sich sehr, dieses wunderschöne Museum endlich offen zu sehen. Hier wird die reiche Geschichte der Hanse erstmals in ihren vielen Facetten für ein breites Publikum dargestellt“.

Das Europäische Hansemuseum in Lübeck.
Das Europäische Hansemuseum in Lübeck.

Rund 50 Millionen Euro hat das Museum gekostet, doppelt so viel, wie ursprünglich geplant. „Das lag vor allem am sehr schwierigen Baugrund, aber auch an konzeptionellen Änderungen“, sagt Renate Menken, die Vorsitzende der Possehl-Stiftung, die mit 40 Millionen Euro den größten Teil der Kosten übernommen hat. „Ich bin zufrieden, glücklich und überaus dankbar. Es passiert nicht alle Tage, dass eine Stadt ein solches Geschenk bekommt“, sagt denn auch Lübecks Bürgermeister Bernd Saxe (SPD). Ohne die Stiftung hätte sich Lübeck das Museum niemals leisten können, gibt er zu.

Was bekommen die Gäste zu sehen? Keine Exponate hinter Glas. Die waren gestern. Das Europäische Hansemuseum ist ein multimediales Erlebnismuseum, das die Besucher per rekonstruierten Szenen in die Vergangenheit entführt. Die Zeitreise geht wahlweise in Deutsch, Englisch, Schwedisch oder Russisch von den Anfängen des alten Kaufmannsbundes über die Handels-Großmacht bis zum Niedergang. Die Nachbauten zweier Koggen, einer sogenannten Kollerup-Kogge inklusive Beiboot und eines kleineren Schiffs, wurden fürs Hansemuseum angefertigt, eine Schilflandschaft ist entstanden.

Ein Fahrstuhl fährt Besucher im Europäischen Hansemuseum in Lübeck in den Kellerbereich mit den archäologischen Grabungsstätten.
dpa
Ein Fahrstuhl fährt Besucher im Europäischen Hansemuseum in Lübeck in den Kellerbereich mit den archäologischen Grabungsstätten.

Was war los in den Hansekontoren von Bergen, London, Brügge und Nowgorod? Wie war das Leben und Arbeiten in Lübeck, dem Haupt der Hanse? Man wird die Geburtsstunde der Hanse-Keimzelle – 1193 in Nowgorod – im wahrsten Wortsinn begehen können, eine Verkaufshalle in Brügge durchwandern, den prächtigen „Stalhof“ in London, einen Umschlagplatz für Stockfisch in Bergen und den Hanse-Puls an der Trave fühlen. In Lübeck kamen Vertreter der Hansestädte (zur Blütezeit mehr als 200), zum Hansetag zusammen, von hier aus kamen und gingen Handelswaren. Felle, Salz, Fisch, Tuche, Wachs, auch Kunst.

Allerdings sorgte die Mobilität ebenso für die Verbreitung der Pest in ganz Europa. Ihre Ausbreitung im 14. Jahrhundert ist Thema der Schau. Gewürzt werden die Szenen mit Exponaten aus ganz Europa aber auch mit Objekten aus Lübeck, auch solchen aus dem benachbarten, seit 2012 geschlossenen und frisch sanierten Burgkloster, das nun zum Areal Hansemuseum gehört.

Eine Installation im Europäischen Hansemuseum in Lübeck zeigt einen nachempfundenen frühen Handelsplatz in Nowgorod.
dpa
Eine Installation im Europäischen Hansemuseum in Lübeck zeigt einen nachempfundenen frühen Handelsplatz in Nowgorod.

Teile des Lübecker Münzschatzes sind wieder zu sehen, der wurde 1984 bei Arbeiten zur Musikhochschule entdeckt und stellte sich als größter auf deutschem Gebiet gehobener Münzschatz heraus. Zu Ehren kommen zudem archäologische Funde, auch das im Beichthaus untergebrachte archäologische Museum hatte Ende 2011 für den Museums-Neubau schließen müssen.

Der Austausch ihres Hauses mit den städtischen Museen ist für Lisa Kosok, geschäftsführende Direktorin des Hauses, ohnehin ein sich zwingend ergebener Bestandteil ihrer Arbeit. Die Lübeck und Travemünde Marketing GmbH schnürt längst ein Lübecker Gesamtpaket Kultur: Ein Gast möge möglichst lange bleiben, um möglichst viele Kleinode der Stadt zu entdecken. Entsprechend werden sich einige der Lübecker Museen zur Eröffnung des Hansemuseums im Beichthaus präsentieren und die thematische Brücke in ihre Ausstellungen schlagen.

„Pest im Mittelalter': Eine Installation mit einem Pestkreuz an der Tür eines Kaufmanns im Hansemuseum Lübeck.
dpa
„Pest im Mittelalter": Eine Installation mit einem Pestkreuz an der Tür eines Kaufmanns im Hansemuseum Lübeck.
 

Aufwändig mit Bundesmitteln saniert wird das mittelalterliche Burgkloster zusammen mit dem Blick in eine archäologische Grabung eine Brücke in die Vergangenheit der Stadt schlagen. Das Hansemuseum habe zwei Erzählebenen, sagt Lisa Kosok, eine horizontale, auf der die Hanse und ihre Geschichte präsentiert wird, und eine vertikale, auf der von der ersten Besiedlung über die Gründung des Dominikanerkonvents bis zu dessen Nutzung im 19. und 20. Jahrhunderts als Gefängnis und Gerichtsgebäude erzählt wird – und das zudem Raum für Auseinandersetzungen mit aktuellen Themen bieten soll. „Ich möchte hier Europathemen aufgreifen und warum sollte man nicht auch einmal über TTIP und Globalisierung reden“, sagt Kosok.

Die „horizontale Erzählebene“ bereichert ein ursprünglich nicht geplanter Einblick in eine archäologische Grabung, die sich bei näherer Untersuchung des Baugrundes ergeben und die die Kosten in die Höhe getrieben hatte. Museum, Kloster, Beichthaus und Außenbereich mit Blick auf die Trave, an deren westlichem Ufer der Kraweel-Nachbau „Lisa von Lübeck“ ihren Liegeplatz hat: Ein mehr als 7000 Quadratmeter großes Viertel im Viertel wird sich im Norden der Lübecker Altstadt präsentieren. Gastronomie und Spielplatz gehören dazu, auch ohne Eintrittsobulus.

Weitere Informationen gibt es unter www.hansemuseum.de

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