Kulturforum Burgkloster : Entartete Kunst berühmter und vergessener Künstler

'Die Ideologen' von Beckmann.
"Die Ideologen" von Beckmann.

"Verfolgt, verfemt, entartet": Das Lübecker Kulturforum Burgkloster zeigt 103 Werke "entarteter" Kunst.

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04. Juni 2011, 11:15 Uhr

Lübeck | Kunst, die sich nicht fügte, wurde von den Nationalsozialisten als "entartet" diffamiert, verboten, zerstört. Wie viel Kultur verloren ging, lässt die Schau "Verfolgt, verfemt, entartet" im Kulturforum Burgkloster erahnen. Die Auswahl der 103 Werke von 85 sowohl bekannten als auch in Folge des braunen Terrors fast vergessenen Künstlerinnen und Künstlern gilt als Höhepunkt des Lübecker Ausstellungsjahres.
Käthe Kollwitz, Max Beckmann, Otto Dix, Max Ernst, George Grosz, Oskar Kokoschka - bedeutende Namen sind im Obergeschoss des Kulturforums gehängt. Dazwischen kaum bekannte, fast vergessene Künstler. Den Namen Eugen Batz, der in den großzügigen Räumen im ersten Obergeschoss mit seinem Bild "Im weißen Bogen" vertreten ist, kennt außer Frank Thomas Gaulin, dem Vorsitzenden des Stiftungsrates der Lübecker Museen, kaum einer. Das, so Gaulin, ist eine der Folgen nationalsozialistischer Verfemung: "Ungezählte Künstler hatten nicht wie Beckmann, Dix oder Kokoschka das Glück, Arbeits- und Ausstellungsverbote zu überdauern. Sie wurden schlicht vergessen."

Wie abhängig die Erinnerung an Künstler und ihre Werke tatsächlich von Glück oder Unglück war, ist hier zu sehen: Höchste Qualität verbindet sich mit Namen wie eben Batz, vor dessen Werk Gaulin fasziniert verharrt.
Mit vereinten Kräften und gebündelten Beziehungen haben Gaulin und Ingaburgh Klatt, Hausherrin und Kuratorin der Ausstellung, die Bilder an die Trave geholt. Die Werke stammen allesamt aus der Sammlung im Willy-Brandt-Haus Berlin; "nicht nur Essig und Öl", wie Gaulin erklärt, "sondern zauberhafte Kabinettstücke" und nennt allen voran Otto Freundlichs "Composition rouge, rosé, verte et bleue", die nach den "explosionsartig auf dem Kunstmarkt gestiegenen Freundlich-Preisen kaum zu bezahlen ist". Nach wie vor staunend spricht die Kuratorin Klatt von "Überraschungen" - untypischen Bildern wie dem "Nebel am Abend" von Dix, einer Zeichnung von Grosz "oder Gerta Overbeck-Schenk - wer hat je von ihr gehört?"

"Den Nationalsozialisten war klar, dass die Werke der Künstler Waffen im aufklärerischen Kampf gegen ihre Ideologie waren", sagt Gaulin. Was nicht zu übersehen und zu überhören war, sollte schnellstmöglich vernichtet werden. Zeitgenössische Künstler indessen sollten zuvor 1937 in der Münchner Ausstellung "Entartete Kunst" der Lächerlichkeit preisgegeben werden - eine Rechnung, die allerdings so glatt nicht aufging, denn die mit Schmähungen versehene Nazi-Schau war mit mehr als zwei Millionen Besuchern eine der meistbesuchten Schauen Moderner Kunst, einige der dort ausgestellten Arbeiten sind jetzt in Lübeck zu sehen. "Dahin gingen auch Menschen, die wussten, dass sie diese Werke vielleicht nie mehr zu sehen bekommen", sagt Ingaburgh Klatt. Der Aktion "Entartete Kunst" fielen schätzungsweise 20.000 Kunstwerke aus mehr als 100 Museen zum Opfer; die meisten wurden vernichtet oder gelten als verschollen. Weil sie kritisch, politisch links oder jüdisch waren, kamen vielfach auch die Künstler im braunen Terror um.
(lub, shz)

"Verfolgt, verfemt, entartet" - Werke aus der Sammlung im Willy-Brandt-Haus Berlin, zu sehen bis zum 28. August im Kulturforum Burgkloster, Hinter der Burg 2-6, Lübeck. Geöffnet ist Di. bis So. von 10 bis 17 Uhr.

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