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"Wasser für die Elefanten" : Erinnerungen an Dickhäuter und Glitzer-Fummel

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Eine Dreiecksbeziehung vor nostalgischer Zirkuskulisse: "Wasser für die Elefanten" ist der Kino- und Romanerfolg des Jahres.

Es ist die Zeit der Prohibition, als der junge Jacob durch den plötzlichen Tod seiner Eltern von der amerikanischen Elite-Uni auf die Straße katapultiert wird. Er springt auf einen Zug. Irgendeinen. Und landet mitten zwischen Zwergen und Löwen, zwischen Artisten und Pferden - und der schönen Marlena. Eine bunte Manege voller Tiere, eine Dreiecksbeziehung und ein nostalgischer alter Kauz: Die als Kinofilm erfolgreiche Geschichte "Wasser für die Elefanten" wartet auch im Hörbuch von Sara Gruen mit jeder Menge Leben auf.
Der alternde Jacob vegetiert im Pflegeheim vor sich hin - nach außen eine faltige Hülle, ein seniler, motziger Alter, der sich manchmal selbst im Spiegel nicht erkennt. Doch das Zirkustreiben der "Spektakulärsten Show der Welt" in seiner Jugend ist in ihm noch lebendig: laut, brutal, glitzerbunt - und manchmal auch spektakulär. Immer wieder versinkt der Alte in seinen Erinnerungen, vor allem an die schöne Marlena, die in ihrem klischeehaften rosa Pailletten-Kostümchen auf weißen Pferden herumturnt, und an ihren schizophrenen Mann, der immer wieder zu Gewaltausbrüchen neigt.

Kirmesromantik zerplatzt
Damit wären schon fast alle Zutaten für die nostalgische Liebesgeschichte beisammen. Fehlt nur noch "Rosie", der Elefant. Angeblich das blödeste Tier auf Erden. Es kommt, wie es kommen muss: Glitzer-Marlena turnt darauf herum, ihr jähzorniger Mann vertrimmt sowohl die Artistin als auch den vermeintlich dummen Elefanten und der Frauen- und Dickhäuterversteher Jacob rettet beide vor dem Tyrannen.
Es ist eine ganz hübsche Idee, eine Liebesgeschichte vor einer nostalgischen Zirkuskulisse spielen zu lassen, mit all ihren bunten Zelten und wilden Tieren - und diese Kirmesromantik immer wieder zerplatzen zu lassen. Gesellschaftskritik schwingt - fast schon zu aufdringlich - mit, wenn die Hierarchie, die unnachgiebige Zweiklassengesellschaft zwischen versnobten Artisten und ausgebeuteten Arbeitern beschrieben wird. Manchmal wirkt die Geschichte daher etwas zu dünn, die Figuren zu blass.
Dennoch ist die Geschichte liebevoll erzählt und hervorragend gelesen von Andreas Fröhlich, der vor allem dem Alten eine glaubwürdige Stimme verleiht. Es ist wohl nicht die Überraschungs-Geschichte des Jahres, wie sie einvernehmlich in Rezensionen genannt wurde, doch ein schöner Roman vor einer zauberhaften Kulisse. Und auch der große Erfolg des Kinofilms lässt sich wohl nicht nur auf die Präsenz von Teenie-Kreisch-Garant Robert Pattinson zurückführen.
(mn, shz)

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erstellt am 04.Jun.2011 | 10:17 Uhr

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