Erinnerung an eine baltische Künsterkolonie

'Kurenkähne bei Purwin' von Josef Adam.  Foto: bwm
"Kurenkähne bei Purwin" von Josef Adam. Foto: bwm

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06. Juli 2013, 04:59 Uhr

Itzehoe | Das Itzehoer Wenzel-Hablik-Museum widmet seine Sommerausstellung, angelehnt an den diesjährigen Länderschwerpunkt "Baltikum" des Schleswig-Holsteinischen KulturSommers, der Künstlerkolonie Nidden. Dank des Engagements von Jörn Barfod, Kustos am Ostpreußischen Landesmuseum Lüneburg, und Sammler Bernd Schimpke aus Hamburg geben zurzeit etwa 50 Ölbilder und Grafiken einen Überblick über eine überaus produktive Gemeinschaft, dessen Schaffenshöhepunkt einhundert Jahre zurück liegt.

Nicht nur Thomas Mann oder Lovis Corinth waren bekennende Nidden-Fans. Auch die Professoren und Studenten der Königsberger Kunstakademie kamen und malten. Mit Max Pechstein folgten auch inzwischen in Vergessenheit geratene Maler wie Karl Eulenstein, Josef Adam, Ernst Mollenhauer, Wilhelm Eisenblätter oder, allen voran, Schimpkes Lieblingsmaler Carl Knauf. Sie alle erkannten in diesem abgelegenen Landstrich auf der 100 Kilometer langen Kurischen Nehrung reizvolle Motive mit unglaublichen Lichtverhältnissen. Selbst Wenzel Hablik sah dort 1907 zum ersten Mal das Meer und blieb zeitlebens von diesem Thema fasziniert.

Zentrum und Treffpunkt der Künstler in Nidden war der Gasthof von Hermann Blode. Bis in die 1930er Jahre vergab die Kunstakademie Königsberg sogenannte Blode-Stipendien, die mit einem kostenlosen Aufenthalt im Gasthof verbunden waren. Die Künstler logierten dort und arbeiteten im eigens dafür erbauten Atelier. Morgens schwärmten sie aus, um mit Pinsel und Farbe direkt vor der Natur vom weiten Meer und tosenden Wellen, gewaltigen Dünen, schwerfälligen Kurenkähnen mit den typischen Wimpeln, unberührter Natur und dem harten Leben der einfachen Fischer zu erzählen. Abends entbrannten vor den Ergebnissen heftige Diskussionen - eine fruchtbare Zeit, in der sich Impressionisten und Expressionisten aneinander rieben. Die Bilder stellte Blode in seinem großen Saal aus und erhielt statt Geld oftmals ein Gemälde.

1945 kam für Nidden und seine Künstlerkolonie das jähe Ende. Die große Sammlung von Gastwirt Blode wurde zerstört. Heute gehört der Landstrich zu Litauen und ist wieder erklärter Künstlerort.

Die Ausstellung wird ergänzt durch Farbabzüge historischer Dias. Einen Katalog zu diesem Thema gab Bernd Schimpke im letzten Jahr heraus.

Die Ausstellung "Künstlerkolonie Nidden auf der Kurischen Nehrung" zeigt das Wenzel-Hablik-Museum, Reichenstraße 21, bis 18. August, Di bis Fr 14 bis 17 Uhr, Sa 14 bis 18 Uhr und So und Feiertag 11 bis 18 Uhr. Näheres unter www.wenzel-hablik.de

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